Fußball

Nach Karl-Knall: Sané rettet Sieg bei WM-Probe

Sané rettet dem DFB den 9. Sieg in Serie – nach dem Karl-Schock ein Mutmacher. Doch bei Nagelsmann blinkt noch Alarm.

06.06.2026, 22:34 Uhr

Sané sorgt nach Karl-Schock für 2:1 gegen die USA

Die deutsche Nationalmannschaft hat ihre Generalprobe vor der Weltmeisterschaft mit viel Mühe bestanden. Beim 2:1 (1:1) gegen Co-Gastgeber USA erzielte ausgerechnet Leroy Sané, der nach dem verletzungsbedingten Aus von Lennart Karl in die Mannschaft gerückt war, in der 57. Minute den Siegtreffer. Damit holte das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann im heißen Soldier Field von Chicago den neunten Erfolg nacheinander.

Nagelsmann stand mit weißem Cap gegen die Hitze mitten bei seiner Mannschaft und klatschte jeden seiner WM-Spieler ab. Der Sieg gegen die emotional und kompromisslos auftretenden Amerikaner soll Mut machen für eine möglichst lange WM-Reise. "Ich fand es einen perfekten Test für uns von den Witterungsbedingungen, vom Gegner, die emotional spielen", sagte Nagelsmann bei RTL. "Insgesamt bin ich zufrieden. Wir haben jetzt neunmal in Folge gewonnen. Das musst du auch erst einmal machen."

Acht Tage vor dem Start gegen Curaçao bewiesen Kapitän Joshua Kimmich und seine Kollegen Widerstandskraft, offenbarten defensiv aber auch Schwächen, die gegen Topgegner teuer werden könnten. Kai Havertz hatte die DFB-Elf schon nach wenigen Sekunden per Kopf in Führung gebracht (2.), ehe Antonee Robinson mit einem sehenswerten Volleytor ausglich (37.). Deutschland zeigte Moral, geriet phasenweise aber deutlich unter Druck.

Karl-Aus überschattet die Partie

Die Begegnung stand weiter im Zeichen des verletzungsbedingten Ausfalls von Lennart Karl, der nach seiner Muskelverletzung und einem tränenreichen Abschied bereits abgereist ist. Manuel Neuer fehlte ebenfalls noch. Vor dem Spiel hatten Nagelsmann und DFB-Präsident Bernd Neuendorf den Zusammenhalt im Team betont. Die Botschaft lautete erneut: Alle für Lenny.

Nagelsmann sprach vor dem Anpfiff von einem schmerzhaften Verlust für die Mannschaft, machte aber zugleich klar, dass der Fokus nun auf dem Turnier liegen müsse. Die WM sei größer als die Trauer, lautete die Haltung im deutschen Lager. Nach der Weiterreise ins Quartier nach Winston-Salem wartet nun eine arbeitsreiche Woche auf das Team, bevor in Houston der WM-Auftakt gegen Außenseiter Curaçao ansteht.

Vor dem Anpfiff wurde zudem deutlich, mit welchem Aufwand das Gastgeberland Fußball inszeniert: Feuerwerk und zwei Kampfjets über dem Stadion sorgten schon während der Hymnen für großes Spektakel. Dazu passten auch die schwarz-rot-goldenen Rautenshirts der DFB-Elf beim Aufwärmen ins bunte Ambiente.

Frühe Führung durch Havertz

Die Anfangsphase verlief perfekt für Deutschland. Nach einer cleveren Freistoß-Chipflanke von Joshua Kimmich stieg Havertz frei vor Miles Robinson hoch und köpfte zur frühen Führung ein. Für den Offensivspieler war es erneut ein schneller Wirkungstreffer, nachdem er schon eine Woche zuvor im Champions-League-Finale für den FC Arsenal früh getroffen hatte.

Kimmich prägte in dieser Phase das deutsche Spiel, trieb die Mannschaft an und suchte immer wieder Sané auf der rechten Seite. Allerdings fehlte in mehreren Situationen noch die letzte Abstimmung. Auch Jamal Musiala und Florian Wirtz fanden zunächst nicht richtig in ihren Rhythmus. Wirtz fehlte die Präzision, Musiala musste ungewohnt häufig defensiv Lücken schließen.

"Alles in allem müssen wir jetzt positiv sein. Wir brauchen jetzt jeden Einzelnen, brauchen die Euphorie, das Selbstvertrauen und gehen mit breiter Brust ins erste Spiel", sagte Havertz nach der Partie.

Nach der Trinkpause kippt das Spiel

Mit zunehmender Spielzeit verlor Deutschland den Zugriff. Rund um die Trinkpause nach gut 20 Minuten kam ein Bruch ins Spiel der DFB-Elf. Die USA wurden mutiger und setzten die deutsche Abwehr mit schnellen Umschaltsituationen unter Druck. Nach einem kräftigen Schauer war inzwischen die Sonne über das Soldier Field zurückgekehrt. Nagelsmann hatte da sein durchnässtes Shirt bereits gewechselt – von Weiß auf Blau.

Der Ausgleich fiel dann spektakulär: Nach einer Ecke von Christian Pulisic und einer Kopfballabwehr von Jonathan Tah nahm Robinson den Ball aus knapp 20 Metern direkt und traf unhaltbar für Oliver Baumann ins Netz. Auch Neuer hätte bei diesem Schuss kaum eine Chance gehabt. Robinsons artistischer Jubel mit Handstandüberschlag und Rückwärtssalto passte zum Wirkungstreffer.

Danach hatten die Gastgeber sogar die besseren Momente. Chancen von Sergino Dest und Pulisic überstand Deutschland nur mit Mühe, wobei Tah mehrfach in letzter Sekunde klärte.

Baumann stark, Sané mit der Entscheidung

Unmittelbar nach Wiederbeginn rückte Baumann in den Mittelpunkt und parierte zweimal gegen den ehemaligen Schalker Weston McKennie. Auch wenn später noch die Fahne hochging, war es ein weiterer Hinweis darauf, dass auf den Hoffenheimer als Neuer-Backup Verlass ist.

Kurz darauf prüfte Felix Nmecha US-Keeper Matt Freese mit einem Flachschuss. Sané setzte einen Freistoß aus aussichtsreicher Position zunächst noch deutlich über das Tor – ein Versuch, der eher einen Extrapunkt im American Football eingebracht hätte. Danach steigerte sich der Offensivspieler aber. Nach Vorarbeit von Musiala und Havertz traf Sané in der 57. Minute zum 2:1 und bescherte Deutschland damit den moralisch wichtigen Siegtreffer.

Für Sané gab es anschließend Sonderlob vom Bundestrainer. "Er ist ein super feiner Kerl. Er muss einfach immer an die Grenze gehen. Und er hat heute ein gutes Spiel gemacht, ein wichtiges Tor gemacht", sagte Nagelsmann.

In der Schlussphase rettete Baumann gegen Brenden Aaronson den Vorsprung. In der Nachspielzeit wurde es noch einmal hitzig, als Tim Weah David Raum mit einem harten Einsteigen attackierte.

Wichtiger Sieg mit Warnhinweisen

Der Erfolg gegen die USA gibt dem DFB-Team vor dem Turnierstart Rückenwind, zeigte aber ebenso deutlich, dass noch nicht alles sitzt. Offensiv gelangen gute Momente, defensiv blieb die Mannschaft anfällig. Trotzdem war der Sieg angesichts der schwierigen Umstände nach Karls Ausfall ein wichtiges Signal.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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