Fußball

Klopp als Bundestrainer: Seine ersten heiklen Aufgaben

Klopp übernimmt das DFB-Team: Wer fliegt raus, wer bekommt seine Chance? In Frankfurt gibt’s erste brisante Hinweise.

24.07.2026, 05:26 Uhr

Klopp startet mit Heimvorteil als Bundestrainer

Jürgen Klopp erlebt bei seiner Vorstellung als neuer Bundestrainer gleich einen Rahmen, der ihm liegen dürfte: große Bühne, maximale Aufmerksamkeit, alle Augen auf ihn. Genau in solchen Momenten fühlt sich der 59-Jährige wohl. Schon bei seiner Präsentation in der DFB-Zentrale kann er deshalb ein erstes Signal senden.

Nach dem Debakel bei der WM soll Klopp nun für einen Stimmungsumschwung rund um die Nationalmannschaft sorgen. Doch nur mit starken Worten wird das nicht gelingen. Dem neuen Chefcoach ist bewusst, dass ihn wohl die schwierigste Aufgabe seiner Laufbahn erwartet.

Klopp machte dabei klar, dass es nicht allein um besseren Fußball geht. Vielmehr müsse sich beim DFB an mehreren Stellen etwas verändern. Sein Anspruch ist, dass andere Topnationen in einigen Jahren auf den Verband blicken und sagen, dort seien aus der schwierigen Lage die richtigen Konsequenzen gezogen worden.

Offene Fragen im Kader

Sportlich gibt es zahlreiche Baustellen. Bleibt Joshua Kimmich Kapitän? Und wird er unter Klopp wie beim FC Bayern im Mittelfeld eingesetzt statt als Rechtsverteidiger?

Auch die Torwartfrage ist ungeklärt. Nach dem Rücktritt von Manuel Neuer steht im Raum, ob sich eine feste Nummer eins herauskristallisiert oder ob es zum Konkurrenzkampf zwischen Jonas Urbig, Oliver Baumann und Marc-André ter Stegen kommt.

Dazu stellt sich die Frage, welche Rolle erfahrene Kräfte wie Antonio Rüdiger, Pascal Groß oder Leon Goretzka künftig spielen. Außer Neuer hat bislang kein weiterer Spieler seinen Rücktritt erklärt. Unklar ist auch, wie Klopp mit dem polarisierenden Leroy Sané umgehen wird. Hoffnung machen zudem einige Talente – etwa Lennart Karl und Said El Mala.

Vieles dürfte Klopp zunächst offenlassen und erst nach Gesprächen mit den Führungsspielern entscheiden. Wahrscheinlich wird er aber mit einem Großteil des bisherigen WM-Kaders weiterarbeiten. Entscheidend könnte sein, die Erwartungen realistischer zu formulieren, um dem Team wieder Erfolgserlebnisse zu ermöglichen.

Vertraute Helfer und wichtige Figuren im Hintergrund

Zum DFB bringt Klopp seine langjährigen Vertrauten Peter Krawietz und Pepijn Lijnders mit. Das gilt als sinnvoll, weil eingespielte Abläufe und gegenseitiges Vertrauen oft entscheidend sind. Auch Sven Bender könnte zum Trainerstab stoßen. Das wäre eine interessante Lösung, denn Klopp und Bender kennen sich noch aus gemeinsamen Dortmunder Erfolgszeiten. Zudem bringt der frühere Nationalspieler DFB-Erfahrung aus dem Nachwuchsbereich mit.

Eine besondere Rolle übernimmt auch Klopps langjähriger Weggefährte Marc Kosicke. Der 55-Jährige wird als „Co-Trainer für Strategie, Entwicklung und Innovation“ eingebunden. Anders als klassische Mitglieder des Trainerstabs wird Kosicke jedoch kein DFB-Mitarbeiter, sondern als externer Mitarbeiter tätig sein.

Nach Angaben des Verbands soll sich Kosicke unter anderem um administrative und organisatorische Aufgaben für das gesamte Trainerteam kümmern. DFB-Präsident Bernd Neuendorf betonte zudem, dass Klopp und Kosicke praktisch nur gemeinsam zu haben gewesen seien. Kosicke solle im Verband umfassenden Zugang erhalten und als wichtige Schnittstelle in den DFB hinein wirken.

Kosicke gilt seit rund zwei Jahrzehnten als einer der engsten Vertrauten Klopps. Nach Medienberichten wird er für die neue Aufgabe seine Funktion als Geschäftsführer bei projectFIVE aufgeben und zudem keine anderen Trainer mehr beraten.

Mit dieser Personalie unterstreicht Klopp, dass sein Auftrag über das Tagesgeschäft hinausgehen soll. Er will nicht nur die Mannschaft verbessern, sondern gemeinsam mit seinem Umfeld auch strukturelle Themen vorantreiben. Dazu passt auch seine klare Botschaft, dass beim DFB neben dem Fußball auf dem Platz viele weitere Dinge verändert werden müssten.

Mindestens so wichtig wie das Team auf dem Trainingsplatz sind für Klopp die Strukturen daneben. Rudi Völler soll trotz seiner Nähe zu Vorgänger Julian Nagelsmann im Amt bleiben. Klopp schätzt es, wenn jemand im Verband die Prozesse und Abläufe bestens kennt. Völlers Vertrag als Sportdirektor läuft noch bis zur EM 2028.

Für die Nachfolge von Andreas Rettig, der zum Jahresende als Geschäftsführer ausscheidet, gilt Per Mertesacker als aussichtsreicher Kandidat. Die Gespräche dazu laufen bereits. Denkbar ist, dass der Weltmeister von 2014 mittelfristig noch mehr Verantwortung übernimmt. Ebenfalls bedeutend dürfte die Zusammenarbeit mit Hannes Wolf werden, der beim DFB die Nachwuchskonzepte verantwortet und Klopp seit Jahren eng verbunden ist.

Ein enger Zeitplan bis zum Jahresende

Lange Eingewöhnung bleibt Klopp nicht. Schon am 24. September steht in der Nations League das Spiel gegen die Niederlande an. Danach folgen in kurzem Abstand Partien gegen Griechenland, Serbien und erneut Griechenland. Spätestens nach diesem ersten Block dürfte sich zeigen, ob der erhoffte Klopp-Effekt tatsächlich einsetzt.

Hilfreich für ihn ist die Anpassung des FIFA-Kalenders. Vor seiner ersten Kadernominierung Mitte September finden noch drei Bundesliga-Spieltage sowie die erste Runde der Champions League statt. Klopp bekommt dadurch mehr Gelegenheiten als bislang üblich, sich ein Bild von möglichen Kandidaten zu machen.

Zum Jahresabschluss warten dann noch die letzten Gruppenspiele der Nations League: am 13. November in Serbien und drei Tage später in Berlin gegen die Niederlande. Danach steht bereits der nächste wichtige Termin an: Am 6. Dezember werden in Belfast die Qualifikationsgruppen für die EM 2028 ausgelost.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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