Politik

Frankreichs Schul-Schock: 3.000 Aushilfslehrer im Einsatz

Frankreich lenkt nach Schulprotesten ein: 3.000 Vertretungslehrer kommen – und die Regierung plant noch mehr.

08.10.2026, 21:56 Uhr

In Reaktion auf die anhaltenden Schulproteste in Frankreich hat Premierminister Sébastien Lecornu kurzfristig den Einsatz von mehr als 3.000 Vertretungslehrkräften angekündigt. Nach Angaben des Regierungschefs sieht ein Maßnahmenpaket von Bildungsminister Édouard Geffray vor, diese zusätzlichen Kräfte an 114 Gymnasien einzusetzen, an denen der Lehrermangel besonders gravierend ist. Wie Geffray in den Abendnachrichten von TF1 erklärte, sollen die neuen Lehrkräfte zwischen diesem Freitag und dem kommenden Dienstag ihren Dienst aufnehmen.

Lecornu kündigte zudem an, dass durch die Einstellung mehrerer Hundert weiterer Mitarbeiter der Personalbedarf an den Schulen besser gedeckt werden solle. Nach den Herbstferien seien außerdem mehr kurzfristige Vertretungen durch bereits an den Schulen beschäftigte Lehrkräfte geplant. Darüber hinaus stellte der Premier zusätzliche finanzielle Mittel in Aussicht. Die Regierung wolle Änderungsanträge zum Haushalt 2027 vorlegen, um bestimmte Forderungen der Gymnasiasten in konkrete Schritte umzusetzen – insbesondere bei der Frage der Vertretungslehrer.

Regierung kommt Schülern erstmals konkret entgegen

Mit diesen Ankündigungen reagiert die Regierung erstmals unmittelbar auf die Forderungen der Jugendlichen. Seit fast zwei Wochen gehen Schüler auf die Straße und verlangen eine bessere Ausstattung der Gymnasien, mehr Vertretungslehrer und höhere Investitionen in das Bildungssystem. Inzwischen haben sich auch Studierende den Protesten angeschlossen. Für die nächsten Tage sind weitere Demonstrationen angekündigt.

Nach Angaben des Innenministeriums beteiligten sich am Donnerstag 71.500 Menschen an neuen Protesten. Allein in Paris seien 24.500 Demonstrierende auf die Straße gegangen. An Blockaden und Aktionen direkt an Schulen hätten sich landesweit rund 55.000 Menschen beteiligt. Die meisten Kundgebungen und Schulblockaden seien friedlich verlaufen. Dennoch wurden im Zusammenhang mit den Protesten 504 Menschen festgenommen, zudem wurden 48 Polizeibeamte verletzt.

Für Empörung sorgen unterdessen Berichte über ein hartes Vorgehen der Polizei gegen die überwiegend minderjährigen Demonstrierenden. Gegen mehrere Beamte wird wegen des Verdachts auf Polizeigewalt ermittelt.

Mehr Gewalt am Rand der Proteste

Das Innenministerium meldete zugleich eine Zunahme von Ausschreitungen abseits der friedlichen Demonstrationen. Besonders betroffen seien Schulen und Lehrkräfte. So wurde in der Nacht in einem Gymnasium in Poitiers Feuer gelegt; die Flammen griffen auch auf das Auto einer Lehrerin über. In Saint-Étienne drangen am Morgen mehrere Dutzend Personen in ein Gymnasium ein und zerstörten die Kantine. In Toulouse wurde ein Schulleiter von einem erwachsenen Demonstranten geschlagen, und in Saint-Chamond erlitt der stellvertretende Schulleiter durch einen Feuerwerkskörper Verbrennungen im Gesicht.

Darüber hinaus habe es zahlreiche Angriffe auf Sicherheitskräfte und Polizeiwachen gegeben, teilte das Ministerium mit. In Straßburg wurde demnach ein Polizeifahrzeug angezündet. In La Rochelle kam es am Polizeipräsidium zu Sachbeschädigungen, während auf eine Polizeiwache in Bordeaux ein Brandanschlag verübt wurde.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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