Russland hat seine Luftangriffe auf Kiew nach einer kurzen Unterbrechung während des Aufenthalts von Unterhändlern aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump in der Ukraine wieder aufgenommen. In der Nacht kam es in der ukrainischen Hauptstadt zu mehreren Explosionen. Nach Berichten örtlicher Medien wurden bei Raketen- und Drohnenangriffen Wohnhäuser, Lagerhallen, eine Schule und zahlreiche Fahrzeuge beschädigt. Der Zivilschutz meldete zwei Tote und zehn Verletzte.
Auch in anderen ukrainischen Regionen, darunter Gebiete weit entfernt von der Front, wurde Luftalarm ausgelöst. In Polen versetzte das Militär nach eigenen Angaben die Luftabwehr in erhöhte Bereitschaft. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach am Morgen von schweren Schäden an Wohngebäuden und weiterer ziviler Infrastruktur in Kiew. Zudem sei in der Region kritische Infrastruktur getroffen worden. Im Gebiet Odessa sei ein gewöhnlicher Markt attackiert worden, in Charkiw habe es zwei Verletzte gegeben.
Selenskyj fordert bessere Abwehr gegen ballistische Raketen
Selenskyj bezeichnete den Angriff als vielschichtig: Russland habe ballistische Raketen, Anti-Schiffs-Raketen, Marschflugkörper und Drohnen eingesetzt. Nach seinen Angaben konnte die ukrainische Luftwaffe 175 Flugkörper abfangen, jedoch nicht alle. Er verwies erneut darauf, dass der Ukraine Mittel zur Abwehr ballistischer Raketen fehlen. Wegen ihrer hohen Geschwindigkeit seien diese besonders schwer zu stoppen. Kiew spreche darüber mit seinen Partnern und wolle auch weitere Gespräche über das Raketenabwehrprojekt Freyja führen.
Auch aus Russland wurden Angriffe gemeldet. Im Gebiet Saratow, rund 500 Kilometer östlich der ukrainischen Grenze, seien laut Gouverneur Roman Bussargin bei ukrainischen Drohnenattacken zehn Menschen verletzt worden, darunter drei Minderjährige. Mehrere Häuser seien beschädigt worden. Im grenznahen Gebiet Brjansk teilte der amtierende Gouverneur Jegor Kowaltschuk mit, in Starodub sei ein Mann bei einem ukrainischen Angriff getötet und drei weitere Menschen verletzt worden. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben beider Seiten zunächst nicht.
Vorübergehende Ruhe während des Besuchs aus den USA
Am Wochenende hatten Trumps Sondergesandter Steve Witkoff und dessen Schwiegersohn Jared Kushner erneut Moskau und anschließend erstmals auch Kiew besucht. Dort führten sie Gespräche mit Russlands Präsident Wladimir Putin und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj über mögliche Wege zu einem Ende des Krieges, den Russland mit dem Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 begonnen hatte. Konkrete Ergebnisse wurden nicht bekannt.
Beide Kriegsparteien hatten sich demnach bereit erklärt, während des Aufenthalts der US-Vertreter auf Luftangriffe gegen die jeweiligen Hauptstädte zu verzichten.
In den Wochen vor der Ankunft von Witkoff und Kushner in Kiew hatte Russland seine Angriffe mit Drohnen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen deutlich verstärkt. Die ukrainischen Streitkräfte setzten ihrerseits vor allem auf schnelle Langstreckendrohnen, teilweise auch auf Marschflugkörper.
Im Abwehrkampf gegen die russische Invasion und die anhaltenden Luftangriffe bleibt die Ukraine weiter auf Unterstützung westlicher Staaten angewiesen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber