Wirtschaft

Sonntags shoppen: Fällt das Verbot bald?

Sonntag shoppen oder Ruhetag retten? Eine neue Umfrage zeigt überraschend klar, wie Deutschland wirklich darüber denkt.

08.07.2026, 12:44 Uhr

Umfrage: Deutschland bleibt bei Sonntagsöffnungen gespalten

Ob Geschäfte sonntags häufiger öffnen dürfen sollen, wird in Deutschland weiter kontrovers diskutiert. Laut einer repräsentativen YouGov-Erhebung mit 4.022 Befragten ab 18 Jahren sprechen sich 43 Prozent dafür aus, die Regeln zu lockern. Die Hälfte der Teilnehmer lehnt das jedoch ab, während 6 Prozent keine Angaben machten. Besonders jüngere Menschen und Männer zeigen sich offener für zusätzliche Sonntagsöffnungen als Ältere und Frauen.

Im Vergleich zu einer ähnlichen YouGov-Umfrage vor rund einem Jahr hat die Zustimmung zugenommen. Damals befürworteten nur 34 Prozent häufigere Öffnungen am Sonntag, 59 Prozent waren dagegen. Der Rest äußerte sich nicht oder blieb unentschieden.

Argumente der Befürworter

Vertreter des Handels setzen sich seit längerem für mehr Flexibilität bei Sonntagsöffnungen ein. Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland, Stefan Genth, betont, Einkaufen habe auch einen Freizeitwert. Gelegentliche Öffnungen am Sonntag könnten aus seiner Sicht dazu beitragen, Innenstädte attraktiver und belebter zu machen.

Auch der Handelsverband Textil Schuhe und Lederwaren fordert einfachere Regeln. Nach Angaben von Hauptgeschäftsführer Rolf Pangels schrecken die unterschiedlichen Vorgaben in Ländern, Städten und Gemeinden viele Händler ab, überhaupt einen verkaufsoffenen Sonntag zu beantragen. Oft bestehe die Sorge, dass der nötige Anlass rechtlich nicht ausreiche und Termine kurzfristig gestoppt werden könnten.

Öffnungszeitengesetz für Geschäft
In manchen Bundesländern gibt es bereits Ausnahmeregelungen für Sonntagsöffnungen. (Symbolbild) Quelle: Jens Büttner/dpa

Pangels plädiert deshalb dafür, die Bindung an einen besonderen Anlass abzuschaffen. Aus seiner Sicht wären bis zu vier Sonntagsöffnungen pro Jahr in vielen Städten wirtschaftlich sinnvoll und für Beschäftigte vertretbar. Für besonders attraktive Standorte könne er sich auch deutlich mehr Termine vorstellen.

Argumente der Gegner

Die Gewerkschaft Verdi spricht sich klar gegen weitere Lockerungen aus. Vorstandsmitglied Silke Zimmer verweist darauf, dass der Sonntag für viele Beschäftigte im Handel der einzige verlässlich planbare freie Tag sei. Dieser werde für Erholung sowie für Zeit mit Familie, Freunden und ehrenamtliches Engagement benötigt.

Aus Sicht der Gewerkschaft führen längere Öffnungszeiten weder zu höheren Umsätzen noch zu lebendigeren Innenstädten. Stattdessen würden sie vor allem großen Handelsketten im Wettbewerb helfen und den Druck auf kleinere Anbieter erhöhen. Verdi warnt deshalb vor noch eintönigeren Innenstädten mit immer denselben Filialisten.

Aktuelle Rechtslage

Grundsätzlich bleiben Geschäfte an Sonn- und Feiertagen in Deutschland geschlossen. Die Vorgaben zur Sonntagsöffnung sind im Ladenschlussrecht geregelt, wobei die Details je nach Bundesland unterschiedlich ausfallen. In der Regel gibt es eine begrenzte Zahl verkaufsoffener Sonntage, die an einen konkreten Anlass gekoppelt sein müssen.

Einige Länder haben ihre Bestimmungen zuletzt angepasst. In Schleswig-Holstein dürfen künftig in ländlichen Regionen Kleinstsupermärkte ohne Personal auch an Sonn- und Feiertagen öffnen. Thüringen hat bereits besondere Regeln für kleine 24-Stunden-Läden eingeführt: Sie dürfen sonntags öffnen, sofern kein Personal eingesetzt wird.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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