Bei einem russischen Luftangriff auf das ukrainische Dorf Komyschuwacha in der Region Saporischschja sind nach neuesten offiziellen Angaben des Zivilschutzes mindestens 24 Menschen getötet worden. Das teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf Telegram und der Plattform X mit.
Demnach ereignete sich der Angriff während der Ausgabe humanitärer Hilfe in einer Schule. Mindestens fünf Menschen wurden verletzt, zudem wird in den Trümmern weiter nach möglichen weiteren Opfern gesucht. Nach Angaben des regionalen Militärverwalters Mychajlo Semikin gelten außerdem 27 Menschen als vermisst.
Selenskyj sprach von einem gezielten Bombardement. Russland habe wissen müssen, dass die in Komyschuwacha verbliebenen Einwohner dort jede Woche humanitäre Hilfe erhalten, schrieb der Präsident. Mit Blick auf eine Hilfsaktion in Oleschky in der Vorwoche erklärte er, es habe kurzzeitig Hoffnung auf mögliche Schritte in Richtung Frieden gegeben. Die jetzigen Angriffe hätten jedoch das Gegenteil signalisiert. Russland setze auf weitere Tötungen, so Selenskyj. Er forderte eine weltweit „starke und harte“ Reaktion.
Nach seinen Angaben wurde die Siedlung mehrfach bombardiert. Insgesamt seien mehr als zehn Bomben abgeworfen worden. Eine davon habe direkt einen Luftschutzkeller getroffen.
Komyschuwacha liegt rund 25 Kilometer östlich von Saporischschja und etwas mehr als ein Dutzend Kilometer von der Front entfernt.
Region Saporischschja regelmäßig Ziel von Gleitbombenangriffen
Die frontnahe Region Saporischschja ist seit Monaten immer wieder Ziel schwerer russischer Angriffe, insbesondere aus der Luft. Mitte Oktober wurden bei einem Angriff auf die Großstadt Saporischschja 23 Menschen getötet, darunter vier Minderjährige. Auch damals erhob Selenskyj schwere Vorwürfe gegen Moskau.
Auch Lagergebäude in der Region wurden wiederholt mit ballistischen Raketen, Drohnen und Gleitbomben attackiert. Gerade Gleitbomben spielen eine wichtige Rolle: Sie werden von russischen Kampfflugzeugen aus großer Höhe und in sicherer Entfernung zur ukrainischen Flugabwehr abgeworfen und steuern per Satellitennavigation ins Ziel.
Die Ukraine verteidigt sich seit Februar 2022 gegen die großangelegte russische Invasion.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber