Hunderttausende Menschen werden nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) jedes Jahr von Menschenhändlern in Online-Betrugsnetzwerke gezwungen. Zum Welttag gegen Menschenhandel am 30. Juli stellte die UN-Organisation eine neue Strategie vor, um Betroffene besser zu schützen.
Die Täter locken ihre Opfer demnach mit vermeintlich gut bezahlten Jobs ins Ausland. Dort würden viele eingesperrt, überwacht und gezwungen, an Betrugsmaschen im Internet mitzuwirken. IOM-Generaldirektorin Amy Pope sprach von einer der am schnellsten wachsenden Formen des Menschenhandels. Seit zwei bis drei Jahren seien die Fallzahlen stark gestiegen. Weltweit arbeiteten nach ihrer Einschätzung etwa 300.000 Menschen in solchen Zentren, wobei nicht alle von ihnen Opfer von Menschenhändlern seien.
Zunehmend gut ausgebildete Betroffene
Besonders alarmierend ist laut IOM, dass kriminelle Gruppen inzwischen gezielt Menschen mit guten Englischkenntnissen und Hochschulabschluss anwerben. Immer häufiger stammten diese aus afrikanischen Ländern. Viele nähmen fragwürdige Angebote an, weil sie dringend Arbeit suchten. Ein deutliches Warnsignal sei etwa, wenn Bewerber aufgefordert würden, mit einem Touristenvisum in ein weit entferntes Land zu reisen.
Früher hätten Menschenhändler häufiger Personen mit geringer Bildung ins Visier genommen, um sie etwa zur Prostitution oder zu harter Zwangsarbeit auf Fischerbooten zu zwingen.
Enorme wirtschaftliche Schäden
Das UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) in Wien beziffert den Schaden durch solche Betrugszentren allein in Ost- und Südostasien sowie in Australien und Neuseeland im vergangenen Jahr auf bis zu 114,1 Milliarden US-Dollar, also rund 100 Milliarden Euro.
Nach IOM-Angaben wurden zwischen 2022 und 2025 mehr als 3.500 Menschen aus 39 Staaten unterstützt, die gegen ihren Willen in solchen Einrichtungen festgehalten worden waren und später freikamen, darunter Betroffene aus Indonesien, Bangladesch und Kenia. Überlebende berichteten von Folter, sexueller Ausbeutung, Drohungen und körperlicher Gewalt. Häufig müssten sie angebliche Schulden, etwa für Reise- oder Vermittlungskosten, abarbeiten. In einigen Fällen würden auch Angehörige in den Heimatländern erpresst.
Betrugsopfer weltweit
Die Folgen treffen nicht nur die unmittelbar Ausgebeuteten. Opfer der Online-Betrügereien seien Menschen auf der ganzen Welt, sagte Pope. Ihnen würden etwa Probleme mit dem Bankkonto vorgetäuscht, um an Zugangsdaten zu gelangen und anschließend Geld von den Konten abzuziehen.
Um vor dieser Gefahr zu warnen, arbeitet die IOM auch mit Überlebenden zusammen, die in sozialen Netzwerken über ihre Erfahrungen berichten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber