König Charles III. hat beim Commonwealth-Gipfel in St. John’s auf Antigua und Barbuda erneut keine ausdrückliche Entschuldigung für die Beteiligung Großbritanniens am transatlantischen Sklavenhandel ausgesprochen. In seiner Rede sagte der 77-Jährige, dieses dunkle Kapitel der Geschichte erfülle ihn mit Entsetzen und tiefer persönlicher Trauer. Eine formelle Bitte um Vergebung blieb jedoch aus.
Seit Jahren werden die Forderungen nach einer offiziellen Entschuldigung immer lauter. Zwar war bereits im Vorfeld damit gerechnet worden, dass der König diesen Schritt nicht gehen würde, dennoch dürfte seine Haltung in vielen Staaten des Commonwealth für Ernüchterung sorgen.
Der Buckingham-Palast hatte vorab erklärt, es sei nicht angemessen, wenn sich der Monarch als Oberhaupt des Commonwealth zu konkreten politischen Fragen äußere, die in die Zuständigkeit der britischen Regierung fielen. Auch die Downing Street hatte sich bislang gegen eine offizielle Entschuldigung gestellt – wohl auch aus Sorge, damit neue Forderungen nach Entschädigungszahlungen zu befeuern.
Charles nennt Sklavenhandel eine „monströse Ungerechtigkeit“
Der erst seit Kurzem amtierende Premierminister Andy Burnham, der ebenfalls an dem Gipfel teilnimmt, signalisierte zuletzt jedoch Offenheit für einen anderen Kurs. In einem Beitrag für den Guardian schrieb er, seine Regierung sei bereit, Gespräche über eine offizielle Entschuldigung zu führen. Großbritannien habe einst eine führende Rolle bei der Abschaffung der Sklaverei gespielt – und könne nun erneut Führungsverantwortung zeigen.

Auch Charles betonte in seiner Ansprache, dass das Böse nicht das letzte Wort behalten müsse. Die Abschaffung des internationalen Sklavenhandels sei durch Mut und Charakter möglich geworden, sagte er. Den Sklavenhandel bezeichnete er als „monströse Ungerechtigkeit“. Zugleich hob er hervor, dass die britische Royal Navy damals eine wichtige Rolle bei dessen Beendigung gespielt habe.
Reparationszahlungen an betroffene Staaten schließt Burnham trotz seiner Offenheit für eine Entschuldigung aus. Stattdessen wolle er sich im Rahmen möglicher Gespräche dafür einsetzen, dass wirtschaftlich schwächere Länder bei ihrer Schuldenlast international entlastet werden. Denkbar seien etwa niedrigere Zinsen oder längere Rückzahlungsfristen.
Vor allem im 18. Jahrhundert war Großbritannien eine der zentralen Mächte im Sklavenhandel. Schätzungen zufolge wurden zwischen 1640 und 1807 rund drei Millionen Afrikaner auf englischen Schiffen in britische Kolonien in der Karibik sowie nach Nord- und Südamerika und in andere Regionen verschleppt. Der Handel mit versklavten Menschen aus Afrika wurde im British Empire am 1. Mai 1807 verboten. Die Sklaverei selbst wurde in den Kolonien jedoch erst 1834 abgeschafft. Entschädigungen erhielten die versklavten Menschen und ihre Nachfahren bis heute nicht – im Gegensatz zu den damaligen Sklavenhaltern.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber