Bafög-Reform kommt später: Höhere Wohnpauschale erst ab dem Sommersemester
Teile der geplanten Bafög-Reform verschieben sich. Studierende und Schüler, die auf die Erhöhung der Wohnkostenpauschale gehofft hatten, müssen länger warten: Statt schon zum kommenden Wintersemester soll das Plus erst ab dem nächsten Sommersemester greifen. Darauf haben sich die Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD nach längeren Verhandlungen verständigt.
Ursprüngliche Pläne der Koalition
Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD vereinbart, die Wohnpauschale im Bafög für junge Menschen, die nicht mehr bei ihren Eltern leben, von derzeit 380 auf 440 Euro pro Monat anzuheben. Dieser Schritt sollte eigentlich bereits zum nächsten Wintersemester erfolgen.
Darüber hinaus war vorgesehen, den Grundbedarf im Bafög in den kommenden Jahren schrittweise auf das Niveau der Grundsicherung zu bringen. Der entsprechende Regelbedarf liegt derzeit bei 563 Euro.
So hoch ist das Bafög derzeit
Aktuell beträgt der Grundbedarf 475 Euro. Zusammen mit der Wohnkostenpauschale ergibt sich ein maximaler Förderbetrag von 855 Euro im Monat. Wer zusätzlich seine Krankenversicherung selbst bezahlt, kann weitere Zuschläge erhalten und damit auf bis zu 992 Euro kommen.
Die geltenden Sätze wurden zuletzt vor zwei Jahren angepasst. Wie viel jemand tatsächlich bekommt, hängt aber immer vom Einzelfall ab — etwa vom Einkommen der Eltern und vom eigenen Vermögen.
Das ist nun beschlossen
Nach der Einigung wird die Wohnkostenpauschale nicht mehr zum bevorstehenden Wintersemester erhöht, sondern erst zum nächsten Sommersemester auf 440 Euro angehoben.

Auch beim Grundbedarf sind Erhöhungen in Stufen vorgesehen:
- zum Wintersemester 2027/28 auf 503 Euro
- zum Sommersemester 2029 auf 563 Euro
Damit würde das heutige Niveau der Grundsicherung erreicht. Für spätere Änderungen soll es laut SPD einen Mechanismus geben, mit dem die Fördersätze regelmäßig überprüft und an die Entwicklung der Grundsicherung angepasst werden können.
Wie viele Menschen sind betroffen?
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts erhielten im Jahr 2024 rund 612.800 Menschen Bafög. Das ist der niedrigste Wert seit dem Jahr 2000. Rund 71 Prozent von ihnen wohnten nicht mehr bei den Eltern.
Unter den Geförderten waren etwa:
- 483.800 Studierende
- 129.000 Schülerinnen und Schüler
Zum Vergleich: In Deutschland sind insgesamt rund 2,9 Millionen Menschen an Hochschulen eingeschrieben, hinzu kommen etwa 11,5 Millionen Schülerinnen und Schüler.
Empfängerkreis soll breiter werden
Nicht nur die Fördersätze, auch der Kreis der Berechtigten soll ausgeweitet werden. Geplant ist laut SPD, die Freibeträge bei den Einkommen — etwa der Eltern — ab Sommer 2028 beziehungsweise zum Wintersemester 2028/29 automatisch jedes Jahr um 1,5 Prozent anzuheben.
Damit soll verhindert werden, dass durch Inflation und steigende Löhne nach und nach immer weniger Menschen Anspruch auf Bafög haben. Außerdem soll das Antragsverfahren einfacher und stärker digitalisiert werden.
Warum die Reform so umstritten war
Hintergrund der langen Debatte sind die angespannten Staatsfinanzen. Die Bundesregierung versucht, die Ausgaben zu begrenzen. Unionsfraktionschef Jens Spahn hatte bereits erklärt, dass höhere staatliche Leistungen wie Bürgergeld, Wohngeld, Elterngeld oder auch Bafög auf absehbare Zeit nur schwer finanzierbar seien.
Die SPD drängte jedoch auf eine Anhebung beim Bafög. Am Ende setzte sie sich weitgehend durch — allerdings mit der Verzögerung bei der Wohnkostenpauschale.
Kritik und Reaktionen
Das Deutsche Studierendenwerk bewertet die Einigung zwiespältig. Einerseits sei es nach Monaten der Unsicherheit ein wichtiges Signal. Andererseits sei die verschobene Anhebung der Wohnpauschale ein deutlicher Nachteil für die aktuell Studierenden.
Auch aus der Opposition kommt Kritik. Die Grünen-Haushaltspolitikerin Paula Piechotta wirft der Bundesregierung vor, Zusagen nicht einzuhalten. Wer bei Bildung spare, schade langfristig dem Arbeitsmarkt und dem Land insgesamt.
Nicole Gohlke, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, hält die geplante Angleichung an die Grundsicherung erst in knapp drei Jahren für deutlich zu spät und zudem für unzureichend, um studentische Armut wirksam zu bekämpfen.
Wohnkosten bleiben ein großes Problem
Wie dringend die Debatte ist, zeigt ein Blick auf den Wohnungsmarkt: Ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft kostete zuletzt im Durchschnitt 512 Euro pro Monat. Dabei gibt es große regionale Unterschiede.
Beispiele:
- München: rund 800 Euro
- Bielefeld oder Bochum: etwa 375 bis 385 Euro
Die Zahlen stammen vom Moses Mendelssohn Institut. Demnach verharren die Preise auf sehr hohem Niveau und steigen stärker als die allgemeine Inflation. Laut Statistischem Bundesamt geben Studierende im Schnitt rund 53 Prozent ihres Einkommens für das Wohnen aus. In der Gesamtbevölkerung liegt dieser Anteil nur bei etwa 25 Prozent.
Bafög gibt es seit 1971
Das Bundesausbildungsförderungsgesetz, kurz Bafög, trat am 1. September 1971 in Kraft. Ziel war es, finanzielle Hürden beim Zugang zu Bildung abzubauen. Darauf hatte damals die zuständige Bundesjugendministerin Käte Strobel (SPD) verwiesen.
Zu Beginn wurde das Bafög vollständig als Zuschuss gezahlt, also ohne Rückzahlung. Später wurde daraus zeitweise ein Volldarlehen. Seit 1990 gilt grundsätzlich das heutige Modell: Die Hälfte der Förderung ist ein Zuschuss, die andere Hälfte muss zurückgezahlt werden.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts hatten bis 2021 rund 36 Millionen junge Menschen ihre Schul- oder Hochschulausbildung mit Hilfe von Bafög finanziert.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber