Wirtschaft

Steiff-Deal: Ravensburger greift nach der Teddy-Macht

Paukenschlag in der Spielzeugwelt: Ravensburger steigt bei Steiff groß ein – was hinter dem Deal steckt.

17.06.2026, 10:42 Uhr

Ravensburger übernimmt 60 Prozent an Steiff – Traditionsmarke soll eigenständig bleiben

Der Spielehersteller Ravensburger steigt mit einer Mehrheitsbeteiligung bei Steiff ein. Nach Angaben beider Unternehmen übernimmt Ravensburger 60 Prozent an dem traditionsreichen Plüschtierhersteller. Verkäuferin ist die Steiff Beteiligungsgesellschaft, die von den Erben der Gründerin Margarete Steiff gehalten wird. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Übernahme steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung.

Steiff soll trotz des Einstiegs weiterhin eigenständig geführt werden. Damit rücken zwei der bekanntesten deutschen Spielzeugmarken enger zusammen: Ravensburger ist vor allem für Gesellschaftsspiele, Puzzles und Sammelkarten bekannt, Steiff für hochwertige Plüschtiere mit dem markanten Knopf im Ohr.

Zwei Traditionsmarken rücken enger zusammen

Zum Ravensburger-Programm gehören Klassiker wie Memory, Scotland Yard, Das verrückte Labyrinth und Fang den Hut. Hinzu kommen neuere Erfolgsprodukte wie das Lernsystem Tiptoi und die modulare Kugelbahn GraviTrax.

Steiff mit Sitz in Giengen an der Brenz im Osten Baden-Württembergs gilt als Erfinder des Teddybären und steht seit mehr als 140 Jahren für Plüschtiere im Premiumsegment. Mit der Mehrheitsübernahme erweitert Ravensburger sein Portfolio um eine weitere international bekannte Marke.

Familie Steiff stellt Weichen für die Zukunft

Ravensburger-Chef Clemens Maier begründete den Schritt mit der emotionalen Strahlkraft der Marke. Firmengründer Otto Maier habe Spielzeug für „Hirn, Hand und Herz“ entwickeln wollen, sagte er. Steiff stehe in besonderer Weise für das Herz und begleite viele Menschen seit Generationen durch ihre Kindheit.

Aus Sicht der Eigentümerfamilie soll der Verkauf die langfristige Perspektive des Traditionsunternehmens sichern. Frederik Reimann, Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft, erklärte, entscheidend sei gewesen, Steiff in verantwortungsvolle unternehmerische Hände zu geben, die Marke, Werte und Geschichte verstehen und respektieren. Ravensburger stehe in besonderer Weise für diese Haltung. Steiff-Chef Frank Rheinboldt sieht in der Partnerschaft die Möglichkeit, internationale Potenziale gezielter zu nutzen und zugleich die Tradition der Marke mit neuen Impulsen zu verbinden.

Ravensburger mit Umsatzrückgang

Für Ravensburger kommt die Ankündigung in einer wirtschaftlich schwierigeren Phase. Nach einem Rekordumsatz von 790 Millionen Euro im Jahr 2024 sank der Umsatz 2025 auf 742 Millionen Euro. Zuvor hatte vor allem der Boom um das Sammelkartenspiel Disney Lorcana das Wachstum stark angeschoben. Inzwischen hat dieser Hype jedoch deutlich nachgelassen.

Das klassische Geschäft mit Spielen, Puzzles und Büchern legte nach früheren Unternehmensangaben zwar zu. Gleichzeitig steigt aber der Kostendruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Ravensburger hatte deshalb bereits angekündigt, an Strukturen und Kosten arbeiten zu wollen. Dazu gehört auch ein Stellenabbau im unteren zweistelligen Bereich. Zuletzt beschäftigte das Unternehmen gut 2.500 Menschen in Ravensburg und in einem Werk in Tschechien.

Events und personalisierte Produkte im Fokus

Schon im Frühjahr hatte Ravensburger angekündigt, sich breiter aufstellen zu wollen. Geplant ist unter anderem ein Ausbau des Eventgeschäfts, etwa mit Sammelkarten-Turnieren und Speedpuzzle-Wettbewerben. Wichtiger werden sollen zudem personalisierte Angebote wie Fotopuzzles.

Die Steiff-Übernahme ist nicht der erste Zukauf des Unternehmens in jüngerer Zeit. Ravensburger hatte sich zuletzt bereits mehrheitlich am NordSüd Verlag beteiligt, dem größten Schweizer Kinderbuchverlag. Bekannt ist dieser unter anderem für Titel wie Der Regenbogenfisch und Lars, der kleine Eisbär. Ravensburger stärkt damit sein Kinderbuchsegment und sichert sich den Zugang zu etablierten Figuren. Zur Gruppe gehören außerdem bereits Marken wie Brio, bekannt für Holzeisenbahnen, sowie der Spielkartenverlag FX Schmidt. Mit Steiff kommt nun ein weiterer großer Name hinzu.

Vom Nadelkissen zum Teddybären

Die Geschichte von Steiff begann nicht mit einem Bären, sondern mit einem Elefanten. Margarete Steiff machte sich nach ihrer Schneiderlehre 1877 mit einem Filzgeschäft selbstständig und stellte einen kleinen Stoffelefanten her, der zunächst als Nadelkissen gedacht war. Daraus entwickelte sich laut Firmenhistorie rasch ein gefragtes Kinderspielzeug. 1880 gilt als Gründungsjahr des Unternehmens.

Schon bald wurde das Sortiment um weitere Tiere ergänzt, darunter Affen, Esel, Pferde, Kamele, Schweine und Giraffen. Den weltberühmten Teddybären entwarf Margaretes Neffe Richard Steiff im Jahr 1902. Nach Unternehmensangaben war es der erste Plüschbär mit beweglichen Armen und Beinen. Ab 1906 wurde er unter dem Namen „Teddybär“ verkauft – benannt nach dem US-Präsidenten Theodore „Teddy“ Roosevelt.

Steiff zuletzt mit roten Zahlen

Heute bietet Steiff neben klassischen Kuscheltieren auch modernere Produkte an, darunter Bären in Fußballtrikots, Figuren aus dem Disney-Universum wie Winnie Puuh und Micky Maus sowie Baby- und Kinderkleidung.

Zur Steiff Beteiligungsgesellschaft gehören neben der Margarete Steiff GmbH auch ein kleiner Automobilzulieferer und eine Weberei. Die Gruppe erzielte 2023 mit knapp 1.300 Beschäftigten einen Umsatz von rund 94 Millionen Euro. Mehr als zwei Drittel davon entfielen auf das Spielzeuggeschäft. 2019 hatte der Umsatz noch bei mehr als 112 Millionen Euro gelegen.

2023 stand unter dem Strich ein Verlust von gut 416.000 Euro. Laut Jahresabschluss lag das vor allem an der schwächeren Autosparte, während sich das Kerngeschäft mit Spielwaren besser entwickelte. In den Vorjahren schrieb die Gruppe mehrfach rote Zahlen, teils in Millionenhöhe. Wie Steiff aktuell wirtschaftlich dasteht, ist bislang nicht bekannt; neuere Zahlen wurden noch nicht veröffentlicht.

Spielwarenbranche im Umbruch

Auch andere Hersteller suchen derzeit nach neuen Wegen oder neuen Partnern. So übernahm die Simba-Dickie-Group Anfang 2026 ein US-Unternehmen, um ihr internationales Geschäft auszubauen. Zu der Gruppe gehören unter anderem Big als Hersteller des Bobby-Cars sowie Märklin. Playmobil versucht angesichts sinkender Umsätze neue Zielgruppen zu erschließen, unter anderem mit Figuren der Fußball-Nationalmannschaft und aller Bundesligisten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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