Deutschlands Böden sind derzeit stark ausgetrocknet, vor allem im Süden und Osten. Nach Einschätzung von Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung ist dafür aber nicht in erster Linie die jüngste Hitzewelle verantwortlich. Entscheidend sei vielmehr, dass es in den vergangenen acht Monaten insgesamt zu wenig geregnet habe.
Die hohen Temperaturen verschärften die Lage vor allem an der Oberfläche. Marx spricht von einer sogenannten Blitzdürre im Oberboden, also in den obersten 25 Zentimetern, teils auch bis in 30 oder 40 Zentimeter Tiefe. Durch die Hitze verdunstet mehr Wasser, zugleich steigt der Bedarf der Pflanzen. Wo in diesen Schichten noch Feuchtigkeit vorhanden war, gehe sie deshalb rasch verloren.
Besonders angespannte Lage im Süden
In den tieferen Bodenschichten kann sich grundsätzlich eine große Menge Wasser speichern – theoretisch sogar so viel wie ein ganzer Jahresniederschlag. Allerdings sind diese Reserven derzeit gering, weil es seit dem Herbst 2025 nur wenig Regen gab. Auf den Karten des Dürremonitors, die die Bodenfeuchte bis etwa 1,80 Meter Tiefe zeigen, ist der äußerste Süden Deutschlands dunkelrot markiert. Das steht für eine außergewöhnliche Dürre.
Nach Angaben von Marx lässt sich ein solches Defizit im Sommer normalerweise nicht abbauen. Im Gegenteil: In der warmen Jahreszeit trocknen die Böden meist weiter aus. Um die fehlende Feuchtigkeit auszugleichen, wäre nun ein extrem nasser Sommer nötig – ein Szenario, das eher unwahrscheinlich ist.
Risiken für Wälder, Flüsse und Ernten
Für die Wälder bedeutet die anhaltende Trockenheit erheblichen Stress. Es drohen direkte Dürreschäden, aber auch Folgeschäden wie ein verstärkter Befall durch Borkenkäfer. Auch die Flüsse könnten weiter unter Druck geraten, da ein großer Teil ihres Wassers aus dem Grundwasser stammt. Sinkt dessen Stand weiter, steigt die Gefahr von Niedrigwasser. Das kann wirtschaftliche Folgen haben, etwa wenn Schiffe nicht mehr mit voller Ladung fahren können.

Auch in der Landwirtschaft wächst die Sorge. Vor allem Sommerkulturen wie Mais und Zuckerrüben leiden unter den trockenen Bedingungen. Falls in den kommenden Wochen und Monaten nicht deutlich mehr Regen fällt als üblich, sind Ertragseinbußen wahrscheinlich.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber