Simon Zachenhuber vor erster WM-Chance: Angriff statt Abwarten
Bei "Let’s Dance" fehlte Simon Zachenhuber nach Ansicht von Juror Joachim Llambi einst noch die letzte Konsequenz. Nach einem Wiener Walzer mit Patricija Belousova sagte Llambi damals sinngemäß, es gehe nicht um Verteidigung, sondern um Offensive.
Für den Boxer aus Erding waren die TV-Auftritte vor Millionenpublikum trotzdem ein großer Erfolg. Obwohl er ohne tänzerische Vorkenntnisse antrat, kämpfte er sich bis ins Halbfinale und gewann viele neue Fans. Fünf Jahre später soll nun aber wieder sein eigentlicher Sport im Mittelpunkt stehen: Am Samstag bestreitet der 28 Jahre alte Supermittelgewichtler in Dschidda seinen ersten WM-Kampf. Gegen den ungeschlagenen Briten Hamzah Sheeraz will Zachenhuber im Duell um den WBO-Gürtel offensiv auftreten.
Nur dabei zu sein, reicht ihm nicht
Im Gespräch mit DAZN sprach Zachenhuber von einem Traum, der in Erfüllung gehe. Genau für solche Momente sei er Profi geworden. Doch allein die Teilnahme ist für ihn nicht genug. Wenn die Chance auf den Titel schon da sei, wolle er sie auch nutzen. Sein klares Ziel: der Sieg.
Zwar kann sich seine bisherige Bilanz mit 29 Erfolgen aus 30 Profikämpfen sehen lassen, der ganz große Durchbruch blieb bislang jedoch aus. Zudem hat er noch nie auf einer Bühne dieses Formats geboxt. Im bis zu 40.000 Zuschauer fassenden Jeddah Superdome gehört sein Fight zum Rahmenprogramm vor dem Hauptkampf zwischen Ex-Weltmeister Anthony Joshua und dem Albaner Kristian Prenga.

Rückenwind für den deutschen Boxsport
Zachenhuber freut sich über die Chance auf dieser großen Veranstaltung, will sich vom Glanz des Events aber nicht beeindrucken lassen. Für ihn bleibt es am Ende derselbe Ring wie in seinen vorherigen Kämpfen.
Dass er dem deutschen Boxen nach dem WM-Erfolg von Schwergewichtler Agit Kabayel weiteren Schwung geben könnte, empfindet er nicht als Druck. Im Gegenteil: Den leichten Aufwind nehme er wahr und wolle seinen Teil dazu beitragen. Trainer Conny Mittermeier beschreibt seinen Schützling als hartnäckig und hungrig. Zachenhuber habe sich weit nach oben gearbeitet, jetzt liege die Krönung in Reichweite.
Geprägt von schwierigen Erfahrungen
Große Aufgaben schrecken Zachenhuber nicht ab. Schon früh musste er lernen, mit Herausforderungen umzugehen. Kurz nach seiner Geburt erlitt sein Vater einen schweren Sportunfall und sitzt seitdem mit schwerer Behinderung im Rollstuhl. Seine Mutter habe viel gearbeitet, damit die Kinder eine Perspektive bekommen. Diese Haltung aus Verzicht und Einsatz habe ihn tief geprägt, sagt Zachenhuber.
Der Weltmeister ist für ihn auch nur ein Mensch
Auch seinen Traum vom WM-Titel verfolgte er mit großer Disziplin. Bereits als Jugendlicher ging er fast täglich vor der Schule um fünf Uhr morgens laufen. Manchmal sei er dabei vor Müdigkeit fast eingeschlafen. Nach dem Unterricht folgte das nächste Training. Für Zachenhuber ist klar: Grenzen verschiebt man nur, wenn man sie erreicht und überschreitet.
Aus seiner Zeit als Kickboxer habe er vieles mitgenommen. Im Profiboxen half ihm zudem Trainer Mittermeier, sich Schritt für Schritt in den Ranglisten nach oben zu arbeiten. Vor Titelträger Sheeraz zeigt er keinen übertriebenen Respekt. Für ihn sei auch der Weltmeister letztlich nur ein Mensch mit zwei Händen und einem Kopf, den man boxen müsse wie jeden anderen Gegner.
Bei der bislang größten Chance seiner Karriere will Zachenhuber mutig auftreten, alles investieren und vom ersten Moment an Vollgas geben — möglichst ohne dabei, anders als einst auf dem Tanzparkett, das Kinn zu hoch zu nehmen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber