Ukraine

Warum Kiew ohne Starlink und US-Daten kaum klarkommt

Ohne Starlink und US-Daten trifft Kiews Drohnenkrieg ins Mark Russlands. Doch plötzlich stockt beides – Zufall oder Druck aus Washington?

15.10.2026, 06:00 Uhr

Ukraine: Sorge vor weniger US-Hilfe bei Aufklärung und Starlink

Die Ukraine wird seit Beginn der großangelegten russischen Invasion im Jahr 2022 von westlichen Partnern mit Waffen, Finanzhilfen und geheimdienstlichen Erkenntnissen unterstützt. Besonders das Satelliteninternet Starlink erwies sich für die ukrainischen Streitkräfte als wichtig und machte den Dienst weltweit bekannt.

Inzwischen wächst jedoch die Sorge in Kiew, dass die Unterstützung aus den USA weiter eingeschränkt werden könnte. Neben geringeren Waffen- und Geldlieferungen steht nun auch die Weitergabe militärischer Aufklärungsdaten im Raum. Zudem berichten ukrainische Medien über neue Begrenzungen bei der Nutzung von Starlink.

Welche Informationen bekommt die Ukraine bislang von ihren Verbündeten?

Der genaue Umfang dieser Hilfe ist aus militärischen Gründen nicht öffentlich. Nach ukrainischen Angaben und Medienberichten erhält das Land unter anderem Satellitenbilder und weitere Hinweise zur Abwehr russischer Luftangriffe. Dazu zählen demnach Informationen über Vorbereitungen der russischen Luftwaffe, etwa Betankung, Bewaffnung und Start von Flugzeugen, ebenso wie Daten über Raketenstarts, Drohnenangriffe und mögliche Ziele.

Darüber hinaus sollen westliche Erkenntnisse auch für eigene ukrainische Angriffe wichtig sein. Genannt werden etwa Standorte russischer Flugabwehrsysteme, mögliche Routen zur Umgehung solcher Stellungen sowie Hinweise zu Truppenbewegungen, Munitionsdepots und Gefechtsständen. Solche Daten gelten als entscheidend für ukrainische Schläge gegen militärische und industrielle Ziele auch tief im russischen Hinterland.

Starlink-Antenne
Das Satelliteninternet des US-amerikanischen Anbieters SpaceX bildet bisher das Kommunikationsrückgrat der ukrainischen Armee. (Archivbild) Quelle: Christoph Soeder/dpa-ENR-Pool/dpa

Wofür nutzt die Ukraine Starlink?

Die ukrainische Armee verwendet Starlink seit Kriegsbeginn vor allem für die Kommunikation an der Front. Wo Infrastruktur zerstört ist oder Mobilfunknetze ausfallen, ermöglicht das System weiterhin schnelles Internet im Einsatzgebiet.

Mit dem zunehmenden Einsatz von See- und Luftdrohnen bekam Starlink noch mehr Bedeutung. Die Technik kann auch auf beweglichen Plattformen eine Verbindung herstellen. So lassen sich Videoaufnahmen nahezu in Echtzeit übertragen und Drohnen aus der Ferne steuern.

Was würde eine Drosselung des Dienstes bedeuten?

Ukrainischen Berichten zufolge soll SpaceX in der Nacht zum Mittwoch ohne Vorankündigung ein Tempolimit für Starlink-Terminals eingeführt haben. Demnach breche die Verbindung ab, wenn sich Fluggeräte schneller als 160 Kilometer pro Stunde bewegen. Andere Berichte nennen bereits niedrigere Schwellen von 110 bis 120 Stundenkilometern.

Sollte das zutreffen, hätte das erhebliche Folgen: Ukrainische Langstreckendrohnen erreichen teils Geschwindigkeiten von bis zu 300 Kilometern pro Stunde. Fällt die Verbindung oberhalb der Grenze weg, könnten sie nicht mehr laufend ferngesteuert werden und würden ihr Ziel womöglich verfehlen.

Gibt es Alternativen zu Starlink und zu US-Aufklärungsdaten?

Teilweise könnten auch andere Nato-Staaten wie Großbritannien oder Frankreich Informationen aus Satelliten und Frühwarnflugzeugen bereitstellen. Die Möglichkeiten der USA lassen sich damit jedoch nur begrenzt ersetzen.

Beim Satelliteninternet existieren in Europa zwar Alternativen. Unklar ist aber, ob diese unter Kriegsbedingungen dieselbe Reichweite, Stabilität und Datenleistung bieten wie Starlink. Ein flächendeckender Einsatz in der Ukraine wurde bislang offenbar nicht in vergleichbarer Größenordnung erprobt.

Wie reagiert Washington auf die Vorwürfe?

Aus Washington gab es dazu zunächst keine offizielle Stellungnahme. Eine Anfrage an das Weiße Haus blieb am Mittwoch unbeantwortet. SpaceX-Chef Elon Musk erklärte auf X, die Verantwortung liege in dieser Frage vollständig bei der US-Regierung.

Zuvor war bereits berichtet worden, die USA würden geheimdienstliche Informationen in geringerem Umfang als sonst mit der Ukraine teilen. US-Präsident Donald Trump wies diesen Vorwurf am Dienstag zurück.

Wie ist derzeit das Verhältnis zwischen Kiew und Washington?

Die Beziehungen zwischen Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj haben sich zuletzt deutlich verschlechtert. Trump forderte sogar offen, Selenskyj solle abgelöst werden. Zudem warf er ihm vor, sich einem Friedensabkommen zu verweigern und für hohe Dieselpreise mitverantwortlich zu sein. Letztere Entwicklung wurde jedoch vor allem mit dem Krieg im Iran in Verbindung gebracht.

Was hat sich politisch verändert?

Trump drängt Kiew seit geraumer Zeit zu weitreichenden Zugeständnissen gegenüber Russland, um ein Kriegsende zu erreichen. Mit Blick auf die Kongresswahlen am 3. November möchte er möglichst politische Erfolge vorweisen und seiner Republikanischen Partei Rückenwind verschaffen.

In diesem Zusammenhang berichtete die New York Times, bei Gesprächen zwischen einer ukrainischen Delegation und US-Vermittlern habe es eine indirekte Drohung aus den USA gegeben. Demnach forderte die amerikanische Seite, Angriffe auf Raffinerien einzustellen, und verwies dabei auf die für die ukrainischen Streitkräfte wichtige Versorgung mit Aufklärungsdaten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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