Ukraine

Schock über Kiew: Putins Raketenhagel

Raketenalarm über Kiew: Nächtliche Explosionen und Brände erschüttern die Stadt – wie heftig ist Russlands neue Angriffswelle?

19.07.2026, 01:34 Uhr

Nach schwerem Angriff auf Kiew: Ukraine meldet Gegenschläge gegen russische Ölanlagen

Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kiew nach ukrainischen Angaben mit Dutzenden ballistischen Raketen und zahlreichen Drohnen angegriffen und erneut schwere Zerstörungen verursacht. In der Nacht waren im Zentrum der Millionenstadt viele Explosionen zu hören, darunter auch Einsätze der Flugabwehr. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem der massivsten ballistischen Angriffe auf Kiew.

Nach seinen Angaben wurde in Kiew ein Mensch getötet, 16 weitere wurden verletzt. Außenminister Andrij Sybiha bezeichnete die Attacke als „brutalen Terror“ und erklärte, Russland habe gegen Kiew so viele ballistische Raketen eingesetzt wie noch nie seit Beginn des Krieges. Sowohl Selenskyj als auch Sybiha forderten den Westen zu schnelleren Lieferungen von Flugabwehrraketen auf.

Kiew: Mehr als 40 Raketen und 120 Drohnen

Selenskyj zufolge feuerte Russland mehr als 40 Raketen verschiedener Typen sowie 120 Angriffsdrohnen ab, die meisten davon in Richtung der Hauptstadt. Behörden meldeten zerstörte Häuser, beschädigte oder ausgebrannte Autos und Brände in mehreren Stadtteilen. Eine Metro-Station musste demnach den Betrieb einstellen.

Nach Angaben der ukrainischen Luftverteidigung wurden 23 Raketeneinschläge und 10 Drohnentreffer registriert, gleichzeitig sei ein großer Teil der angreifenden Flugkörper abgefangen worden. Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete ebenfalls von Einschlägen und Schäden in mehreren Bezirken.

Neu bekannt wurden weitere Folgen der Angriffe: Ein Hersteller von Schutzausrüstung für Soldaten teilte mit, seine Produktionsstätte in Kiew sei vollständig zerstört worden. Im Gebiet Kiew sei zudem eines der größten Logistikzentren des Landes vernichtet worden. In einem Vorort der ostukrainischen Stadt Charkiw wurden nach offiziellen Angaben drei Menschen getötet und 16 weitere verletzt.

Selenskyj: Raketenabwehr bleibt oberste Priorität

Die Ukraine verteidigt sich seit Jahren gegen die russische Invasion. Mit westlicher Hilfe, auch aus Deutschland, wurde die Luftabwehr ausgebaut. Zuletzt hatte Kiew jedoch erneut auf fehlende Lenkflugkörper für das Patriot-System hingewiesen, das vor allem gegen ballistische Raketen benötigt wird.

Selenskyj betonte, der Schutz vor ballistischen Raketen habe weiterhin höchste Priorität. Abfangraketen würden täglich gebraucht. In dieser Woche habe Russland insgesamt rund 1.450 Drohnen, mehr als 1.640 Gleitbomben sowie 99 Raketen und Marschflugkörper gegen die Ukraine eingesetzt.

Sybiha verlangte nach eigenen Worten „vernichtenden Druck“ auf Moskau, um den Terror zu beenden. Zugleich appellierte er an die EU-Staaten, das seit Wochen diskutierte 21. Sanktionspaket gegen Russland zu verabschieden. Kein Partnerland dürfe Flugabwehrraketen zurückhalten, mahnte er, weil die Ukrainer sonst mit ihrem Leben dafür zahlten.

Russland meldet Angriffe auf Logistikzentren und Hafeninfrastruktur

Das russische Verteidigungsministerium erklärte, in Kiew seien unter anderem ein großes Logistikzentrum der Post zur Lagerung von Bauteilen für Waffen sowie mehrere Betriebe zur Herstellung von Raketenkomponenten angegriffen worden. Im Gebiet Kiew sei außerdem ein Zentrum getroffen worden, in dem Teile für die Produktion weitreichender Drohnen gelagert und verteilt worden seien. Unabhängig überprüfen ließen sich diese Angaben zunächst nicht.

Nach russischer Darstellung wurde zudem erneut Hafeninfrastruktur im Süden am Schwarzen Meer attackiert. Im Raum Odessa seien Lager militärischer Güter und von den ukrainischen Streitkräften genutzte Treibstoffdepots beschossen worden. Die Ukraine veröffentlicht wie auch Russland in der Regel keine Details zu Schäden an militärisch genutzten Objekten.

Ukrainische Drohnen setzen russische Ölanlagen in Brand

Parallel zu den Angriffen auf die Ukraine meldete Kiew neue Drohnenschläge gegen Ziele in Russland. In der südrussischen Region Stawropol brachen nach Behörden- und Medienangaben mehrere Brände in Industrieanlagen aus. Gouverneur Wladimir Wladimirow bestätigte Feuer und Detonationen explosiver Stoffe, nannte jedoch keine betroffenen Objekte. Medien berichteten von drei brennenden Öldepots. Verletzte habe es nicht gegeben.

Auch im Schwarzmeerhafen Noworossijsk wurden erneut ukrainische Drohnenangriffe gemeldet. Das internationale Kaspische Pipeline-Konsortium teilte mit, ein Terminal sei während der Verladung von Öl auf zwei ausländische Tanker beschossen worden. Auf einem unter liberianischer Flagge fahrenden Schiff sei ein Feuer gelöscht worden. Verletzte habe es nicht gegeben, beide Schiffe seien weiter seetauglich. Das Konsortium sprach vom bereits fünften Angriff auf ein ziviles Objekt des Unternehmens.

Die Ukraine nimmt mit solchen Schlägen gezielt Anlagen der russischen Ölindustrie ins Visier, um auch die für Moskaus Kriegskasse wichtigen Energieexporte zu treffen.

Zusätzlich verwies die ukrainische Seite auf weitere Angriffe in Russland: Selenskyj bestätigte demnach auch Schläge auf Logistikzentren des großen russischen Onlinehändlers Wildberries. Nach russischen Behördenangaben starben dabei mindestens acht Mitarbeiter, mehr als 80 weitere Menschen wurden verletzt. In den Gebieten Tambow und Moskau kam es zu Großbränden in Lagern des Unternehmens.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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