Messi trifft dreifach, zieht mit Klose gleich und beantwortet alle Zweifel bei seiner sechsten WM
Lionel Messi hat bei seiner sechsten Fußball-Weltmeisterschaft einen Traumstart hingelegt und sofort den nächsten historischen Meilenstein erreicht. Beim 3:0 (1:0) gegen Algerien erzielte der argentinische Superstar alle drei Tore und stellte mit nun 16 Treffern den WM-Rekord von Miroslav Klose ein.
Für den 38-Jährigen war der Abend in Kansas City auch aus mehreren anderen Gründen besonders: Messi bestritt sein 200. Länderspiel und wurde als erster Fußballer überhaupt bei sechs Weltmeisterschaften eingesetzt. Nach 78 Minuten war sein Einsatz beendet – da hatte er die Partie längst entschieden und sich erneut in die Geschichtsbücher eingetragen.
Der Abend bekam auch deshalb zusätzliches Gewicht, weil es vor dem Turnier Zweifel an Messis Leistungsfähigkeit gegeben hatte. Wie fit ist der Weltmeister noch? Und warum spielt er nach dem Titelgewinn von Katar überhaupt noch eine weitere WM? Auf dem Platz lieferte der achtmalige Weltfußballer die deutlichste Antwort und ließ mit seiner Gala alle Skeptiker verstummen.
Messi selbst zeigte sich nach dem Spiel bewegt. Als Kind habe er sich nie vorstellen können, was er alles erleben würde, sagte der Weltmeister. Alles, was nun noch komme, sei ein Bonus. Er habe mehr erreicht, als er sich je hätte ausmalen können, und genieße es, mit dieser Mannschaft auf dem Platz zu stehen und sich wieder ganz in seinem Element zu fühlen. Fußball sei seit seiner Kindheit seine Leidenschaft, und wenn er sich gut fühle, gebe er alles.
78 Minuten reichen für den Rekord
Argentinien startete damit deutlich besser ins Turnier als noch vor vier Jahren, als die Mannschaft zum Auftakt gegen Saudi-Arabien verlor und sich erst danach bis zum WM-Titel von 2022 steigerte. Gegen Algerien war Messi von Beginn an der Mittelpunkt des Spiels.
Schon in der fünften Minute jubelten die argentinischen Fans erstmals, doch ein früher Treffer des Offensivspielers zählte wegen einer knappen Abseitsstellung nicht. Zwölf Minuten später war es dann soweit: Mit seinem ersten regulären Tor des Abends brachte Messi den Titelverteidiger in Führung. Für ihn war es zunächst WM-Tor Nummer 14. Algeriens Torwart Luca Zidane, der Sohn des früheren Weltstars Zinédine Zidane, war dabei zwar noch am Ball, konnte den Rückstand aber nicht verhindern.
Auch Algerien hatte zwischenzeitlich ein Abseitstor durch Farès Chaïbi erzielt, doch insgesamt kontrollierte Argentinien die Begegnung klar. Nach der Pause legte Messi nach: In der 60. Minute staubte er ab, nachdem Zidane einen Schuss von Alexis Mac Allister nur nach vorne hatte abwehren können. Eine Viertelstunde vor Schluss machte Messi mit seinem dritten Treffer den Dreierpack perfekt – und zog damit mit Klose gleich.
Dass Messi die Bestmarke bei diesem Turnier sogar noch übertreffen könnte, scheint nach diesem Auftakt wahrscheinlicher denn je. Bei seiner Auswechslung feierten ihn mehr als 40.000 argentinische Anhänger unter den 69.045 Zuschauern im Stadion der Kansas City Chiefs, als hätte er den Weg zur möglichen Titelverteidigung bereits vorgezeichnet. Auch Football-Star Patrick Mahomes verfolgte die Partie im Stadion.
Klares Zeichen an die Zweifler
Die Reaktionen in Argentinien fielen entsprechend euphorisch aus. Eine Zeitung schrieb sinngemäß, Messi sei diese Weltmeisterschaft. Andere Kommentare richteten sich direkt an die Kritiker und sahen in dem Auftritt des Kapitäns die perfekte Antwort auf alle pessimistischen Stimmen vor dem Turnier.
Nationaltrainer Lionel Scaloni wurde nach der Gala seines Kapitäns ebenfalls emotional. Solche Auftritte müsse man genießen, sagte er, denn irgendwann werde man Messi vermissen, wenn er nicht mehr auf dem Platz stehe. Man sei selbst im täglichen Umgang mit ihm noch immer erstaunt über das, was er mit 38 Jahren leiste.
Lob von Mitspielern und Trainer
Nach der Gala ihres Kapitäns überschlugen sich die Teamkollegen mit Lob. Alexis Mac Allister sagte, es gebe kaum noch Worte für Messi. Wenn jemand geglaubt habe, diese Mannschaft sei ohne ihn besser, dann sei nun klar geworden, wie wichtig er für das Team sei. Argentinien müsse so spielen, dass Messi sich wohlfühle, weil er der entscheidende Spieler dieser Mannschaft sei.
Den Rekord selbst ordnete Messi dagegen zurückhaltend ein. Er schaue nicht auf die Zahl, sagte er. Es sei eine Ehre, in einer Reihe mit Klose, Ronaldo und Mbappé genannt zu werden. Solche Marken erfüllten ihn zwar mit Stolz, am Ende seien sie aber vor allem Statistik.
Weitere Rekorde und große Ziele
Klose hatte bereits vor dem Turnier damit gerechnet, dass seine Bestmarke fallen könnte. Der frühere deutsche Nationalstürmer hatte auf das größere Teilnehmerfeld und die dadurch steigende Zahl an Spielen verwiesen. Messi brauchte nun gleich das erste WM-Spiel, um zu Klose aufzuschließen.
Auch Kylian Mbappé könnte Klose in diesem Turnier noch einholen. Der französische Angreifer traf beim 3:1 gegen Senegal doppelt und steht inzwischen bei 14 WM-Toren.
Messi gehört zudem zu 17 Weltmeistern von 2022, die erneut im argentinischen WM-Kader stehen. Das Ziel der Albiceleste ist klar: die Titelverteidigung. Gelungen ist das in der WM-Geschichte bislang nur Italien 1934 und 1938 sowie Brasilien 1958 und 1962. Mit dem historischen Abend von Kansas City legten Messi und Co. den Grundstein für den nächsten großen Coup.
Debüt vor 20 Jahren
Sein WM-Debüt hatte Messi auf den Tag genau 20 Jahre vor seinem ersten Einsatz bei dieser sechsten Endrunde gegeben. 2006 kam er beim 6:0 gegen Serbien-Montenegro in Gelsenkirchen erstmals bei einer Weltmeisterschaft zum Einsatz und traf damals als 18-Jähriger direkt selbst.
Während des Turniers in den USA, Mexiko und Kanada wird Messi 39 Jahre alt. Der Weltmeister von 2022 spielt seit seinem Wechsel in die Major League Soccer für Inter Miami. Seine sechste WM könnte zugleich seine letzte sein. Mit seiner Show von Kansas City hat er nun nicht nur einen Rekord eingestellt, sondern Argentinien auch den perfekten Start in das Turnier beschert. Cristiano Ronaldo könnte ihm im Laufe dieser WM als weiterer Spieler mit Einsätzen bei sechs Weltmeisterschaften noch folgen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion