Wirtschaft

Bundesbank überrascht: Wachstum trotz Iran-Krieg

Krieg, teure Energie – und trotzdem wächst Deutschland? Warum Konsum und Industrie überraschen und was jetzt auf uns zukommt.

28.07.2026, 12:00 Uhr

Die deutsche Wirtschaft hat nach Einschätzung der Bundesbank im Frühjahr 2026 trotz der Folgen des Iran-Kriegs leicht zugelegt. Im Monatsbericht für Juli heißt es, das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt dürfte im zweiten Quartal 2026 nach saisonaler Bereinigung geringfügig gestiegen sein.

Eine erste offizielle Schätzung für den Zeitraum von April bis Juni 2026 will das Statistische Bundesamt an diesem Donnerstag (30.7.) vorlegen. In Fachkreisen wird im Vergleich zum Vorquartal mit einem Plus von 0,1 Prozent gerechnet.

Industrie zeigt sich robust

Nach Einschätzung der Bundesbank erweist sich vor allem die Industrie als stabil. Die Unternehmen profitierten von einer lebhafteren Nachfrage aus dem Ausland sowie von steigenden Exporten. Zudem könnten deutsche Ausführer davon profitiert haben, dass Konkurrenten im Ausland stärker unter Engpässen bei Vorprodukten litten.

Konsum bleibt weitgehend stabil

Auch die privaten Haushalte in Deutschland zeigten sich offenbar widerstandsfähig. Trotz höherer Energiepreise und der damit verbundenen Belastung der Kaufkraft hätten die Verbraucherinnen und Verbraucher ihre Ausgaben mindestens konstant gehalten, so die Analyse.

Inflation könnte wieder anziehen

Bei der Inflation rechnet die Bundesbank allerdings in den kommenden Monaten wieder mit etwas mehr Druck. Nachdem die Teuerungsrate im Juni auf 2,3 Prozent zurückgegangen war, dürfte sie erneut leicht steigen.

Als Gründe nennt die Bundesbank vor allem das Auslaufen des Tankrabatts Anfang Juli. Hinzu komme, dass sich die indirekten Folgen des jüngsten Energiepreisanstiegs nach und nach auch bei den Verbraucherpreisen bemerkbar machen dürften. Erfahrungsgemäß wirken sich höhere Energiekosten oft zeitverzögert auf den gesamten Warenkorb aus.

Staatliche Investitionen stützen die Konjunktur

Unterstützt wird die deutsche Wirtschaft zudem durch umfangreiche staatliche Investitionen in Straßen, Schienen und Verteidigung. Wie sich die Konjunktur weiter entwickelt, hängt nach Ansicht vieler Ökonomen jedoch maßgeblich davon ab, wie der Konflikt zwischen den USA und dem Iran weiter verläuft.

Ausblick auf das dritte Quartal

Für das dritte Quartal zeigt sich die Bundesbank vorsichtig. Sollte sich die Lage im Nahen Osten nicht weiter verschärfen, könnten die kriegsbedingten Belastungen geringer ausfallen als noch im Durchschnitt des zweiten Quartals.

Gleichzeitig könnten aber einige vorübergehend positive Impulse, die zuletzt noch geholfen haben, wegfallen oder sich ins Gegenteil verkehren. Unter dem Strich dürfte das Wirtschaftswachstum dann etwas schwächer ausfallen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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