Wirtschaft

VW-Krise: Was jetzt bei der Personalgewinnung droht

Sparkurs bei VW: Tausende bangen um ihre Zukunft – und ein Experte warnt schon vor der nächsten heiklen Folge.

15.09.2026, 07:34 Uhr

Ein verschärfter Sparkurs bei Volkswagen könnte nach Einschätzung des Wirtschaftspsychologen Uwe Kanning vor allem die Qualität künftiger Bewerbungen beeinträchtigen. Der Osnabrücker Experte sagte der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, vermutlich werde die Zahl der Bewerbungen nicht massiv einbrechen. Problematischer sei jedoch, dass sich bei einem angeschlagenen Arbeitgeberimage zunehmend weniger besonders leistungsstarke Kandidatinnen und Kandidaten angesprochen fühlten.

Zehntausende Jobs sollen wegfallen

Zuvor hatte sich der Aufsichtsrat von Volkswagen nach längeren Verhandlungen einstimmig auf einen sogenannten Zukunftsplan verständigt. Dieser sieht unter anderem vor, die jährliche Produktion auf neun Millionen Fahrzeuge zu reduzieren. Gleichzeitig soll die operative Umsatzrendite auf neun Prozent steigen. Der Vorstand um Konzernchef Oliver Blume erhielt damit den Auftrag, den Konzern umzubauen und Einsparungen in Milliardenhöhe umzusetzen.

In den kommenden Jahren sollen weltweit rund 50.000 Stellen abgebaut werden – zusätzlich zu bereits laufenden Kürzungsprogrammen. Besonders unter Druck stehen dabei die VW-Standorte Emden, Hannover und Zwickau sowie das Audi-Werk in Neckarsulm. Für diese Werke kann der Konzern nach aktuellem Stand keine wettbewerbsfähige Anschlussnutzung zusichern; betroffen sind Zeiträume ab 2031 bis 2034.

Kanning warnte, die Situation könne das Selbstwertgefühl vieler Beschäftigter belasten und zugleich neue Unsicherheit bei weiteren Betroffenen auslösen. Eine sofortige Schließung der Standorte ist allerdings zunächst nicht beschlossen worden. Stattdessen soll bis Mitte 2027 ein Konzept für eine wettbewerbsfähige Produktionsstruktur in Europa erarbeitet werden. Für die vier gefährdeten Standorte werden nach früheren Angaben parallel auch andere Nutzungsmöglichkeiten geprüft.

Transparenz sei für Beschäftigte besser als Hinhaltetaktik

Nach Ansicht des Experten kommen Beschäftigte mit offener Kommunikation besser zurecht als mit langem Taktieren. Transparenz und Ehrlichkeit seien meist hilfreicher als ein ständiges Hin und Her, das immer neue Enttäuschungen auslöse. Eine solche Unsicherheit schade am Ende auch der Glaubwürdigkeit des Arbeitgebers.

Gerade in traditionsreichen und angesehenen Unternehmen habe sich bei vielen Menschen über Jahre hinweg Stolz auf die eigene Zugehörigkeit entwickelt, so Kanning. Dieses positive Selbstbild gerate jedoch in Gefahr, wenn ein Konzern zunehmend als nicht mehr zukunftsfähig oder als rückständig wahrgenommen werde.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen