Fußball

«Dai Dai»: So heftig feiert Mexiko den WM-Start

WM-Auftakt ohne Chaos? Im Aztekenstadion kippt die Stimmung komplett – Mexiko-Stadt startet mit einer Riesenparty.

11.06.2026, 20:39 Uhr

Stimmungsvoller WM-Start in Mexiko-Stadt mit Shakira und Salma Hayek – Zwischenfälle vor dem Stadion

Mit einer rund 30 Minuten langen Eröffnungsshow hat Mexiko-Stadt den Start der Fußball-WM 2026 gefeiert und die Sorgen der vergangenen Tage zumindest vorübergehend in den Hintergrund gedrängt. Im legendären Aztekenstadion begann damit zum dritten Mal nach 1970 und 1986 eine Weltmeisterschaft. Traditionelle mexikanische Elemente, moderne Popmusik und goldene Inszenierungen bestimmten das Bild in der Arena auf mehr als 2.200 Metern Höhe.

Das XXL-Turnier, das in drei Ländern ausgetragen wird, wurde damit im Fußball-Tempel der mexikanischen Hauptstadt eröffnet. Nicht einmal zehn Minuten nach dem bunten Feuerwerk auf dem Rasen kamen die Gastgeber zum Aufwärmen für das Auftaktspiel gegen Südafrika auf den Platz. Damit trafen beide Teams erneut in einem WM-Eröffnungsspiel aufeinander, wie schon 2010. Mit leichter Verspätung wurde die Partie um 21.06 Uhr MESZ angepfiffen.

Kurz darauf wurde bekannt, dass ein Mann vor einem Stadioneingang einen Herzinfarkt erlitten hatte und in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Zudem kursierten Videos von Ausschreitungen vor einem Zugang zur Arena. Darauf sind teils vermummte Demonstranten zu sehen, die sich Auseinandersetzungen mit Polizisten liefern.

Ein übergroßer WM-Pokal wurde im Stadion enthüllt, während die mexikanische Mannschaft bereits bei ihrer Ankunft im Bus frenetisch empfangen wurde. Die Erwartungen an „El Tri“ sind groß: Bei den beiden bisherigen Heim-Weltmeisterschaften war Mexiko jeweils bis ins Viertelfinale vorgestoßen.

Ochoa erlebt besonderen WM-Moment

Noch vor Beginn der Show stand vor allem Guillermo Ochoa im Mittelpunkt. Der langjährige Publikumsliebling blieb minutenlang auf dem Platz, grüßte die Fans und genoss sichtlich den Auftakt seiner sechsten Weltmeisterschaft. Für die Startelf reichte es jedoch nicht: Trainer Javier Aguirre hatte die Torwartfrage lange offengelassen, entschied sich am Ende aber für den 26 Jahre alten Raúl Rangel von Chivas.

Auch das große Talent Gilberto Mora saß zunächst nur auf der Ersatzbank. Der Offensivspieler war am Eröffnungstag 17 Jahre und 240 Tage alt – und damit nur einen Tag älter als Pelé bei dessen erstem WM-Tor 1958.

Gold, Tradition und Pop im Aztekenstadion

Für die Zeremonie war das Spielfeld komplett mit einer riesigen Plane in hellblauen und gelben Mustern im typischen mexikanischen Stil bedeckt. Dazu kamen goldene Bühnenbilder, in Gold gekleidete Darsteller und eine monumentale Trophäe. Traditionelle Krieger-Tänzer mit Federkopfschmuck sorgten gemeinsam mit Sängerin Lila Downs für den kulturellen Auftakt. Sie begrüßte die Gäste mit den Worten: „Willkommen in Mexiko, willkommen zur Weltmeisterschaft 2026.“

Später schwebte der FIFA-Schriftzug in die Mitte des Feldes, ehe Shakira mit der WM-Hymne „Dai Dai“ für den musikalischen Höhepunkt sorgte. Latino-Pop, Rap und ein weiteres Feuerwerk verwandelten das Stadion in eine große Party. Eine Viertelstunde vor dem Anpfiff trat zudem Schauspielerin Salma Hayek als WM-Botschafterin auf.

Strenge Sicherheitsmaßnahmen rund um die Arena

Vor dem Turnierstart hatte es in der Millionenmetropole Sorgen wegen Streiks und Blockaden gegeben. In der Stadt mit mehr als 20 Millionen Einwohnern waren in den Tagen vor dem Auftakt zahlreiche Polizeikräfte im Einsatz. Rund um das Stadion galt deshalb eine weiträumige Sperrzone.

Schon etwa anderthalb Kilometer vor der Arena war für die meisten Fahrzeuge Schluss; weiter ging es nur zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Roller. Nur Fahrzeuge mit Sondergenehmigung durften näher heranfahren. Hintergrund waren Befürchtungen, dass es erneut zu Protesten der radikalen Lehrergewerkschaft kommen könnte, die das Stadion zwei Tage zuvor noch blockiert hatte.

Proteste und Wetter-Sorgen vor dem WM-Start

Nicht nur in der Hauptstadt gab es Spannungen. Außerhalb von Mexiko-Stadt demonstrierten Lehrer sowie Angehörige von Vermissten in mehreren Regionen des Landes. Im südlichen Bundesstaat Chiapas strandeten nach Medienberichten Dutzende Passagiere, nachdem protestierende Lehrer Teile des internationalen Flughafens nahe Tuxtla Gutiérrez besetzt hatten. Im Bundesstaat Oaxaca übernahmen Mitglieder der Lehrergewerkschaft CNTE zeitweise die Kontrolle über Mautstationen und ein Logistikzentrum des staatlichen Ölkonzerns Pemex.

Auch das Wetter spielte zunächst mit. Obwohl Gewitter angekündigt waren, schien vor dem Anpfiff die Sonne, die Ränge waren voll und die Stimmung ausgelassen. Nun sollte auch das erste von insgesamt 104 Spielen zeigen, ob das größte WM-Turnier der Geschichte trotz Kritik an hohen Ticketpreisen und Visa-Problemen sportlich und atmosphärisch überzeugen kann.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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