Hape Kerkeling beklagt Hass im Netz und wirbt für demokratische Haltung
Hape Kerkeling hat nach seinem Eintreten für ein AfD-Verbotsverfahren zahlreiche beleidigende und hasserfüllte Reaktionen erhalten. Bei einem Auftritt in Passau sagte der Entertainer, solche Angriffe seien schwer, doch für ihn gelte: Man müsse selbst die Demokratie vorleben, die man sich wünsche. Wenn viele Menschen so handelten, sei bereits viel gewonnen. Ob er sich selbst ein Amt wie das des Bundespräsidenten vorstellen könne, ließ er unbeantwortet.
In der vergangenen Woche hatte Kerkeling im Thüringer Landtag bei einer Anhörung zu Chancen und Risiken eines Verbotsverfahrens gegen die AfD gesprochen. Mit Blick auf die anschließenden Reaktionen im Internet sagte er, man könne im Grunde nur versuchen, diese Anfeindungen auszuhalten. Früher hätten klassische Medien wie Zeitungen oder Radio stärker gefiltert, heute könne nahezu jeder ungehemmt Hass verbreiten und dafür im Netz sogar Zuspruch bekommen.
Von sozialen Plattformen verlangt Kerkeling deshalb verbindliche Moderation. Diese müsse sicherstellen, dass Spott, Hetze und die Herabwürdigung anderer Menschen dort keinen Raum bekommen. Für ihn sind soziale Netzwerke längst ein gesellschaftlich wichtiger Ort. Zugleich erinnerte er daran, dass er sich schon früher politisch geäußert habe — mal kritisch gegenüber der CDU, mal gegenüber der SPD. Damals sei aber niemand aus dem Umfeld von CSU, CDU oder SPD auf die Idee gekommen, ihm deswegen Todesdrohungen zu schicken.
Kirchen als bedeutende gesellschaftliche Stimmen
Kerkeling bezeichnete die Kirchen als wichtige Akteure im öffentlichen Leben. Das demokratische Verständnis in Deutschland sei aus seiner Sicht stark vom jüdisch-christlichen Wertebild geprägt. Obwohl er selbst aus der katholischen Kirche ausgetreten ist, schaue er gemeinsam mit seinem Ehemann immer wieder Fernsehgottesdienste am Sonntag. Vielleicht, so sagte er, habe das auch mit dem Älterwerden zu tun. Er schätze daran, dass dort gesellschaftlich relevante Themen offen angesprochen würden.
Zuletzt war Kerkeling auch als möglicher Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten genannt worden. In Passau wurde er darauf angesprochen, ob er sich ein politisches oder repräsentatives Spitzenamt vorstellen könne. Er reagierte ausweichend und fragte sinngemäß, ob sich in der aktuellen festgefahrenen Lage überhaupt jemand ernsthaft um ein solches Amt reißen würde. Nach einem scherzhaften Einwurf des Moderators beließ er es bei einer knappen Bemerkung.
In Passau erhielt Hape Kerkeling den "Menschen in Europa"-Award der Mediengruppe Bayern. Gewürdigt wurde damit sein Lebenswerk und sein Auftreten als Künstler mit klarer gesellschaftlicher Haltung.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber