Fußball

WM-Chaos zum Geburtstag? Neuendorf muss aufräumen

Zweite WM, nächster DFB-Flop: Neuendorf hält die Krise diesmal im Griff – doch jetzt hängt alles an seinem Mega-Deal.

05.07.2026, 06:34 Uhr

Bernd Neuendorf hätte seinen 65. Geburtstag wohl gern mit einem Ständchen im The Graylyn Estate gefeiert. Die frühere Unterkunft der deutschen Nationalmannschaft in North Carolina gilt außerhalb großer Turniere als gefragter Ort für private Feiern. Doch erneut machte ihm ausgerechnet die DFB-Auswahl einen Strich durch die Rechnung.

Schon vor zwei Jahren gab es am Vorabend seines 63. Geburtstags eine bittere Enttäuschung: das 1:2 nach Verlängerung gegen Spanien im Viertelfinale der Heim-EM. Nun ist die Lage für den DFB-Präsidenten noch ernster. Nach dem nächsten gescheiterten WM-Anlauf ist Neuendorf wie schon 2022 wieder als Krisenmanager gefragt.

Keine weiteren WM-Besuche im Stadion

Erfahrung in solchen Situationen hat er inzwischen reichlich gesammelt. Deshalb wird Neuendorf erneut in die USA reisen – allerdings nicht, um noch einmal in Winston-Salem vorbeizuschauen. Auch ein weiterer Stadionbesuch bei der WM ist nach DFB-Angaben nicht geplant. Selbst seine Rolle im FIFA-Council an der Seite von Verbandschef Gianni Infantino ändert daran nichts.

Stattdessen steht für ihn eine andere zentrale Aufgabe an: die Verpflichtung von Jürgen Klopp voranzutreiben. Unterstützung erhält er dabei von Ligapräsident Hans-Joachim Watzke, der aus gemeinsamen Zeiten in Dortmund einen engen Draht zu Klopp hat.

Watzke war bereits 2022 nach dem Katar-Debakel eine Schlüsselfigur im deutschen Fußball. Damals half er Neuendorf, der noch nicht lange im Amt war und auf sportliche Krisen erst noch reagieren lernen musste. Diesmal wirkte der frühere Journalist und Politiker im Umgang mit dem WM-Misserfolg in den USA bislang deutlich sicherer.

Hans-Joachim Watzke und Bernd Neuendorf
Watzke und Neuendorf bewältigen nicht die erste Krise der Nationalmannchaft gemeinsam. (Archivbild) Quelle: Florian Wiegand/dpa

Der erste wichtige Schritt ist bereits erledigt: die Trennung von Julian Nagelsmann. Das geschah in drei Etappen – erst die geordnete Heimreise, dann eine Krisensitzung und schließlich der Rücktritt des 38-Jährigen, den dieser selbst erklärte.

Neuendorf leitete den Prozess ohne großen öffentlichen Auftritt ein. Nach dem verlorenen Elfmeterschießen gegen Paraguay in Foxborough bei Boston wurde der Kurs per Pressemitteilung vorgegeben. Anders als vor fast vier Jahren in Doha, als ein demonstrativ staatstragender Auftritt am Flughafen kaum zur schnellen Lösung beitrug, setzte der DFB diesmal auf ein nüchterneres Vorgehen.

Klopp als Wunschlösung

Der zweite Punkt auf der Aufgabenliste läuft bereits. In der Mitteilung zur Trennung von Nagelsmann wurde die Richtung deutlich benannt: Die DFB-Spitze will das Gespräch mit Jürgen Klopp suchen. Demnach habe Klopp grundsätzlich Bereitschaft signalisiert, den Posten zu übernehmen.

Diese frühe Festlegung war ungewöhnlich, zugleich aber geschickt. Klopp konnte die Vorlage kurz darauf mit einem Interview bei MagentaTV aufnehmen. Sowohl Neuendorf als auch Klopp scheinen den Wechsel zu wollen. Offen bleiben offenbar vor allem finanzielle Fragen und die Modalitäten einer Trennung von Klopps aktuellem Arbeitgeber Red Bull.

Möglich, dass Watzke mit seinen Kontakten am Ende den entscheidenden Beitrag zum Abschluss leistet. Nach außen vermittelt Neuendorf jedoch klar den Eindruck, die Kontrolle über den Prozess zu haben. Das stärkt seine Position innerhalb des Verbandes. Und sollte der Deal gelingen, dürfte ihm am Ende zumindest viel Anerkennung sicher sein – wenn schon kein Geburtstagsständchen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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