VfB Stuttgart verliert erstmals in der Champions League
Der VfB Stuttgart hat in dieser Champions-League-Saison die erste Niederlage hinnehmen müssen. Beim türkischen Serienmeister Galatasaray Istanbul unterlagen die Schwaben in der emotional aufgeladenen Atmosphäre des Ali Sami Yen Spor Kompleksi mit 0:2 (0:2). Vor rund 50.000 Zuschauern entschied Aleksei Batrakov die Partie mit einem frühen Doppelpack in der 12. und 15. Minute.
Ermedin Demirovic sprach anschließend bei DAZN von einer "überragenden" Atmosphäre. So etwas habe er noch nie erlebt. Trotz der Niederlage habe Stuttgart dagegengehalten. Auch Chris Führich betonte, dass man sich vom bislang guten Weg in der Königsklasse nicht abbringen lassen wolle.
Kurz vor dem Anpfiff wurde es im Stadion noch einmal still. Nach dem Tod des spanischen Zweitliga-Profis Jesús de Miguel von CD Teneriffa gedachten beide Teams des Verstorbenen mit einer Schweigeminute. Danach verwandelte sich das Stadion schnell wieder in einen Hexenkessel. Schon nach einer Viertelstunde hatte Galatasaray zweimal Grund zum Jubeln, auf der Pressetribüne rissen sogar einige Reporter die Arme hoch.
Frühe Fehler bringen Stuttgart schnell ins Hintertreffen
Am Rückstand war der VfB entscheidend selbst beteiligt. Vor dem 0:1 misslang Jeff Chabot in seinem 100. Pflichtspiel für Stuttgart ein Klärungsversuch, sodass der Ball direkt bei Batrakov landete. Fabian Bredlow, der erneut den Vorzug vor Dennis Seimen erhielt, war beim Schuss ins obere Eck chancenlos.
Auch das zweite Gegentor fiel nach einem Defensivproblem der Gäste. Ein langer Ball von Davinson Sánchez hebelte die Stuttgarter Abwehr aus, Batrakov lief frei auf Bredlow zu und schob den Ball von halbrechts durch dessen Beine ins Tor. Schlechter hätte die Partie für den Bundesligisten kaum beginnen können. Dazu sah Atakan Karazor nach einem Tritt gegen den Knöchel von Victor Osimhen früh die Gelbe Karte.
Leweling lässt die große Chance zur Führung liegen
Besonders bitter aus Sicht des VfB: Beim Stand von 0:0 vergab Jamie Leweling die Möglichkeit zur Führung. Nach einer Hereingabe des auffälligen Chris Führich traf er zunächst den linken Pfosten, von dort sprang der Ball noch an den rechten – jedoch nicht über die Linie.
Führich selbst setzte kurz vor der Pause noch einen Versuch knapp daneben. Weitere klare Möglichkeiten gab es im ersten Durchgang gegen die kompakte Galatasaray-Abwehr um die früheren Bundesliga-Profis Ismail Jakobs und Roland Sallai kaum.
Hitzige Atmosphäre auf den Rängen und auf dem Platz
Trainer Sebastian Hoeneß hatte vor der Partie betont, dass es in Istanbul eine besondere Leistung brauche – körperlich, mental und taktisch. Mit der Wucht von den Rängen hatten die Stuttgarter jedoch sichtbar zu kämpfen. Selbst die Gesänge der mitgereisten VfB-Anhänger wurden von den Heimfans mit schrillen Pfiffen beantwortet, längere Ballbesitzphasen der Gäste ebenso.
Schon vor dem Spiel hatte Maximilian Mittelstädt darauf hingewiesen, dass zusätzliche Störfaktoren auf und neben dem Platz eine Rolle spielen würden. Wie hitzig die Begegnung tatsächlich war, zeigte sich in einer Rudelbildung nach einem intensiven Zweikampf zwischen Baris Yilmaz und Führich, der nach einem Schubser im Seitenaus landete. Zahlreiche Spieler und Betreuer mischten sich ein. Am Ende wurden Yilmaz und Deniz Undav verwarnt.
Stuttgart nach der Pause verbessert, aber ohne Ertrag
Nach dem Seitenwechsel präsentierte sich der VfB deutlich aktiver. Führich, Undav und Dzenan Pejcinovic vergaben jedoch gute Möglichkeiten. Ein Treffer zählte zudem nicht: Zwar landete der Ball nach einem sehenswerten Schlenzer von Führich im Netz, doch zuvor hatte Undav bei seinem Lattenschuss im Abseits gestanden.
Von Galatasaray kam offensiv im zweiten Durchgang nur noch wenig. Auch der in der 77. Minute eingewechselte deutsche Nationalspieler Leroy Sané änderte daran kaum etwas. Für den türkischen Meister reichte die starke Anfangsphase dennoch zum zweiten Sieg in der Ligaphase. Stuttgart bleibt damit bei sieben Punkten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber