Mitten in der umfassenden Reform des Spitzensports und den deutschen Olympia-Plänen stellt Bundeskanzler Friedrich Merz die Führung im Sportbereich des Kanzleramts neu auf. Christiane Schenderlein (CDU), die das erst im vergangenen Jahr geschaffene Amt der Sport-Staatsministerin nur 14 Monate innehatte, muss gehen und wechselt als parlamentarische Staatssekretärin ins Gesundheitsministerium.
Laut Mitteilung sagte Schenderlein zu ihrer Ablösung: „Ich respektiere diesen Wunsch und freue mich gleichzeitig auf die neue Aufgabe.“ Ihre Abberufung hatte in ostdeutschen CDU-Landesverbänden für massiven Unmut gesorgt.
Wer Schenderlein nachfolgt, ließ Merz zunächst offen. Eine Entscheidung über die Personalie solle erst später bekanntgegeben werden, sagte der Kanzler. Zugleich versicherte der CDU-Vorsitzende, im Sport-Staatsministerium entstehe kein Vakuum.
Für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) kam Schenderleins Abberufung nach Angaben von Vorstandschef Otto Fricke zu diesem Zeitpunkt unerwartet. Mit Blick auf anstehende Weichenstellungen forderte er eine schnelle Neubesetzung der für den Sport zentralen Position in der Bundesregierung. Gerade mit Blick auf die Olympiabewerbung müsse rasch Klarheit geschaffen werden, mahnte Fricke.
Als mögliche Nachfolgerin wurde zuletzt die frühere Fußball-Nationalspielerin Nadine Keßler genannt. Die 38-Jährige arbeitet derzeit als Direktorin für Frauenfußball bei der UEFA. Eine offizielle Bestätigung für einen Wechsel ins Kanzleramt gibt es bislang nicht. Auch die UEFA wollte entsprechende Berichte nicht kommentieren.
Heikle Phase für den deutschen Sport
Der Führungswechsel kommt für den deutschen Sport in einer sensiblen Phase. Erst kurz vor der Sommerpause hatte der Bundestag nach langen Debatten das neue Sportfördergesetz beschlossen. Kern der Reform ist eine neue Spitzensportagentur, die künftig über die Verteilung der Bundesmittel entscheiden soll. Bis zuletzt war umstritten, wie viel Mitsprache der organisierte Sport dabei selbst haben soll. Diese Konflikte dürften auch die neue Amtsinhaberin weiter beschäftigen.
Hinzu kommt die entscheidende Etappe bei der Auswahl einer deutschen Olympiabewerbung. Am 26. September will der DOSB bei seiner Mitgliederversammlung in Baden-Baden bekanntgeben, ob Berlin, München oder die Region Rhein-Ruhr mit Köln als Zentrum in das internationale Rennen um Sommerspiele geht. Die Bundesregierung hatte sich zuletzt deutlich hinter eine deutsche Bewerbung gestellt und dafür mehrere Millionen Euro für das Verfahren zugesagt.
Schenderlein zieht positive Bilanz
Das Amt der Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Kanzleramt war erst mit dem Start der Bundesregierung im vergangenen Jahr geschaffen worden. Der organisierte Sport hatte lange auf eine solche zentrale Ansprechperson gedrängt. Schenderleins Ernennung kam damals überraschend, da sie zuvor im Sport kaum bekannt war.
Rückblickend erklärte sie nun: „Ich blicke mit Stolz und Freude auf das Erreichte zurück.“ In ihrer kurzen Amtszeit habe sie „die zentralen Vorhaben des Koalitionsvertrages“ umgesetzt.
Auch DOSB-Vorstandschef Fricke dankte Schenderlein für die aus seiner Sicht gute und angenehme Zusammenarbeit trotz teils unterschiedlicher Interessen. Mit ihrer Hilfe seien wichtige Meilensteine für den Sport erreicht worden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber