Fußball

Eklat bei Siegerehrung: Pfiffe für Trump und Infantino

Trump taucht erst zum WM-Finale im Stadion auf – hinter Plexiglas schaut er zu, vor der Siegerehrung kippt die Stimmung.

20.07.2026, 00:54 Uhr

Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino sind kurz vor der Pokalübergabe an den neuen Fußball-Weltmeister Spanien von vielen Zuschauern laut ausgebuht worden. Als beide den Rasen des Finalstadions betraten, war ein deutliches Pfeifkonzert zu hören. Trump ließ sich davon jedoch nicht beirren und winkte ungerührt ins Publikum. Wenig später überreichten der US-Präsident und der FIFA-Chef gemeinsam den goldenen WM-Pokal an Spaniens Kapitän Rodri.

Anschließend sprach Trump noch mit mehreren spanischen Spielern und stellte sich grinsend am rechten Rand für das Siegerfoto auf. Infantino deutete ihm dabei dezent an, das Zentrum der Aufmerksamkeit der spanischen Mannschaft zu überlassen. Zusammen mit dem FIFA-Präsidenten übergab Trump zudem die Medaillen.

Keine Trump-Soloshow wie bei der Club-WM

Damit wurde das Finale anders als von vielen befürchtet nicht zur großen Trump-Soloshow. Im Unterschied zu seinem aufsehenerregenden Auftritt bei der Club-WM im vergangenen Sommer, als er nach dem Triumph des FC Chelsea bei der Siegerehrung einfach mitten zwischen den Spielern stehen geblieben war, hielt er sich diesmal eher am Rand auf. Während Spanien bereits feierte, standen Trump und Infantino im goldenen Konfettiregen fast etwas verloren abseits auf dem Podium.

Erster WM-Stadionbesuch von Trump

Für Trump war es beim 104. und letzten Spiel des Turniers der erste Stadionbesuch bei dieser WM. Er verfolgte das Finale auf der Ehrentribüne auf Höhe der Mittellinie zwischen seiner Frau Melania und Infantino hinter einer Plexiglasscheibe. Als die Fernsehkameras ihn einfingen, war die Sicht wegen Spiegelungen eingeschränkt. Spürbare Reaktionen des Publikums auf Trump oder Infantino blieben in diesem Moment noch aus.

Trump will weitere WM in den USA – „sofort“

Kurz vor dem Finale hatte Trump im TV-Sender Fox erneut erklärt, er wolle das Weltturnier „sofort“ wieder in die Vereinigten Staaten holen. Mit Blick auf Infantino sagte der 80-Jährige: „Wir müssen das wiederholen, und zwar, solange ich noch da bin. Hörst du das, Gianni?“ Eine neue US-Bewerbung hatte Trump bereits zuvor angekündigt. Realistisch wäre das jedoch erst für die WM 2038.

Die nächste Weltmeisterschaft findet in Spanien, Portugal und Marokko statt, dazu kommen jeweils ein Spiel in Argentinien, Paraguay und Uruguay. 2034 ist Saudi-Arabien alleiniger Gastgeber.

Zuletzt hatte auch Andrew Giuliani, Leiter der FIFA-Taskforce des Weißen Hauses zur WM, eine mögliche US-Bewerbung für 2038 ins Spiel gebracht – dann womöglich für ein Turnier mit 64 Mannschaften. Infantino hatte während der WM in Kanada, Mexiko und den USA eine weitere Aufstockung von derzeit 48 auf 64 Teams nicht ausgeschlossen.

Trump pries das Turnier erneut überschwänglich. Die Stadien seien vor Fans „übergequollen“, sagte er. „Ich glaube nicht, dass es jemals so etwas gab wie das, was mit dieser WM passiert ist.“ Es sei „wunderschön“ gewesen, und dafür rechne er Infantino viel an.

Diskussionen über Trumps Einfluss auf den Weltfußball

Offen bleibt, welchen langfristigen Einfluss das von internationalen Medien teils als „Bromance“ bezeichnete Verhältnis zwischen Trump und Infantino auf den Weltfußball haben wird. Für Kritik hatte zuletzt gesorgt, dass dem US-Nationalspieler Folarin Balogun nach einem Anruf Trumps bei Infantino eine Sperre nach einer Roten Karte erlassen worden sein soll. Erst am Finalwochenende hatte Trump diese Entscheidung dem FIFA-Chef zugeschrieben und sich demonstrativ bei ihm bedankt.

Der britische Guardian zog deshalb ein hartes Fazit und schrieb, Trumps Auftritt liefere den passenden Fiebertraum zum Abschluss einer Weltmeisterschaft voller Exzesse und Schäden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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