Frankreich bereitet sich für die in den nächsten Tagen erwarteten neuen Massenproteste erneut mit einem großen Polizeiaufgebot vor. Nachdem am vergangenen Samstag bereits 70.000 Einsatzkräfte gegen Randalierer und Plünderer mobilisiert worden waren, soll auch am kommenden Samstag eine ähnlich starke Präsenz aufgeboten werden. Das kündigte Innenminister Laurent Nuñez im Sender RTL an. Man werde wieder über vergleichbar umfangreiche Kräfte verfügen.
Auf die Frage, ob eine derart große Mobilisierung angesichts zahlreicher Protestaufrufe und weiterer für den 5. November geplanter Demonstrationen durchzuhalten sei, erklärte Nuñez, die Behörden würden so lange weitermachen, wie es erforderlich sei.
Mit den 70.000 Polizisten und Gendarmen, darunter auch Spezialeinheiten, gepanzerten Fahrzeugen und Wasserwerfern, hatte Frankreich am vergangenen Wochenende schwere Ausschreitungen verhindert, wie sie eine Woche zuvor am Rande von Kundgebungen zu sehen gewesen waren. Nach Angaben des Innenministers waren jedoch erneut gewaltbereite Gruppen unterwegs. Den jungen Menschen, die seit Wochen bessere Bedingungen und mehr Mittel für Schulen fordern, haben sich inzwischen weitere Protestgruppen angeschlossen, unter anderem aus Unzufriedenheit über die hohen Lebenshaltungskosten.
Gelbwesten kündigen weitere Aktionen an
Die Gelbwesten-Bewegung hat für den 31. Oktober bereits einen „dritten Akt“ ihrer neuen Protestwelle ausgerufen. Geplant sind Kundgebungen und Sitzblockaden vor der Nationalversammlung sowie vor Rathäusern im ganzen Land. Präsident Emmanuel Macron bezeichnete die für Samstag angekündigten Demonstrationen als riskant und verlangte, dass Protestzüge nicht durch die Innenstädte führen.
Schon für Freitag rufen die Gelbwesten zu einer sogenannten Casserolade auf. Dabei soll mit Kochtöpfen, Pfannen und anderem Küchenutensil lautstark protestiert werden.
Die Bewegung hatte Frankreich bereits zwischen November 2018 und dem Frühjahr 2019 mit Demonstrationen gegen steigende Lebenshaltungskosten und soziale Ungleichheit beschäftigt. Ihren Namen verdankt sie den gelben Warnwesten, die viele Teilnehmer damals trugen. Im Zuge der aktuellen Proteste tritt die Bewegung nun wieder verstärkt in Erscheinung.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber