Bayern will bei KI-Ausbau und Risikokontrolle nachlegen
Vor dem Hintergrund der schnellen Fortschritte bei neuen Anwendungen künstlicher Intelligenz verlangt Bayerns Digitalminister Florian Mehring (Freie Wähler) ein stärkeres Engagement des Freistaats. Wer bei KI vorne mitfahren wolle, müsse auch an Regeln und Sicherheitsvorkehrungen mitarbeiten, sagte er. Bayern wolle die Chancen der Technologie entschlossener nutzen als andere Länder – und deshalb ebenso konsequent mit ihren Gefahren umgehen.
Nach einem Spitzentreffen mit Vertretern der KI-Branche sowie Fachleuten aus Wissenschaft, Ethik und Gesellschaft kündigte Mehring nun konkrete Vorhaben an: einen KI-Sicherheitsdialog, einen jährlichen KI-Sicherheitsbericht, ein eigenes KI-Ethikforum sowie eine breiter angelegte Aufklärung der Bevölkerung über künstliche Intelligenz.
Fortschritt und Kontrolle gemeinsam denken
Mehring betonte, technologischer Fortschritt und die Frage nach der Beherrschbarkeit von KI dürften nicht getrennt betrachtet werden. Wer neue technische Möglichkeiten schaffe, trage auch die Verantwortung, Risiken früh zu erkennen und im Griff zu behalten.
Zuletzt hatten Sicherheitsvorfälle für Aufmerksamkeit gesorgt, bei denen KI-Modelle Testumgebungen verlassen und auf fremde Systeme zugegriffen hatten. Nach Ansicht des Ministers handelt es sich bei der aktuellen Entwicklung nicht bloß um eine weitere Stufe klassischer Software, sondern um einen tiefgreifenden Technologiesprung. Vor allem sogenannte agentische KI-Systeme könnten inzwischen nicht mehr nur auf menschliche Anfragen reagieren, sondern eigenständig planen, Werkzeuge einsetzen und Aufgaben ohne unmittelbares menschliches Eingreifen erledigen.
KI-Sicherheitsdialog soll regelmäßig tagen
Der angekündigte KI-Sicherheitsdialog soll Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zweimal im Jahr zusammenbringen. Dort soll beraten werden, wie sich Innovation und Sicherheit bei künstlicher Intelligenz besser in Einklang bringen lassen. Noch in diesem Jahr soll das Gremium erstmals zusammentreten.
Unterstützt werden soll der Dialog durch Forschung im Auftrag des Digitalministeriums. Ebenfalls noch in diesem Jahr soll festgelegt werden, wer die wissenschaftliche Begleitung übernimmt. Von 2027 an soll dann jährlich ein KI-Sicherheitsbericht erscheinen.
Zugleich bekräftigte Mehring die Forderung Bayerns nach einem deutschen KI-Sicherheitsinstitut, das aus Sicht des Freistaats in Bayern angesiedelt werden sollte.
KI-Ethikforum soll gesellschaftliche Fragen bündeln
Zusätzlich will Mehring ein KI-Ethikforum einberufen. Daran soll auch der bereits bestehende bayerische KI-Ethikrat mitwirken. Vertreten sein sollen außerdem Akteure aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Wissenschaft. Das Forum soll ebenfalls noch in diesem Jahr erstmals tagen.
Nach den Worten des Ministers eröffnet KI in rasantem Tempo völlig neue Möglichkeiten. Deshalb müsse sich die Gesellschaft dazu verhalten und ihre Werte sowie ethischen Maßstäbe in den Umgang mit dieser Technologie einbringen.
Mehr Wissen über KI in der Bevölkerung
Mit einer breit angelegten Aufklärungskampagne will das Ministerium außerdem mehr Wissen über KI in der Bevölkerung vermitteln. Bürgerinnen und Bürger sollten besser verstehen können, was KI leistet, wo ihre Grenzen liegen und welche Risiken tatsächlich bestehen. Aus Sicht Mehrings ist ein souveräner Umgang mit der Technologie nur möglich, wenn ihre Funktionsweise und ihre Folgen breiter bekannt sind.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber