Wirtschaft

Stahl-Schock bei HKM: Salzgitter AG streicht Jobs

HKM bleibt – aber der Preis ist enorm: Rund 2000 Jobs sollen wegfallen. Warum am Ende nur 1000 Stellen übrig bleiben.

09.07.2026, 13:25 Uhr

Salzgitter übernimmt HKM vollständig und plant massiven Stellenabbau

Der Stahlkonzern Salzgitter AG übernimmt die Duisburger Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) komplett. Wie das Unternehmen mitteilte, wurden die entsprechenden Verträge mit den bisherigen Miteignern Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE) und dem französischen Rohrhersteller Vallourec unterzeichnet. Bislang hielt TKSE 50 Prozent an HKM, Salzgitter 30 Prozent und Vallourec 20 Prozent. HKM steht für Hüttenwerke Krupp Mannesmann.

Mit der vollständigen Übernahme ist ein tiefgreifender Personalabbau verbunden. Derzeit beschäftigt HKM rund 3000 Menschen, bis Ende 2028 soll die Zahl auf etwa 1000 sinken. Salzgitter-Personalvorständin Birgit Dietze bezeichnete diesen Schritt als schwer, aber notwendig.

Nach Angaben des Unternehmens soll der Umbau grundsätzlich sozialverträglich umgesetzt werden. Salzgitter betont, ohne den geplanten Stellenabbau wäre die alleinige Übernahme nicht möglich gewesen. Als Alternative habe sogar die vollständige Stilllegung des Duisburger Werks im Raum gestanden. Nur mit einer konsequenten Neuausrichtung habe HKM eine realistische Zukunftsperspektive.

Fokus auf klimafreundliche Stahlproduktion

Salzgitter will in den Standort investieren und dort künftig stärker auf die klimaschonende Herstellung von Stahl setzen. Hintergrund ist die Erwartung, dass die Nachfrage nach grünem Stahl in den kommenden Jahren steigt. Geplant ist in Duisburg der Bau eines Elektrolichtbogenofens, der mit Strom arbeitet und deutlich weniger CO2 verursacht.

Konzernchef Gunnar Groebler erklärte, man habe nun eine Lösung gefunden, mit der alle Beteiligten leben könnten. Ziel sei es, den Standort auf die grüne Transformation auszurichten und langfristig zukunftsfähig zu machen.

Auch Marie Jaroni, Chefin von Thyssenkrupp Steel Europe, sprach von einem wichtigen Meilenstein für alle Beteiligten. TKSE könne seine Produktion dadurch stärker auf den Duisburger Norden konzentrieren und Auslastung, Effizienz sowie Wirtschaftlichkeit nachhaltig verbessern. HKM wird TKSE allerdings nur noch bis Ende 2028 beliefern; ursprünglich war die Zusammenarbeit bis 2032 vorgesehen.

Von der IG Metall kam Kritik am Umfang des Stellenabbaus. Ein Sprecher nannte die Pläne bitter. Zugleich sei es positiv, dass der Standort erhalten bleibe und damit zumindest 1000 gut abgesicherte industrielle Arbeitsplätze in Nordrhein-Westfalen bestehen blieben.

Positiv äußerte sich auch Stefan Dietzfelbinger von der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer. Er sprach von einem guten Signal für den Stahlstandort. Die geplante Ausrichtung auf die grüne Transformation und die Investition in einen Elektrolichtbogenofen seien wichtig, weil das Unternehmen damit einen spürbaren Beitrag zur CO2-Reduktion leisten könne.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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