Die in Thüringen trainierenden Eisschnellläuferinnen und Eisschnellläufer haben die neue Athletenvereinbarung der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) nun unter Protest unterschrieben. Das teilten die Athletinnen und Athleten aus Erfurt in einer gemeinsamen Stellungnahme mit.
Die Unterschrift sei kein Einverständnis mit dem Vorgehen der DESG-Führung in den vergangenen Monaten und bedeute auch nicht, dass ihre Kritik an einzelnen Passagen der Vereinbarung vom Tisch sei. Das Vertrauen in das von Matthias Große geführte Präsidium bleibe aus Sicht der Sportlerinnen und Sportler vielmehr erheblich beschädigt.
Nach Angaben der Erfurter Athletinnen und Athleten erfolgte die Unterzeichnung wegen des massiven Drucks, der über Monate auf sie ausgeübt worden sei und teilweise als psychische Gewalt wahrgenommen worden sei. Man habe unterschrieben, um weitere sportliche Nachteile abzuwenden, auf die der Verband zuletzt erneut hingewiesen habe.
Strukturreform bleibt Auslöser des Konflikts
Hintergrund des seit Monaten schwelenden Streits ist die geplante Strukturreform im deutschen Eisschnelllauf. Künftig sollen sich die Bundeskader auf die Standorte Inzell und Berlin konzentrieren. Die bisherigen Bundesstützpunkte in Erfurt und Chemnitz sollen nach dem Willen des DESG-Präsidiums vor allem im Nachwuchsbereich eine zentrale Rolle spielen.
Die Erfurter Athletinnen und Athleten erklärten nun, sie hätten die Vereinbarung in der begründeten Annahme unterschrieben, dass der Bundesstützpunkt Erfurt weiterhin Sportlerinnen und Sportler vom Nachwuchs bis in den Spitzenbereich betreuen könne. Nach ihrer Darstellung habe der Deutsche Olympische Sportbund bestätigt, dass der Standort die nötigen Voraussetzungen dafür erfülle.
Streit um die Athletenvereinbarung
Die Neuordnung sollte durch die im deutschen Sport übliche Athletenvereinbarung mit dem jeweiligen Verband besiegelt werden. Die Sportlerinnen und Sportler aus Erfurt hatten zunächst nur unter Bedingungen unterschrieben, die sie in einer Zusatzvereinbarung (Side Letter) festhielten. Diese Forderungen erkannte die DESG-Führung jedoch nicht an. Dadurch wurde die ursprünglich fristgerecht unterzeichnete Vereinbarung unwirksam.
Anschließend setzte die DESG eine neue Frist bis zum 8. Oktober für die Unterzeichnung einer neuen Athletenvereinbarung.
Sonnekalb zieht Wechsel ins Ausland weiter in Betracht
Zuvor hatte Deutschlands Eisschnelllauf-Talent Finn Sonnekalb laut einem Medienbericht einen Wechsel ins Ausland in Betracht gezogen. Der 19-Jährige erklärte in der ARD-"Sportschau", dass es Angebote aus den USA und den Niederlanden gebe. Er habe bereits Gespräche geführt und stehe weiter im Austausch. Wenn man ihn in Deutschland nicht wolle, könne er das nicht ändern.
Dem Bericht zufolge prüft der Olympiateilnehmer insbesondere einen Wechsel in die Niederlande zum Team in Heerenveen, einer Hochburg des Eisschnelllaufs. In Deutschland fühle er sich unter Druck gesetzt. Deshalb habe er die Athletenvereinbarung nicht unterschreiben wollen und wolle auch nicht gezwungen werden, seine Heimatstadt zu verlassen. Sollte das Konsequenzen haben, müsse der Verband eben ohne ihn planen: „Dann bin ich halt raus.“
Sonnekalb betonte zudem, ein Wechsel nach Heerenveen wäre im Unterschied zu einem Umzug nach Berlin seine freie Entscheidung. Dort hätte er außerdem die Möglichkeit, mit einigen der besten Eisschnellläufer der Welt zu trainieren.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber