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Pogacar am Limit? Lob aus seiner dunkelsten Zeit

Pogacar schreibt mit Tour-Sieg Nummer fünf Geschichte – doch was plant er jetzt? Vuelta, neue Rekorde … und warum wachsen die Zweifel?

27.07.2026, 10:17 Uhr

Pogacar feiert fünften Toursieg – und denkt schon an neue Ziele

Nach dem spektakulären Finale der Tour de France und seinem historischen fünften Gesamterfolg durfte Tadej Pogacar in Paris feiern. Unweit der Champs-Élysées lud der finanzstarke Team-Sponsor aus den Emiraten zu einem festlichen Abend ein. Auch Pogacars Teamkollegen um den deutschen Profi Nils Politt waren nach den Strapazen wieder auf den Beinen. Mit dabei war zudem Pogacars Partnerin Urska Zigart, die sich von einem schweren Sturz erholt.

Schon einen Tag später wartete in Monaco wieder der Alltag auf den Ausnahmefahrer. Die französische Sportzeitung L’Équipe bezeichnete ihn als "Legende". Pogacar selbst kündigte jedoch eher bodenständige Pläne an: ein wenig Hausarbeit, dazu Freude an den kleinen Dingen. Die größten sportlichen Aufgaben hat er schließlich bereits in beeindruckender Zahl gemeistert.

Mit erst 27 Jahren gehört der Slowene nun zum exklusiven Kreis der fünfmaligen Tour-de-France-Sieger – neben Eddy Merckx, Jacques Anquetil, Bernard Hinault und Miguel Indurain. Viel Bedeutung misst Pogacar diesem historischen Rang aber offenbar nicht bei. Für ihn steht der Moment im Vordergrund, nicht der Platz in den Geschichtsbüchern.

Start bei der Vuelta noch offen

Nun sucht der Weltmeister nach einer neuen Herausforderung. Eine Option ist die Vuelta a España, die bisher noch in seiner Sammlung fehlt. Direkt nach der Tour wollte er sich dazu nicht festlegen. Wenn das Rennen sofort beginnen würde, sagte er, wäre seine Antwort wohl Nein. In einigen Wochen könne die Entscheidung aber schon anders ausfallen. Dass die Rundfahrt in diesem Jahr ganz in der Nähe seiner Wahlheimat Monaco startet, dürfte den Reiz zusätzlich erhöhen.

Tour de France – 21.Etappe
Tadej Pogacar zeigt fünf Finger für alle seine Tour-Siege. Quelle: Anne-Christine Poujoulat/AFP/dpa

Pogacar hat ohnehin noch einige wenige Lücken in seinem Palmares. Besonders Paris-Roubaix reizt ihn weiterhin. In den vergangenen Jahren scheiterte er dort unter anderem an den Klassikerspezialisten Mathieu van der Poel und Wout van Aert. Dieselben Rivalen nahmen ihm auch prestigeträchtige Tagessiege bei der Tour weg – van Aert im Vorjahr, van der Poel auf der diesjährigen Schlussetappe. Für Pogacars Gesamtbilanz sind das allerdings nur kleine Makel. Auch die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles gehören zu seinen langfristigen Zielen.

Armstrong nennt ihn den Größten

Im Umfeld von Pogacars Erfolg taucht auch immer wieder der Name Lance Armstrong auf. Dessen einstige sieben Toursiege wurden wegen Dopings aberkannt, bei vielen Radsportfans bleibt seine Ära dennoch präsent. Armstrong selbst zeigte sich in seinem Podcast The Move voller Bewunderung für Pogacar und nannte ihn den besten Fahrer aller Zeiten. Er sagte sogar, der Slowene wäre ihm klar überlegen gewesen und sei womöglich der dominanteste Sportler weltweit.

Es ist allerdings fraglich, ob Pogacar ein solches Lob besonders schätzt. Schließlich kommt es von einer Figur, die wie kaum eine andere für das dunkelste Kapitel des Radsports steht und bei der Tour de France unerwünscht ist.

Zweifel begleiten auch den Dominator

Mit Misstrauen und kritischen Fragen muss inzwischen auch Pogacar leben. Seine Leistungen erscheinen vielen Beobachtern fast zu überlegen. Bei dieser Tour stellte er Bestmarken auf und war am Anstieg nach Alpe d’Huez sogar mehr als eine Minute schneller als Marco Pantani vor 31 Jahren – ein Fahrer, dessen Karriere später massiv von Dopingvorwürfen überschattet wurde.

Die britische Zeitung The Guardian mahnte deshalb, Pogacars fünften Toursieg nicht losgelöst vom Umfeld zu betrachten. Zwar sei er ohne Frage ein Ausnahmekönner, doch sein Umfeld trage Altlasten aus problematischen Zeiten des Sports mit sich. Dabei verwies das Blatt auch auf Teamchef Mauro Gianetti.

Dopingtests gehören für ihn zum Alltag

Pogacar selbst verweist auf die Vielzahl an Kontrollen, denen er sich regelmäßig unterziehen muss – auch in den frühen Morgenstunden. Für ihn seien solche Tests längst Teil des normalen Lebens geworden. Wenn es an der Tür klopfe, denke er sofort an eine Kontrolle. Das sei inzwischen fast so gewöhnlich wie ein Einkauf im Supermarkt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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