Fußball

Infantino kündigt brisante FIFA-Reformen an

Im FIFA-Machtkampf lenkt Infantino plötzlich ein: Kommen jetzt Reformen, die sogar seine eigene Rolle beschneiden?

21.09.2026, 22:21 Uhr

Infantino signalisiert Reformbereitschaft bei der FIFA – hält aber an weiterer Kandidatur fest

Im Machtstreit um die Führung des Fußball-Weltverbands hat FIFA-Präsident Gianni Infantino erstmals konkrete Gespräche über mögliche Reformen angeboten. In einem Schreiben an die Vorsitzenden der 211 nationalen Verbände sowie an die Mitglieder des FIFA-Councils, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, kündigte der Schweizer eine unabhängige externe Überprüfung der FIFA-Governance an.

Zudem stellte Infantino strukturierte und zeitlich begrenzte Konsultationen mit Konföderationen, Mitgliedsverbänden und weiteren relevanten Interessengruppen in Aussicht. Dabei soll es nach seinen Angaben darum gehen, die Entscheidungsprozesse innerhalb der FIFA zu verbessern. Ausdrücklich erwähnte er auch die Frage, wie die FIFA-Institutionen künftig früher in große strategische Projekte eingebunden werden können – und welche Rolle der Präsident dabei haben soll.

Mit dem Schritt reagiert der 56-Jährige auf die anhaltende Kritik an seinem Führungsstil. Besonders seit seinem Vorstoß zur Vermarktung von WM-Rechten durch externe Investoren steht Infantino massiv unter Druck.

Kein Rückzug vor der Wahl 2027

Zugleich machte Infantino deutlich, dass er die FIFA weiter führen will. Hinweise auf einen Verzicht auf eine Kandidatur für eine vierte Amtszeit beim Kongress im März 2027 enthält der Brief nicht. Genau das fordern jedoch Kritiker um UEFA-Präsident Aleksandar Ceferin. Auch der Deutsche Fußball-Bund mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf, der dem FIFA-Council angehört, hat sich klar gegen Infantino positioniert.

In seinem Schreiben betonte Infantino, er bleibe uneingeschränkt entschlossen, die FIFA zu führen. Ziel sei es, die Unabhängigkeit des Verbands zu sichern, seine Institutionen zu stärken und den Fortschritt im Fußball weltweit dem gesamten Sport zugutekommen zu lassen.

Vorschläge, die bis zur Sitzung des FIFA-Councils am 15. Oktober eingehen, könnten dort bereits berücksichtigt werden. Eine Reaktion aus dem Lager seiner Gegner lag zunächst nicht vor.

UEFA und CONCACAF in scharfer Opposition

Vor allem die Europäische Fußball-Union UEFA sowie die Verbände aus Nord- und Mittelamerika verfolgen seit Wochen einen harten Oppositionskurs gegen den FIFA-Präsidenten. Einen Gegenkandidaten für die nächste Präsidentschaftswahl haben sie bislang allerdings nicht präsentiert.

Ende August war der Konflikt weiter eskaliert. Im Zusammenhang mit den Plänen zu WM-Investoren stand sogar die Androhung eines Strafantrags vor Schweizer Gerichten im Raum. Zudem wurden bei US-Gerichten Informationen zu den geplanten Geschäften angefragt.

Mit seinem Brief suchte Infantino nun demonstrativ den Dialog. Er stellte klar, dass die Behandlung eines Mitgliedsverbands nicht von dessen Haltung zu einzelnen Vorschlägen oder institutionellen Fragen abhängen solle. Jeder Verband habe das Recht, gehört zu werden; Meinungsverschiedenheiten dürften den gegenseitigen Respekt nicht verhindern.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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