EZB steuert auf möglichen Zinsschritt im Dezember zu
Die Europäische Zentralbank könnte ihre Zinsen im Dezember erneut anheben. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel, der dem EZB-Rat angehört, erklärte laut Redemanuskript am Abend in Berlin, ein weiterer Schritt nach oben sei nach heutigem Stand sehr wahrscheinlich nötig. Sollte sich der Ausblick für die Inflation nicht spürbar aufhellen, gebe es aus seiner Sicht kaum eine Alternative zu einer Zinserhöhung. Die nächste geldpolitische Sitzung des EZB-Rats ist für den 17. Dezember angesetzt.
Im laufenden Jahr hat die Notenbank ihre Leitzinsen bereits zwei Mal erhöht, um auf die deutlich gestiegene Inflation zu reagieren, die vor allem von höheren Energiekosten getrieben wird. Bei der jüngsten Sitzung in der vergangenen Woche blieb der Einlagenzins, der für Banken und Sparer von Bedeutung ist, bei 2,5 Prozent.
Steigende Leitzinsen machen Kredite teurer. Dadurch kann die Nachfrage sinken, was den Preisauftrieb abschwächen soll. Gleichzeitig verteuern höhere Zinsen Investitionen und können damit das Wirtschaftswachstum belasten.
Inflation im Euroraum bleibt hoch
Der Krieg im Iran sorgt für zusätzlichen Druck auf die Energiepreise und verstärkt damit die Inflation. Im September lagen die Verbraucherpreise im Euroraum 3,8 Prozent über dem Stand des Vorjahresmonats. Das ist der höchste Wert seit drei Jahren. Nach der jüngsten Einschätzung der EZB dürfte die Teuerung im Währungsraum noch mindestens bis 2027 erhöht bleiben.
Nagel warnte zudem, dass der Inflationsdruck inzwischen wohl stärker ausfallen dürfte als noch im September angenommen. Wiederholte Anstiege bei den Energiepreisen könnten seiner Einschätzung nach auch andere Waren und Dienstleistungen verteuern. Zudem bestehe die Gefahr, dass sich dies zunehmend in höheren Lohnforderungen niederschlägt, was den Preisauftrieb weiter verstärken würde.

Die EZB verfolgt für den Euroraum mit seinen inzwischen 21 Mitgliedsländern mittelfristig ein Inflationsziel von 2,0 Prozent. Mit diesem Wert sieht die Notenbank ihr zentrales Mandat erfüllt: Preisstabilität zu sichern, den Euro stabil zu halten und die Kaufkraft der Bürgerinnen und Bürger zu schützen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber