Wie die Zusammenarbeit von Jürgen Klopp und Marc Kosicke begann
Die Verbindung zwischen Jürgen Klopp und seinem langjährigen Berater Marc Kosicke reicht bis ins Jahr 2005 zurück. Damals war Kosicke noch Marketingdirektor bei Nike, Klopp trainierte den Bundesligisten Mainz 05. Klopp erschien eines Tages gemeinsam mit seinem Anwalt in Kosickes Büro – inklusive vorbereiteter Vertragsunterlagen. Sein Ziel: als Markenbotschafter für Nike arbeiten.
Kosicke zeigte sich beeindruckt von Klopps selbstbewusstem Auftritt, musste ihm jedoch mitteilen, dass der Konzern ausschließlich Spieler unter Vertrag nehme.
Aus einem Kneipenabend wurde eine langjährige Partnerschaft
Wenig später trafen sich Klopp, Kosicke und dessen Anwalt in einer Gaststätte, tranken zusammen Weißbier und fanden schnell zueinander. Kosicke betonte später mehrfach, dass es ursprünglich gar nicht seine Absicht gewesen sei, Klopp als Klienten zu gewinnen. Dennoch wurde Klopp am Ende sein erster Mandant überhaupt.
Vor wenigen Tagen wurde Klopp am DFB-Campus in Frankfurt als neuer Bundestrainer präsentiert. Im Publikum saß Kosicke in der ersten Reihe. Klopp kündigte an, beim DFB „jeden Stein umdrehen“ zu wollen – und machte klar, dass er dafür ein vertrautes Team an seiner Seite brauche.
Zu diesem engen Kreis gehört auch Kosicke. Klopp bezeichnete ihn als seinen „Co-Trainer für Strategie, Entwicklung und Innovation“. In der offiziellen Mitteilung des DFB wurde diese Rolle zwar nicht aufgeführt, DFB-Präsident Bernd Neuendorf erklärte jedoch, Kosicke werde als externer Mitarbeiter eingebunden. Künftig sollen bei ihm sämtliche organisatorischen Themen rund um das Trainerteam zusammenlaufen.

Enge Bindung zwischen Klopp und Kosicke
Neuendorf machte deutlich, dass Klopp und Kosicke praktisch nur gemeinsam zu haben seien. Kosicke werde eine zentrale Schnittstellenfunktion übernehmen, eng an den Verband angebunden sein und direkten Zugang bis in die Führungsebene haben.
Bereits bei den Gesprächen in New York, als Neuendorf und DFB-Vize Hans-Joachim Watzke nach dem Aus von Julian Nagelsmann mit Wunschkandidat Klopp verhandelten, saß Kosicke mit am Tisch. Künftig wird er keine anderen Trainer mehr betreuen. Für Sky-Experte Dietmar Hamann ist genau das bereits ein möglicher Kritikpunkt, weil die Personalie Kosicke durchaus Angriffsfläche biete.
Verbindungen zum DFB und zu Oliver Bierhoff
Beim DFB ist Kosicke keineswegs ein Unbekannter. Der Vater von drei Söhnen beriet in der Vergangenheit auch seinen Freund Oliver Bierhoff, der von 2004 bis 2022 zunächst Teammanager und später Direktor der Nationalmannschaft war. Gemeinsam gründeten beide 2007 die Agentur Projekt B, aus der später Project Five wurde.
Der Name der Agentur: inspiriert von Brad Pitt
Wie es zu diesem Namen kam, erzählte Kosicke einmal im Podcast „TOMorrow“: 2006 blätterten er und Bierhoff gemeinsam in Zeitschriften und stießen dabei auf einen Bericht über Brad Pitt und dessen Produktionsfirma Plan B. Der Name gefiel ihnen – daraus entstand zunächst Projekt B, später dann Project Five.
Karriere zwischen Adidas, Nike und großen Sportstars
Bevor Kosicke Berater wurde, arbeitete er im Sponsoring und Marketing zunächst für Adidas und später für Nike. Der gebürtige Bremer, der einen Teil seiner Jugend in Kassel verbrachte, war im deutschsprachigen Raum unter anderem an Verhandlungen über Ausrüsterverträge beteiligt – etwa mit Roger Federer oder Dirk Nowitzki.
Die Idee: Berater für Trainer und Führungspersönlichkeiten
Kosicke, der an der Sporthochschule Köln studierte, wollte sich irgendwann selbstständig machen. Schon lange hatte er sich darüber gewundert, dass Sportler Berater hatten, Trainer jedoch kaum. Genau darin sah er eine Marktlücke. Sein Ansatz sei gewesen, sich um Führungspersönlichkeiten im Sport zu kümmern, sagte er einmal. Dass Klopp diese Idee sofort überzeugend fand, sei für ihn ein Glücksfall gewesen.
Zu den Klienten seiner Agentur gehörten oder gehören unter anderem Sandro Schwarz, David Wagner und Heiko Vogel. Bis 2021 wurde auch Julian Nagelsmann von ihm vertreten. Darüber hinaus betreut Kosicke Sportler wie Handball-Nationalspieler Juri Knorr und Zehnkämpfer Niklas Kaul sowie TV-Moderator Sven Voss.
Schon in Mainz hatte Klopp besondere Wirkung
Als sich Klopp und Kosicke kennenlernten, war Klopp noch nicht der gefeierte Trainer, der später Borussia Dortmund und den FC Liverpool prägte. Doch bereits in Mainz habe er eine außergewöhnliche Ausstrahlung besessen. Kosicke beschrieb es einmal so: Wenn Klopp einen Raum betrete, würden auch die anderen größer wirken. Er schaffe eine Atmosphäre, die enorm leistungsfördernd sei, weil die Menschen ihm gern folgten.
Auch beim FC Bayern hinterließ Kosicke Spuren
Nicht nur den DFB kennt Kosicke seit Jahren gut, auch mit dem FC Bayern verbindet ihn eine besondere Geschichte. Ein Stück weit geht sogar das bekannte Motto „Mia san mia“ auf ihn zurück. 2008 lernte er Bayern-Patron Uli Hoeneß auf einem Flug kennen. Hoeneß beauftragte ihn damit, die Werte des Rekordmeisters in Worte zu fassen.
Kosicke erklärte später, dieses Selbstverständnis habe beim FC Bayern schon immer existiert – nur der passende Name habe gefehlt. Für die Präsentation vor dem Vorstand ließ er den Wertekatalog sogar in Leder binden, passend zum bayerischen Stil, und versah ihn mit dem Slogan. Allerdings unterlief ihm dabei ein Schreibfehler. Hoeneß kommentierte trocken: „Die Mir ist eine Raumstation.“ Trotzdem überzeugte das Konzept die Klubführung. Die Rechte an dem markanten Spruch sicherte sich Kosicke allerdings nicht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber