Tschechien zieht Bilanz nach Waffenamnestie
In Tschechien konnten Bürgerinnen und Bürger ein halbes Jahr lang unerlaubt besessene Waffen ohne Strafe bei der Polizei abgeben. Nach dem Ende der Aktion, die von Anfang Januar bis Ende Juni lief, legten die Behörden nun Zahlen vor. Nach Angaben einer Polizeisprecherin wurden landesweit 5.918 Waffen, mehr als 216.000 Schuss Munition sowie über 64 Kilogramm Sprengstoff bei den Dienststellen abgegeben. Vergleichbare Amnestien hatte es bereits 1996, 2003, 2009, 2014 und 2021 gegeben.
Von schweren Geschützen bis zu winzigen Pistolen
Unter den abgegebenen Gegenständen befanden sich auch außergewöhnliche Stücke. Dazu zählte etwa ein historischer Festungsmörser aus der Maginot-Linie, die zwischen 1930 und 1940 im Osten Frankreichs errichtet wurde. Um dessen Rückgabe bemühen sich nun die französischen Behörden.
Zu den größten abgegebenen Waffen gehörte außerdem eine mehr als zwei Meter lange 4,7-Zentimeter-Festungs-Panzerabwehrkanone aus den Skoda-Werken. Solche Modelle wurden unter anderem in Bunkeranlagen des Atlantikwalls eingesetzt.
Deutlich kleiner fiel dagegen eine sogenannte Kolibri-Pistole aus, die in der osttschechischen Region Mährisch-Schlesien abgegeben wurde. Die seltene Miniaturwaffe verschießt Munition im Kaliber 2,7 Millimeter und stammt vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Entwickelt wurde sie vom österreichischen Uhrmacher Franz Pfannl, setzte sich damals aber kommerziell nicht durch.
Auch explosive Altlasten entdeckt
Einige der abgegebenen Funde erwiesen sich als besonders gefährlich. So wurde im April in einer Wohnung im Prager Stadtteil Nusle eine sowjetische Handgranate aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Wie die Polizei mitteilte, war der Sprengkörper noch scharf und einsatzfähig. Spezialisten machten die Granate direkt vor Ort unschädlich und transportierten sie anschließend ab.
Die Behörden mahnen deshalb zur Vorsicht: Wer Munition oder andere Kampfmittel findet, sollte sie keinesfalls anfassen, sondern am Fundort liegen lassen und umgehend die Polizei verständigen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber