Wirtschaft

Neubau-Krise: Baut Deutschland komplett am Bedarf vorbei?

Neue Studie: Es wird am Bedarf vorbei gebaut – und Singles zahlen den Preis. Warum die Wohnungsnot jetzt noch schlimmer wird.

17.06.2026, 11:17 Uhr

Der Wohnungsbau in Deutschland dürfte auch 2026 deutlich hinter dem tatsächlichen Bedarf zurückbleiben. Das zeigt eine Auswertung des Immobiliendienstleisters JLL. Demnach entstehen jedes Jahr etwa 50.000 neue Wohnungen in Regionen, in denen die Nachfrage stagniert oder sogar sinkt. Diese Einheiten fehlen damit in den Städten und Wachstumsregionen, wo Wohnraum besonders knapp ist.

"Gebaut wird häufig am Bedarf vorbei. In manchen ländlichen Gebieten wächst das Angebot, während in den Metropolen und wirtschaftlich starken Zentren weiterhin zu wenig neuer Wohnraum entsteht", erklärt JLL-Experte Sören Gröbel.

Zu wenig Neubau in Großstädten

Vor allem in den acht größten deutschen Städten reicht das Bautempo laut Studie nicht aus. Dort werden lediglich 42 Wohnungen je 10.000 Bestandswohnungen fertiggestellt, obwohl 62 Einheiten nötig wären. Auf dem Land zeigt sich dagegen ein umgekehrtes Bild: Hier liegt die Bauleistung mit 41 Wohnungen klar über dem errechneten Bedarf von 23.

Hinzu kommt eine strukturelle Schieflage beim Wohnungsangebot. In vielen Regionen fehlen vor allem kleinere Wohnungen für Einpersonenhaushalte, während gleichzeitig zu viele größere Immobilien gebaut werden, darunter häufig Einfamilienhäuser.

Neubau bleibt 2026 schwach

Auch im laufenden Jahr dürfte der Wohnungsbau laut JLL nicht wesentlich an Dynamik gewinnen. Für 2026 rechnen die Experten mit rund 211.000 fertiggestellten Wohnungen. Das wäre nur ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr und weiterhin deutlich zu wenig, um den tatsächlichen Bedarf zu decken.

Das jährliche Defizit im Neubau beziffert JLL auf etwa 80.000 Wohnungen – und damit höher als bislang angenommen. Bereits 2025 wurden in Deutschland nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt, der niedrigste Stand seit 2012.

Erste positive Signale – aber hohe Kosten bremsen weiter

Trotz der angespannten Lage sieht JLL erste Anzeichen einer leichten Erholung im Neubau. So habe zuletzt die Zahl der Baugenehmigungen zugenommen. Gleichzeitig sei der Auftragsmangel im Baugewerbe zurückgegangen, und auch die Stornierungsquote genehmigter Projekte habe sich verringert.

Das größte Hindernis bleiben jedoch die hohen Baukosten. Nach Einschätzung von JLL dürfte auch der Iran-Krieg das Bauen weiter verteuern – unter anderem durch steigende Preise für ölbasiertes Bitumen sowie höhere Energiekosten für Baumaschinen. Auch bei den Bauzinsen, die infolge von Inflationssorgen gestiegen sind, ist kurzfristig keine Entlastung in Sicht.

"Bauen war noch nie so teuer wie heute", sagte Gröbel.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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