Inlands-Ferienhäuser boomen: Unsichere Zeiten und Hitze treiben Nachfrage
Krisen, hohe Temperaturen und Waldbrände im Ausland sorgen derzeit dafür, dass Ferienwohnungen und -häuser in Deutschland besonders gefragt sind. Branchenverbände sprechen unter Verweis auf Umfragen und Studien von deutlich wachsender Nachfrage. Auch amtliche Zahlen bestätigen diesen Trend. Besonders beliebt bleiben klassische Urlaubsregionen an Küsten und in den Bergen, während Reisende zugleich höhere Ansprüche an Komfort und Ausstattung stellen.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden im vergangenen Jahr über die Plattformen Airbnb, Booking und Expedia insgesamt 68,3 Millionen Übernachtungen in Deutschland gebucht. Das entspricht einem Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zu 2019, also dem letzten Jahr vor der Pandemie, liegt der Zuwachs sogar bei 83,4 Prozent. Damit hat sich das Buchungsvolumen über diese Portale seitdem nahezu verdoppelt. Bis einschließlich 2024 flossen auch Daten von TripAdvisor in die Auswertung ein; inzwischen beteiligt sich der Anbieter jedoch nicht mehr am Datenaustausch mit Eurostat.
Hitzewellen fördern spontane Buchungen
Nach einem eher verhaltenen Start ins Jahr ziehen die Buchungen laut dem Deutschen Ferienhausverband inzwischen deutlich an. Geschäftsführerin Michelle Schwefel beobachtet, dass viele Menschen derzeit sehr kurzfristig Unterkünfte in Deutschland reservieren. Ein wichtiger Grund seien Hitzewellen, denen vor allem Stadtbewohner mit Reisen in kühlere, naturnahe Regionen entkommen wollten. Auch stabile Schönwetterphasen führten etwa an der Nordsee rasch zu zusätzlichen Last-Minute-Buchungen.

Ferienhäuser direkt am Wasser gelten dabei als besonders attraktiv, weil sie Erholung und Abkühlung versprechen.
Urlaub im eigenen Land als Kostenbremse
Eine aktuelle Befragung im Auftrag des Ferienhausportals HomeToGo zeigt zudem, dass steigende Reisekosten viele Urlauber zu Zielen innerhalb Deutschlands lenken. Gerade für Familien werde das Ferienhaus als kalkulierbare und vergleichsweise sichere Urlaubsform gesehen. Auslandsreisen würden häufiger durch Aufenthalte im Inland ersetzt, Flugreisen eher vermieden.
Allerdings ist auch ein Ferienhausurlaub nicht unbedingt günstig. Für die Sommermonate Juni bis August hat HomeToGo an der Ostsee einen mittleren Tagespreis von 160 Euro pro Unterkunft ermittelt, an der Nordsee liegt der Wert bei 138 Euro. Im Allgäu werden ebenfalls im Schnitt 160 Euro verlangt. Etwas preiswerter sind Regionen wie der Harz, die Eifel oder die Mosel.
Nach Angaben von HomeToGo ist der Anteil der Suchanfragen nach deutschen Urlaubszielen in diesem Jahr um 5,4 Prozentpunkte auf 32,5 Prozent gestiegen. Dahinter folgen mit deutlichem Abstand Italien mit 16 Prozent und Kroatien mit 12 Prozent.
Familien schätzen Freiraum und Flexibilität
Für Ferienhäuser sprechen aus Sicht der Branche mehrere Vorteile. Familien mit kleinen Kindern hätten dort meist mehr Platz und Bewegungsfreiheit. Zudem seien Haustiere oft willkommen, und Selbstversorgung lasse sich einfacher organisieren. Weil WLAN inzwischen fast überall Standard sei, könne bei Bedarf sogar das Homeoffice zeitweise an den Urlaubsort verlegt werden.
Viele Unterkünfte tauchen in der klassischen Statistik nicht auf
Der Markt für Ferienhäuser und -wohnungen ist stark zersplittert. Neben den großen Buchungsplattformen spielen in vielen Urlaubsregionen auch kleinere Vermittler sowie Portale von Tourismusverbänden eine wichtige Rolle. Deshalb bildet die Auswertung von Airbnb, Booking und Expedia den Gesamtmarkt nur teilweise ab.
Dennoch sehen die Statistiker darin eine wertvolle Ergänzung zur offiziellen Beherbergungsstatistik. Diese erfasst nur Betriebe mit mindestens zehn Betten. Dort wurden im vergangenen Jahr insgesamt knapp 500 Millionen Übernachtungen registriert.
Von den über die drei großen Portale gebuchten Übernachtungen entfielen 94 Prozent beziehungsweise 64,1 Millionen auf kleinere Einheiten, die in der amtlichen Statistik nicht auftauchen. Nach Einschätzung des Deutschen Ferienhausverbands werden zudem 82 Prozent der insgesamt 2,6 Millionen Betten in Ferienhäusern und Ferienwohnungen von privaten Gastgebern angeboten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber