Politik

Steinmeier-Nachfolge: Setzt Merz jetzt auf eine Frau?

Merz legt sich fest: Nach Steinmeier soll eine Frau ins Schloss Bellevue – und er hat schon eine Kandidatin im Blick.

02.11.2026, 18:22 Uhr

Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich in der Debatte über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nun eindeutig festgelegt: Nach seinen Vorstellungen soll eine Frau das höchste Staatsamt übernehmen.

Bei einer nicht öffentlichen Konferenz der CDU-Kreisvorsitzenden in Berlin kündigte Merz nach Teilnehmerangaben an, der Partei eine gemeinsame Kandidatin aus der politischen Mitte vorzuschlagen. Damit gibt er in der Nachfolgedebatte erstmals klar die Richtung vor, nachdem er sich zuvor lange zurückgehalten hatte.

Erstmals könnte eine Frau ins höchste Staatsamt einziehen

In der Geschichte der Bundesrepublik gab es bislang noch nie eine Bundespräsidentin. Alle bisherigen Staatsoberhäupter waren Männer. Merz hatte bereits im August 2025 Sympathie für eine Frau an der Staatsspitze erkennen lassen, sich danach aber monatelang nicht festgelegt.

CDU pocht auf Vorschlagsrecht

Zugleich machte der Kanzler deutlich, dass er das Vorschlagsrecht bei der CDU als stärkster Kraft in der Bundesversammlung sieht. Das Gremium entscheidet am 30. Januar über die Nachfolge Steinmeiers.

Die CSU hat bereits die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner als mögliche Bundespräsidentin ins Spiel gebracht. Dafür gibt es nicht nur Unterstützung aus SPD und Grünen, sondern inzwischen auch Sympathien aus Teilen der CDU.

Mehrere Frauen im Gespräch

Neben Aigner werden aus der CDU unter anderem Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bildungsministerin Karin Prien, die frühere CDU-Vorsitzende und Ex-Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sowie die hessische Fraktionschefin Ines Claus als mögliche Kandidatinnen genannt.

Zuvor kursierten auch mehrere Männernamen, darunter Hessens Ministerpräsident Boris Rhein, der Präsident des Bundesverfassungsgerichts Stephan Harbarth und der frühere Gerichtspräsident Udo di Fabio. Nach der Festlegung von Merz gelten ihre Aussichten jedoch als deutlich gesunken.

Union und SPD haben rechnerisch die Mehrheit

In der Bundesversammlung verfügen Union und SPD gemeinsam über eine Mehrheit von rund 50 Stimmen. Das Wahlgremium besteht aus 630 Bundestagsabgeordneten und ebenso vielen Vertretern der Länder. Für eine tragfähige Mehrheit ist aus Sicht der Union aber eine Abstimmung mit der SPD entscheidend.

Merz will nun zunächst mit den CDU-Landesvorsitzenden und der CSU sprechen. Auch die Grünen sollen in die Kandidatensuche einbezogen werden. Eine Vorentscheidung könnte bereits am kommenden Montag in den CDU-Gremien fallen. Ziel ist zunächst ein gemeinsamer Vorschlag der Unionsparteien, der möglichst auch mit der SPD abgestimmt ist.

In der CDU gibt es auch Zuspruch für Aigner

Ob sich die CDU am Ende dem CSU-Vorschlag anschließt oder eine eigene Kandidatin durchsetzt, ist offen. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Landesverbände, vor allem in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Hessen.

Schon vor der Berliner Konferenz hatten einzelne CDU-Kreisvorsitzende offen Sympathie für Ilse Aigner erkennen lassen. Aus Oldenburg-Land hieß es, sie sei eine sehr geeignete Kandidatin für das Amt. Auch aus Dresden und Lüchow-Dannenberg kamen unterstützende Stimmen.

Kritik an Parteiführung, aber kein Aufstand

Die Präsidentenfrage war zwar eines der großen Themen der Konferenz, viele Kreisvorsitzende beschäftigten jedoch vor allem andere Punkte: Entlastungen für Bürger, mehr Einfluss der Parteibasis und die künftige Aufstellung der CDU als Volkspartei.

Teilnehmer berichteten von spürbarer Kritik an der Parteiführung. Zu einem offenen Aufstand gegen Merz kam es aber nicht. Forderungen, das Amt des Parteivorsitzenden von der Kanzlerschaft zu trennen, blieben Einzelstimmen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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