Wirtschaft

VW-Markenchef drückt beim Sparprogramm aufs Gas

Alarm bei VW: Schäfer bringt düstere Botschaften nach Wolfsburg – Betriebsratschefin Cavallo warnt vor heftigem Sturm.

21.09.2026, 18:55 Uhr

VW will Sparkurs bei Kernmarke verschärfen

Volkswagen will sein laufendes Sparprogramm bei der Hauptmarke deutlich intensivieren. Bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg sagte Markenchef Thomas Schäfer, man dürfe keine Zeit verlieren und werde das Performance-Programm spürbar ausweiten. Er habe zwar gehofft, dass die Ende 2024 vereinbarten Schritte ausreichen würden, doch bloßes Abwarten löse die Probleme nicht. Über die konkrete Umsetzung solle nun mit den Arbeitnehmervertretern gesprochen werden.

Die Vereinbarung aus dem vergangenen Jahr setzte laut Schäfer drei Schwerpunkte: Überkapazitäten an deutschen Standorten abbauen, Personalkosten senken und die Ausgaben für Entwicklung wieder auf ein konkurrenzfähiges Maß bringen. Innerhalb der Marke Volkswagen sei man dabei bereits ein gutes Stück vorangekommen. So seien in Deutschland schon rund 16.300 Austritte erfolgt, insgesamt seien bis 2030 knapp 28.800 Abgänge fest vereinbart. Bis dahin will die Kernmarke hierzulande insgesamt 35.000 Stellen abbauen.

Cavallo warnt vor härterem Sparkurs

Betriebsratschefin Daniela Cavallo rechnet damit, dass die Sparmaßnahmen noch deutlich schärfer ausfallen werden. Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen sagte sie auf der Versammlung, die Belegschaft werde den Spardruck in den kommenden Wochen in vielen Bereichen noch stärker zu spüren bekommen. Die Lage sei äußerst angespannt, die Zeichen stünden klar auf Verschärfung.

Gleichzeitig stellte Cavallo klar, dass ein "Weiter so" keine Option sei. Ein großer Teil der bisherigen Ertragskraft sei verloren gegangen, das müsse man offen aussprechen. Die europäische Autoindustrie stehe vor einer massiven Neuordnung. Einige Traditionshersteller könnten vom Markt verschwinden, andere müssten fusionieren oder Bündnisse eingehen, die früher undenkbar erschienen wären. Entscheidend sei nun, wie neue Belastungen fair verteilt werden können, ohne dass die Beschäftigten einseitig die Folgen tragen.

VW-Markenchefn Thomas Schäfer
VW-Markenchef Schäfer: «Wir haben absolut keine Zeit zu verlieren». Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa

Diskussion über weiteren Stellenabbau

Cavallo griff laut dpa auch Überlegungen des Vorstands um Konzernchef Oliver Blume auf, weltweit nochmals rund 50.000 Stellen zu streichen, etwa die Hälfte davon in Deutschland. Aus ihrer Sicht ist fraglich, ob ein derart umfangreicher Abbau noch sozialverträglich organisiert werden kann. Allein mit Altersteilzeit und Aufhebungsverträgen werde das kaum zu schaffen sein. Daher stellte sie die Frage, ob der Vorstand am Ende betriebsbedingte Kündigungen ins Auge fasse und wie diese überhaupt durchgesetzt werden sollten. Für die Volkswagen AG gilt allerdings eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2030, die nicht gekündigt werden kann.

Weniger Extraschichten für Verbrenner, mehr Produktion bei E-Autos

Erst vor Kurzem hatte VW seine Gewinnprognose zurückgenommen. Als Gründe nannte der Konzern unter anderem milliardenschwere Abschreibungen bei Porsche, Schwierigkeiten im China-Geschäft sowie die stärker steigende Nachfrage nach Elektroautos. An diesen verdient VW derzeit weniger als an vergleichbaren Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.

Vertriebsvorstand Martin Sander erklärte, besonders in Deutschland und Europa ziehe das Interesse an E-Autos an. Gründe seien unter anderem hohe Kraftstoffpreise, eine bessere Ladeinfrastruktur und günstigere Einstiegsmodelle. Gleichzeitig lasse die Nachfrage nach Verbrennern nach. Das markiere einen wichtigen Wendepunkt.

VW wolle auf diese Marktveränderung flexibel reagieren und die Produktionsplanung entsprechend anpassen, so Sander. Nach dpa-Informationen entfallen im Wolfsburger Stammwerk, wo unter anderem Golf und Tiguan mit Verbrennungsmotor gebaut werden, bereits geplante Sonderschichten. In Werken wie Emden, die stärker auf Elektromobilität ausgerichtet sind, soll die Produktion dagegen ausgeweitet werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen