Hamburg

Block-Entführer: Seine irre Manipulations-Behauptung

Im Block-Prozess packt der mutmaßliche Kidnapper-Chef aus – und enthüllt seine brisante Vergangenheit beim Geheimdienst.

17.06.2026, 10:43 Uhr

Im Prozess gegen Christina Block hat die Verteidigung den mutmaßlichen Leiter der Entführer erneut zu dessen beruflichem Hintergrund befragt. Der Zeuge David Barkay erklärte laut Übersetzung vor dem Hamburger Landgericht, dass er früher für den israelischen Geheimdienst tätig gewesen sei. Nähere Angaben dazu könne er nicht machen.

Blocks Verteidiger Ingo Bott wollte zudem wissen, ob der 69-Jährige dort Methoden der Manipulation erlernt habe. Barkay wies das zurück. Er habe niemals Menschen manipuliert, sondern andere Aufgaben übernommen, sagte der Zeuge.

Sieben Angeklagte im Verfahren

Der Unternehmerin Christina Block wird vorgeworfen, nach einem langjährigen Sorgerechtsstreit eine israelische Sicherheitsfirma damit beauftragt zu haben, ihre beiden jüngsten Kinder vom Wohnort des Vaters in Dänemark nach Deutschland zu bringen. Die 53-Jährige bestreitet die Vorwürfe.

Nach Darstellung der Anklage wurden die damals 13 Jahre alte Tochter und ihr zehnjähriger Bruder in der Silvesternacht 2023/24 von maskierten Männern in ein Auto gezerrt und nach Deutschland gebracht.

In dem Verfahren gibt es insgesamt sieben Angeklagte. Barkay, der Chef der Sicherheitsfirma, hatte sich während des laufenden Prozesses aus Israel gemeldet und für seine Aussage sicheres Geleit erhalten. Gegen ihn könnte später ebenfalls Anklage erhoben werden. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Barkay schildert ungewöhnlichen Lebenslauf

Bei der weiteren Befragung ging es auch um Barkays Lebenslauf. Der 69-Jährige sagte, er sei in Paris geboren. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft besitzt er die israelische und die französische Staatsbürgerschaft.

Außerdem erklärte der Zeuge, er habe Islamwissenschaft studiert und zeitweise auch ein Medizinstudium begonnen. Nach seinen Angaben war er zudem an der Universität Oxford im Bereich Mathematik und in Harvard im Bereich Cybersicherheit.

Warum der Zeuge auf Englisch aussagte

Barkay sagte in Hamburg an insgesamt neun Verhandlungstagen aus. Immer wieder verlief die Befragung zäh, weil der Zeuge nach eigenen Angaben Fragen nicht verstanden habe. Zudem berief er sich mehrfach auf Erinnerungslücken.

Zum Abschluss wurde auch die Frage geklärt, warum Barkay nicht auf Hebräisch, sondern auf Englisch aussagte. Seine Muttersprache sei Spanisch, sagte der 69-Jährige. Französisch sei seine zweite Sprache, Englisch seine dritte – diese spreche er aber besser als Hebräisch.

Sein Anwalt Björn Kruse ergänzte, er habe Barkay zur Aussage auf Englisch geraten. So könne er als Zeugenbeistand die Originalaussagen direkt verstehen und bei möglichen Übersetzungsnuancen eingreifen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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