Becker lobt Zverev als verdiente Nummer eins
Trotz mancher Differenzen hält Boris Becker Alexander Zverev für einen absolut berechtigten Weltranglistenersten. Im Gespräch mit der „Main-Post“ betonte der frühere Wimbledon-Sieger, Zverev arbeite womöglich härter als nahezu jeder andere Profi auf der Tour. Genau darin liege aus Beckers Sicht die Grundlage für dessen Erfolge.
Seit Zverev die Spitze der Weltrangliste übernommen hat, wird im Tennis darüber diskutiert, ob er diesen Platz tatsächlich verdient. Auslöser der Debatte sind unter anderem sein frühes Ausscheiden beim Masters in Paris, worüber sich Zverev selbst verärgert gezeigt hatte. Hinzu kommt, dass seine wichtigsten Konkurrenten Jannik Sinner und Carlos Alcaraz wegen Verletzungen über längere Zeit pausieren mussten. Außerdem steht für den Hamburger in dieser Saison eine negative Bilanz gegen Spieler aus den Top Ten zu Buche.
Becker sieht darin jedoch keinen Makel. Wenn Rivalen verletzungsbedingt nicht durchgehend spielen könnten, sei das nicht Zverev anzulasten. Deshalb verdiene er Anerkennung, sagte Becker. Für das deutsche Tennis sei es ein großer Gewinn, dass Zverev nun an der Spitze stehe.
Angespannte Beziehung zwischen Becker und Zverev
Zwischen Becker und Zverev ist das Verhältnis derzeit allerdings belastet. Zverev hatte sich zuletzt deutlich gegen Aussagen Beckers gewehrt, der erklärt hatte, warum der Olympiasieger von 2021 trotz seiner Erfolge in Deutschland nicht überall auf große Sympathie stoße. Zverev warf Becker vor, erneut Unsinn zu reden und gezielt nach Gründen zu suchen, ihn schlecht aussehen zu lassen.
Becker sieht ein Mentalitätsproblem
Auf die Frage, warum erst 35 Jahre nach ihm wieder ein deutscher Spieler die Weltrangliste anführt, verwies Becker auf eine aus seiner Sicht veränderte Einstellung im Nachwuchsbereich. Die Bereitschaft, Spitzenleistungen zu erbringen, sei heute womöglich nicht mehr so ausgeprägt wie früher. Erfolg entstehe nicht zufällig, sondern sei das Resultat von harter Arbeit, Disziplin und starkem Willen.
Junge Talente müssten wieder stärker bereit sein, sich ganz dem Tennissport unterzuordnen, forderte Becker. Das Hauptproblem sieht der sechsmalige Grand-Slam-Sieger dabei nicht in den Strukturen des Deutschen Tennis Bundes, sondern vor allem in der Mentalität.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber