Eine russische Drohne hat das Hauptgebäude des ukrainischen Geheimdienstes SBU im Zentrum von Kiew getroffen. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte auf Telegram, das Fluggerät habe direkt auf das Arbeitszimmer von SBU-Chef Olexander Poklad in dem Gebäude gezielt.
Selenskyj wies den Geheimdienstchef nach eigenen Angaben an, auf den Angriff mit einer „spiegelbildlichen“ Reaktion zu antworten. In einem späteren Beitrag teilte der Präsident nach einem Gespräch mit Poklad mit, der geografische Rahmen für die Reaktion auf die russischen Angriffe sei bereits festgelegt worden. Der Zeitpunkt werde so gewählt, dass die gewünschten Ergebnisse sichergestellt seien.
Nach Angaben der Stadtverwaltung wurden bei der Attacke mindestens zwölf Menschen verletzt. Zudem seien das Dach und eine Außenwand des Gebäudes beschädigt worden. In sozialen Netzwerken verbreitete Bilder zeigten ein Einschlagloch an einer Fensteröffnung im zweiten Stock eines Seitenflügels.
Schäden auch außerhalb der Geheimdienstzentrale
Der SBU bestätigte die Schäden an seinem Gebäude. Diese würden nun repariert, teilte der Dienst mit. Zugleich kündigte der Geheimdienst eine harte Antwort an und sprach von weiteren Spezialoperationen, aufgedeckten Agentennetzen und vernichteten Feinden.
Folgen hatte der Angriff nach Angaben der Museumsverwaltung auch für die zum Unesco-Weltkulturerbe zählende Sophienkathedrale. In einem Verwaltungsgebäude aus dem 18. Jahrhundert seien Fensterscheiben zerborsten. Andere Gebäude des Museumskomplexes seien demnach nicht beschädigt worden.
Ukraine fordert Reaktion von Unesco und Partnern
Außenminister Andrij Sybiha bezeichnete den Angriff auf X auch wegen der Schäden im Umfeld des Weltkulturerbes als „erhebliche Eskalation“. Er forderte die Unesco auf, stärker zum Schutz des bedrohten ukrainischen Kulturerbes beizutragen.
Zugleich verwies Sybiha darauf, dass der Drohnenangriff in eine Phase neuer Bemühungen um die Wiederaufnahme von Friedensgesprächen unter Vermittlung der USA falle. Die internationalen Partner der Ukraine sollten die Attacke unmissverständlich verurteilen und den Druck auf das Putin-Regime erhöhen, schrieb er.
Unbestätigten Berichten zufolge planen der US-Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, eine Reise nach Moskau und anschließend nach Kiew. Dabei seien demnach Gespräche mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und Selenskyj vorgesehen.
Die Ukraine verteidigt sich seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Invasion aus Russland.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber