Politik

Nach Migrantenansturm: Jetzt kommt der König nach Ceuta

Nach 19 Jahren kehrt Spaniens König nach Ceuta zurück – warum sein Besuch nach der Grenzkrise jetzt so brisant ist.

13.10.2026, 14:33 Uhr

König Felipe VI. besucht Ceuta nach Migrationskrise

Rund zweieinhalb Monate nach dem außergewöhnlich starken Andrang von Migranten hat Spaniens König Felipe VI. die nordafrikanische Exklave Ceuta besucht. Gemeinsam mit Königin Letizia wollte er den knapp 85.000 Einwohnerinnen und Einwohnern den Rückhalt der Krone zusichern.

In einer Ansprache vor Vertreterinnen und Vertretern der Stadtgesellschaft betonte Felipe, Ceuta und die zweite spanische Nordafrika-Exklave Melilla seien ein unverzichtbarer Teil Spaniens. Die Souveränität und territoriale Integrität des Landes stünden nicht zur Verhandlung. Zugleich sprach sich der Monarch für gute nachbarschaftliche Beziehungen zu Marokko aus.

Mit Blick auf den Vorfall Ende Juli, als Schätzungen zufolge bis zu 80.000 Menschen aus Marokko nach Ceuta gelangten, hatte Felipe bereits zuvor von einer „inakzeptablen“ Verletzung der spanischen und europäischen Grenze gesprochen. Nun versprach er den Menschen in Ceuta: „Wir werden euch nicht allein und schutzlos lassen.“ Menschen, die irregulär nach Spanien einreisten, müssten nach seinen Worten so schnell wie möglich in ihre Herkunftsländer zurückkehren. Solange sie sich in Spanien aufhielten, müssten sie jedoch mit Würde und Menschlichkeit behandelt werden.

Königspaar in Ceuta frenetisch bejubelt

Bei der Ankunft des Königspaars versammelten sich laut dem staatlichen Fernsehsender RTVE tausende Menschen entlang der Straßen. Viele begrüßten Felipe und Letizia mit lautstarken Rufen wie „Felipe, Felipe!“ und „Viva España!“. Etwa 20 Minuten lang nahmen sich beide Zeit für Handschläge, während spanische Fahnen geschwenkt wurden. RTVE sprach von einem „historischen“ Besuch.

Ein Besuch eines spanischen Staatsoberhaupts in Ceuta und der benachbarten Exklave Melilla liegt fast 20 Jahre zurück. Zuletzt waren 2007 König Juan Carlos I. und Königin Sofía dort. Felipe und Letizia wollten nun erstmals auch in Ceuta übernachten – etwas, das es seit dem Ende der Franco-Diktatur Mitte der 1970er Jahre nicht gegeben hat. Für Mittwoch war zudem ein Besuch in Melilla geplant.

Lage in Ceuta inzwischen deutlich entspannter

Nach einem Empfang im Rathaus besuchten die Monarchen in Ceuta unter anderem eine Schule. Auf dem muslimischen Friedhof nahmen sie an einer interreligiösen Gedenkfeier für jene Menschen teil, die am 30. und 31. Juli beim Versuch starben, über das Meer nach Ceuta zu gelangen. Damals wurden Dutzende Leichen geborgen. Die Zahl der Todesopfer wird auf mindestens 140 geschätzt, Hilfsorganisationen gehen jedoch von deutlich mehr Opfern aus.

Seit dem Massenansturm hat sich die Lage in Ceuta merklich entspannt. Die letzten provisorischen Lager an den Stränden wurden aufgelöst, tausende Migranten halten sich inzwischen in einem vorübergehenden Aufnahmezentrum im Hafengebiet auf. Zuvor hatten zahlreiche Menschen wochenlang unter schwierigen Bedingungen im Freien gelebt. Nach Angaben der spanischen Regierung kehrte der Großteil der Ankommenden freiwillig nach Marokko zurück.

Ceuta und Melilla werden weiterhin von Marokko beansprucht. Die schwere Grenzkrise im Juli setzte die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez erheblich unter Druck und verschärfte die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Madrid und Rabat. Mit dem Besuch des Königspaars unterstreicht Spanien erneut seinen Anspruch auf beide Exklaven.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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