Drei Monate nach dem Scheitern der Investorenpläne für künftige Weltmeisterschaften will der Fußball-Weltverband FIFA Medienberichten zufolge Einsicht in zentrale Unterlagen zu dem Vorgang ermöglichen. Wie die BBC, The Athletic und die britische Nachrichtenagentur PA berichten, habe Generalsekretär Mattias Grafström dies am Montag in einem Schreiben an die Mitglieder des FIFA-Councils angekündigt.
Eine offizielle Bestätigung der FIFA gab es zunächst nicht. Sowohl der Weltverband als auch die UEFA waren um Stellungnahmen gebeten worden. Die Europäische Fußball-Union hatte der FIFA bereits am 19. Oktober in einem Brief einen umfangreichen Fragenkatalog übermittelt und für die Antworten eine Frist bis zum 2. November gesetzt.
Einsicht in Zürich möglich
Dem Bericht zufolge können interessierte Mitglieder des FIFA-Councils in den kommenden zwei Wochen am FIFA-Sitz in Zürich Einsicht in die Dokumente beantragen. In dem Schreiben soll Grafström zugleich erklärt haben, dass nicht alle 42 Fragen aus dem UEFA-Brief innerhalb der gesetzten Frist beantwortet werden konnten. Eine Rückmeldung solle jedoch zu einem späteren, angemessenen Zeitpunkt folgen.
Offene Fragen zu Balogun und Trump
Die UEFA fordert unter anderem Informationen zum Umgang mit dem Disziplinarverfahren gegen den US-Angreifer Folarin Balogun während der WM. Außerdem verlangt sie Auskünfte über geschäftliche und politische Kontakte zu US-Präsident Donald Trump und dessen Familie sowie über die operative Unabhängigkeit der Rechts-, Wahl- und Ethikkommissionen der FIFA.
Die nun zur Einsicht vorgesehenen Unterlagen sollen sich allerdings offenbar ausschließlich auf den gescheiterten Investorendeal beziehen. FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte den Plan nach erheblichem Widerstand fallengelassen, 20 Prozent der kommerziellen Rechte an der WM und weiteren Wettbewerben für mehr als vier Milliarden US-Dollar zu veräußern.
Infantinos Wiederwahlchancen steigen
Infantino hatte angekündigt, sämtliche 42 UEFA-Fragen beantworten zu wollen. Am 24. Oktober sagte er am Rande der U15-WM in Baku, man arbeite daran und werde selbstverständlich alles beantworten, soweit es das Verfahren zulasse und die FIFA dazu in der Lage sei.
Der 56-jährige Schweizer will im kommenden März für eine vierte Amtszeit als FIFA-Präsident kandidieren. Zuletzt war die Unterstützung für ihn wieder deutlich gewachsen. Einen Gegenkandidaten hat die UEFA bislang nicht präsentiert; die Frist dafür endet am 18. November. Auf der Council-Sitzung vom 15. Oktober hatte Infantino aus Sicht seiner Kritiker viele Fragen jedoch nicht zufriedenstellend beantwortet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber