Deniz Undav bleibt Deutschlands Mann für die besonderen Momente – und die Diskussion um seine ideale Rolle bei der WM wird nach seinem nächsten Auftritt nur noch größer. Beim späten 2:1 (0:1) gegen die Elfenbeinküste drehte der Angreifer die Partie nach seiner Einwechslung beinahe im Alleingang und schoss die DFB-Auswahl vorzeitig in die K.-o.-Phase. Wenige Stunden später stand nach Ecuadors 0:0 gegen Curaçao auch der Gruppensieg fest.
„Das liegt am Bundestrainer. Er trifft die Entscheidung. Ich versuche einfach, meinen Job zu machen“, sagte Undav zur Frage, ob er weiter als Joker kommen oder künftig in der Startelf stehen sollte. Forderungen muss der 29-Jährige nicht stellen – seine Leistungen sprechen längst für ihn.
Zwei Tore nach Einwechslung
Nach einer Stunde kam Undav ins Spiel – und brauchte nicht lange, um wieder zum Unterschiedsspieler zu werden. Nur acht Minuten nach seiner Hereinnahme traf er zum 1:1, nachdem er den Angriff selbst mit eingeleitet hatte und Nadiem Amiri eine maßgenaue Flanke lieferte. In der vierten Minute der Nachspielzeit setzte er nach einem punktgenauen Pass von Felix Nmecha mit seinem zweiten linken Abschluss den Schlusspunkt zum 2:1.
Der Jubel danach war riesig: Mitspieler und Reservisten stürmten gemeinsam auf den Torschützen zu. Undav selbst wirkte unmittelbar nach dem Schlusspfiff fast etwas gebremst. Den Grund erklärte er später mit einem Grinsen: „Ich habe Schmerzen am Zeh. Die haben beim Jubel alle auf meinen Zeh getreten. Ich musste kurz klarkommen.“ Dann wurde er ernster: „Nein, ich freue mich übertrieben. Wir haben gewonnen. Wir haben drei Punkte. Ich habe zwei Tore gemacht.“
Lob von allen Seiten
Mit seinen Auftritten sorgt Undav längst auch international für Aufsehen. Das US-Portal The Athletic stellte bereits die Frage, ob der Stuttgarter der beste Einwechselspieler dieser Weltmeisterschaft ist.
Auch intern bekam der Matchwinner viel Lob. „Deniz ist ein absoluter Killer vor dem Tor“, sagte Amiri. Abwehrchef Antonio Rüdiger ergänzte: „Was Deniz besonders macht? Dass er nicht viel nachdenkt. Er kommt, macht seinen Job und geht wieder.“
Bundestrainer Julian Nagelsmann fand ebenfalls deutliche Worte: „Viel mehr Entscheider als er kann man nicht sein. Er ist einfach ein Vollblutstürmer.“ Vor allem das Timing beim Ausgleich und die Art des Siegtores imponierten ihm. „Das erste Tor war super Timing von Deniz. Den macht er unfassbar gut. Der ist unheimlich schwer. Das zweite ist ein klassischer Deniz Undav.“
Joker oder Starter? Entscheidung noch offen
Trotz der starken Bilanz wollte sich Nagelsmann nach dem vorzeitig gesicherten Weiterkommen nicht auf die weitere Rolle des Angreifers festlegen. „Es gibt verschiedene Ansätze. Du kannst sagen, ja warum soll ich seinen Flow jetzt brechen?“, sagte der Bundestrainer mit Blick auf einen möglichen Verbleib in der Jokerrolle.
Gleichzeitig spreche auch viel dafür, Undav von Beginn an zu bringen. „Er kam zweimal rein, hat zweimal Tore gemacht und letztes Mal auch Tore vorgelegt“, sagte Nagelsmann. „Man kann aber auch sagen, ja klar, super Leistung, lass‘ ihn mal von Beginn an spielen.“ Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen: „Wir werden beides diskutieren, auch mit Deniz.“
Beeindruckende Zahlen – und große Ziele
Zweimal eingewechselt, dreimal getroffen, dazu zwei Vorlagen beim 7:1 gegen Curaçao: Undavs WM-Bilanz ist außergewöhnlich. Insgesamt steht er nun bei neun Toren in elf Länderspielen. Für diese Treffer brauchte er nur 430 Minuten – also im Schnitt weniger als 48 Minuten pro Tor.
Der Stürmer selbst wirkt dabei bemerkenswert gelassen. „Ich weiß, dass ich treffen kann“, sagte er. Wie ihm diese Kaltschnäuzigkeit gelinge? Seine knappe Antwort: „Einfach nur draufballern.“
Kurz vor seiner Einwechslung hatten deutsche Fans im Stadion lautstark seinen Namen gerufen. Auch das blieb ihm nicht verborgen. „Ich habe es auch gemerkt, ich musste wieder lachen. Selbst in Toronto wird mein Name gerufen, nicht nur in Stuttgart“, sagte Undav. „Wenn du Tore machst als Offensivspieler, werden die Fans hinter dir stehen. Ich genieße es.“
Trotz aller persönlichen Anerkennung denkt der Angreifer vor allem an das große Ziel. „Wir wollen das Bestmögliche erreichen – und das ist der Titel. Dafür geben wir alles, das ist das Hauptziel“, sagte er.
Trophäe geht zur Frau
Eine Auszeichnung hatte Undav nach dem Spiel bereits sicher: den Preis als „Man of the Match“. Die eher kitschig anmutende Trophäe eines FIFA-Sponsors trug er bei den Interviews die ganze Zeit in der linken Hand. Als er die Bühne schon verlassen wollte, kam noch die Frage, was mit dem Pokal passiere. Seine Antwort: „Die geht zur Frau.“ Dazu zeigte er sein typisches verschmitztes Lächeln.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion