Politik

Voigts Kampf um den Doktortitel endgültig verloren

Schlappe für Mario Voigt: Auch sein letzter Widerspruch scheitert – der umstrittene Doktortitel bleibt aberkannt.

11.08.2026, 11:00 Uhr

Die Technische Universität Chemnitz hält an der Aberkennung des Doktorgrades von Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt fest. Der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät habe den Widerspruch des CDU-Politikers gegen den Entzug des Titels zurückgewiesen, teilte ein Sprecher der Universität auf Anfrage mit. Zuvor hatte der „Stern“ berichtet.

Ein Anwalt Voigts erklärte, die Entscheidung der TU Chemnitz komme nicht überraschend. „Nach rechtlicher Prüfung werden wir Klage erheben.“

Erste Vorwürfe kamen im Wahlkampf auf

Voigt steht seit Monaten wegen der Affäre unter Druck. Ihm wird vorgeworfen, in seiner 2008 eingereichten Dissertation mit dem Titel „Der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf: George W. Bush gegen John F. Kerry“ unsauber gearbeitet zu haben. Die ersten Plagiatsvorwürfe waren kurz vor der Thüringer Landtagswahl 2024 bekannt geworden.

Damals trat Voigt mit der CDU noch aus der Opposition heraus als Spitzenkandidat an. Seine Partei sprach seinerzeit von einer Schmutzkampagne im Wahlkampf. Nach der Wahl schmiedete Voigt mit CDU, BSW und SPD die sogenannte Thüringer Brombeer-Koalition und wurde im Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt.

Im Januar 2026 wurde bekannt, dass die TU Chemnitz nach längerer Prüfung entschieden hatte, Voigt den Doktorgrad zu entziehen. Schon damals kündigte der CDU-Politiker an, sich gegen den Schritt notfalls auch vor Gericht zu wehren.

Verteidigung sieht erhebliche rechtliche Fragen

Nach Angaben von Voigts Anwalt könnte dieser Punkt nun erreicht sein. Die Entscheidung der Universität werfe aus Sicht der Verteidigung erhebliche rechtliche Fragen auf, insbesondere beim Bewertungsmaßstab und bei der Verhältnismäßigkeit.

Besonders ungewöhnlich sei, dass ein Doktortitel aberkannt werde, obwohl ein externer neutraler Gutachter die Voraussetzungen für einen Entzug verneint habe.

AfD erhöht den politischen Druck

Vor allem die Thüringer AfD um Landesparteichef und Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke setzt Voigt wegen des Doktortitel-Entzugs seit Monaten unter Druck. Anfang Februar brachte die AfD-Fraktion im Landtag ein konstruktives Misstrauensvotum gegen den Regierungschef auf den Weg. Höcke kandidierte dabei selbst für das Amt des Ministerpräsidenten, scheiterte jedoch. Voigt blieb im Amt.

Mitte Mai legte die AfD-Fraktion zudem ein von ihr bezahltes Gutachten des österreichischen Kommunikationswissenschaftlers Stefan Weber vor, der als „Plagiatsjäger“ bekannt ist. Das Papier sollte weitere mutmaßliche Plagiatsstellen in Voigts Dissertation belegen.

Nach der Zurückweisung des Widerspruchs forderte Höcke Voigt erneut zum Rücktritt auf. In einer Mitteilung der AfD-Fraktion wird er mit den Worten zitiert: „Herr Ministerpräsident Voigt, beenden Sie dieses unwürdige Schauspiel und treten Sie endlich zurück!“ Zugleich warf er Voigt „Heimlichtuerei“ vor und fragte, warum die Öffentlichkeit erst jetzt davon erfahre, wenn Voigts Anwälte bereits seit dem 17. Juli informiert gewesen seien.

Linke mahnt rasche Klärung an

Auch aus der Opposition kam weitere Kritik. Der Vorsitzende der Linke-Fraktion, Christian Schaft, erklärte, Voigt habe „Vertrauen und Integrität verspielt“. Ob er dieses Vertrauen zurückgewinnen könne, hänge nun von seinem weiteren Umgang mit der Entscheidung der TU Chemnitz ab.

Schaft mahnte zudem, Voigt und die Thüringer CDU seien gut beraten, aus der Sache keine Hängepartie zu machen. Die Menschen im Freistaat erwarteten Erklärungen und Lösungen für ihre Probleme – „und keinen Ministerpräsidenten, der nur mit sich selbst beschäftigt ist“.

Rückendeckung aus dem Kabinett – Kritik aus dem BSW-Bund

Unterstützung erhielt Voigt dagegen aus den Reihen seiner Regierung. Thüringens Finanzministerin und BSW-Chefin Katja Wolf sagte, es sei keine Überraschung, dass die TU Chemnitz einen Widerspruch gegen ihre eigene Entscheidung zurückweise. „Wir arbeiten vertrauensvoll mit Mario Voigt zusammen.“

Auch die Thüringer Sozialministerin und SPD-Vize-Landeschefin Katharina Schenk stellte sich hinter den Regierungschef. Ihr sei nicht klar, „wie diese Doktorarbeits-Frage die Regierungsfähigkeit beeinträchtigen sollte“.

Anders bewertet das BSW auf Bundesebene die Lage. Der BSW-Bundesvorsitzende Fabio De Masi sagte dem „Stern“: „Mario Voigt sollte Thüringen eine weitere Hängepartie ersparen und Konsequenzen ziehen.“ Parteigründerin Sahra Wagenknecht brachte zudem einen parteiunabhängigen Regierungschef ins Spiel. „Auch in Thüringen wäre es sinnvoll, einen im Land breit akzeptierten parteiunabhängigen Ministerpräsidenten zu suchen, der mit wechselnden Mehrheiten regiert – auch unter Einbeziehung der AfD“, sagte sie dem Magazin.

Weitere Kritik wegen KI-Nutzung

Zusätzliche Kritik gab es zuletzt auch wegen der nicht gekennzeichneten Nutzung von Künstlicher Intelligenz in Reden und mehreren Gastbeiträgen Voigts. Nachdem dies im Juni bekannt geworden war, nahm die „FAZ“ einen Gastbeitrag des Ministerpräsidenten aus dem Netz.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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