Ukraine

Russland feuert auf Ukraines Tankstellen

Nach Ukraines Drohnenangriffen geht Russland der Sprit aus – jetzt schlägt Moskau zurück und nimmt Kiews Treibstoff ins Visier.

01.07.2026, 08:03 Uhr

Ukraine greift Rüstungsziele in Russland an – Moskau attackiert Tankstellen und Cherson

Die Ukraine setzt Russland mit Angriffen auf militärisch wichtige Ziele weiter unter Druck. Am frühen Morgen trafen ukrainische Drohnen nach ukrainischen Angaben ein Institut für Elektromechanik in der russischen Stadt Pensa. Die Gebietsverwaltung bestätigte den Angriff, machte zunächst aber keine Angaben zu möglichen Schäden.

Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, Ziel sei ein Institut gewesen, das Bauteile für Raketen entwickle und produziere. Pensa liegt südöstlich von Moskau und rund 500 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.

Selenskyj berichtete zudem von einem weiteren Angriff auf die Raffinerie von Ufa im Ural, etwa 1.300 Kilometer von der Ukraine entfernt. Nach ukrainischen Angaben wurden in den vergangenen Tagen außerdem zweimal ein Zentrum für Satellitenkommunikation in Dubna bei Moskau sowie ein Raketenzulieferer in Woronesch attackiert.

Wichtige Straßenbrücke im besetzten Gebiet zerstört

Im russisch besetzten Teil der Ostukraine zerstörte die ukrainische Armee nach Angaben des Generalstabs eine Brücke an der wichtigen Fernstraße zwischen Donezk und Mariupol. Fotos in sozialen Netzwerken zeigten Trümmer des Bauwerks in einem Flusstal gut 20 Kilometer nördlich der Hafenstadt Mariupol.

Das ukrainische Militär greift seit Wochen gezielt Brücken in den besetzten Gebieten an, um die Nachschubwege und Logistik der russischen Armee zu stören.

Russland verstärkt Angriffe auf ukrainische Tankstellen

Russland setzte seine Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung fort. Im Gebiet Dnipropetrowsk wurden nach regionalen Angaben fünf Tankstellen bei Luftangriffen beschädigt. Bereits in der Nacht zuvor waren Attacken auf Tankstellen im nördlichen Gebiet Sumy gemeldet worden.

Der Branchendienst Naftorynok zählt seit April mehr als 140 solcher Angriffe. Sie gelten als mögliche Reaktion auf die wachsende Treibstoffkrise in Russland. Zunächst auf der besetzten Krim, inzwischen aber auch in anderen Regionen, ist Benzin knapp geworden. Hintergrund sind ukrainische Treffer auf Raffinerien und Versorgungswege. Nach Angaben des Kreml spricht Russland deshalb sogar über mögliche Treibstoffimporte – obwohl das Land zu den größten Ölexporteuren gehört.

Tote und Verletzte bei Drohnenangriff in Cherson

In der südukrainischen Stadt Cherson kamen bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Sammeltaxi nach Angaben von Gouverneur Olexander Prokudin zwei Menschen ums Leben. Neun weitere wurden verletzt. Cherson liegt am Fluss Dnipro, der dort zugleich die Frontlinie zwischen ukrainischen und russischen Truppen markiert.

Experten streiten über strategische Wirkung

Ob die verstärkten ukrainischen Drohnenangriffe bereits eine Wende in dem seit mehr als vier Jahren andauernden russischen Angriffskrieg markieren, ist unter Fachleuten umstritten. Der deutsche Militärexperte Carlo Masala äußerte sich bei einem Besuch in Südkorea zurückhaltend.

Er sagte, es sei noch offen, ob daraus tatsächlich strategische Erfolge entstünden. Viel werde davon abhängen, ob die Ukraine in der Lage sei, diesen Druck dauerhaft aufrechtzuerhalten. Gelinge das, könne sie den russischen Truppen auf der Krim das Leben deutlich erschweren. Für eine Rückeroberung der besetzten Halbinsel fehle Kiew jedoch das nötige Personal. Zugleich rückten russische Truppen im Donbass weiter vor.

Auswärtiges Amt verschärft Reisewarnung für Russland

Wegen ukrainischer Drohnenangriffe tief im russischen Hinterland hat das Auswärtige Amt seine Reisewarnung ausgeweitet. Nun wird vor Reisen nach ganz Russland gewarnt, nachdem dies zuvor vor allem für die an die Ukraine grenzenden Regionen gegolten hatte.

Zur Begründung heißt es, im gesamten Land bestehe eine erhebliche Gefahr durch Drohnen oder herabfallende Trümmerteile. Das gelte auch für Moskau, St. Petersburg und deren Umland. Für deutsche Staatsangehörige und deutsch-russische Doppelstaatler bestehe zudem das Risiko willkürlicher Festnahmen.

Russland führt seit mehr als vier Jahren einen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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