Vogelgrippe in Deutschland und Europa wieder auf dem Vormarsch
Mit dem Beginn der kälteren Jahreszeit und dem einsetzenden Vogelzug nimmt die Ausbreitung der Vogelgrippe erneut zu. Nach einer vergleichsweise ruhigen Phase bis September seien seit Oktober wieder mehr Infektionen bei Wildvögeln und in Geflügelbeständen registriert worden, teilte eine Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) bei Greifswald mit. Diese Entwicklung betreffe nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa.
Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit hat seine aktuelle Risikobewertung entsprechend verschärft. Das Risiko, dass das Virus nach Deutschland eingetragen und unter Wildvögeln weiterverbreitet wird, gilt nun als hoch. Ebenso hoch wird mittlerweile die Gefahr eingeschätzt, dass das Virus durch direkte oder indirekte Kontakte mit Wildvögeln in Geflügelhaltungen gelangt. Beide Risiken waren zuvor noch als moderat bewertet worden. Andere Gefahren, etwa die Weiterverbreitung zwischen Betrieben innerhalb Deutschlands und der EU, werden nun als moderat statt zuvor als gering eingestuft.
Neue Fälle in norddeutschen Geflügelhaltungen
In den vergangenen Tagen wurden erneut Infektionen in norddeutschen Betrieben bekannt. So wurde vor Kurzem im niedersächsischen Landkreis Aurich Vogelgrippe in einem Putenbestand mit 6.000 Tieren nachgewiesen. Der gesamte Bestand musste getötet werden.
Auch im schleswig-holsteinischen Kreis Segeberg wurde in der vergangenen Woche ein Fall gemeldet. Dort war bereits Ende Oktober ein Betrieb betroffen.
Am Freitag wurde zudem der erste Fall der laufenden Saison in Mecklenburg-Vorpommern bekannt. Im Landkreis Rostock wurde das Virus in einer Putenhaltung mit etwa 6.000 Tieren festgestellt.
Wird ein Ausbruch bestätigt, hat dies in der Regel die Tötung des gesamten Bestands zur Folge. Außerdem richten die Behörden Schutz- und Überwachungszonen ein, in denen besondere Auflagen gelten.
Kaltes und feuchtes Wetter begünstigt die Ausbreitung
Nach Angaben des FLI konzentrieren sich die Fälle derzeit vor allem auf Norddeutschland. Als Ursache gilt unter anderem die verstärkte Bewegung der Wildvögel während des Vogelzugs sowie ihre Ansammlungen an Rastplätzen. Besonders der Oktober ist demnach ein Monat mit intensiver Zugaktivität.
Hinzu kommt der Wetterumschwung: Nach einem milden Frühherbst sind die Temperaturen inzwischen deutlich gefallen. Kühle und feuchte Bedingungen sorgen dafür, dass das Virus in der Umwelt länger überlebt, etwa in den Ausscheidungen infizierter Tiere.
Sollte es zu weiteren Kälteeinbrüchen kommen, rechnen Fachleute mit zusätzlicher Bewegung in den Wildvogelpopulationen, wenn Tiere in wärmere Gebiete ausweichen. Treffen dabei Vögel aus verschiedenen Regionen aufeinander, steigt das Risiko einer Übertragung zusätzlich.
Lage bislang weniger angespannt als im Vorjahr
So schwer wie im Herbst des vergangenen Jahres stellt sich die Situation nach Einschätzung der Experten derzeit noch nicht dar. Damals waren unter anderem Kraniche in ungewöhnlich großer Zahl betroffen. Im Vergleich zu diesem sehr starken Vorjahr verläuft das Geschehen aktuell noch eher zurückhaltend.
Dennoch rechnen Fachleute wegen der Witterung und möglicher weiterer Wildvogelbewegungen mit zusätzlichen Fällen. Wie stark sich die Vogelgrippe in dieser Saison insgesamt ausbreiten wird, lässt sich derzeit jedoch nicht verlässlich vorhersagen. Das hängt von zahlreichen Faktoren ab. Fest steht allerdings, dass Nachweise der Vogelgrippe, insbesondere bei Wildvögeln, inzwischen das ganze Jahr über in Deutschland auftreten.
Für Vögel oft tödlich, für Menschen in Deutschland bislang kein Fall
Die Vogelgrippe ist eine Infektionskrankheit, die bei vielen Vogel- und Geflügelarten häufig tödlich verläuft. Weltweit existieren verschiedene Virusvarianten. Grundsätzlich kann das Virus bei hoher Erregerdosis auch auf den Menschen übergehen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts ist in Deutschland bislang jedoch kein Fall beim Menschen bekannt geworden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber