Politik

Tusk: Sabotage? Zwei Männer in Deutschland gefasst

Brand auf Starlink-Station in Polen: Warschau spricht von Sabotage – jetzt gelang in Deutschland ein überraschender Zugriff.

13.10.2026, 07:16 Uhr

Nach Brandanschlag auf Starlink-Station in Polen: Zwei Verdächtige in Nürtingen in Haft

Nach dem Brandanschlag auf eine Starlink-Bodenstation in Polen sind in Deutschland zwei mutmaßliche Täter festgenommen worden und sitzen nun in Haft. Die Männer wurden in Nürtingen bei Stuttgart gefasst. Die polnische Regierung geht davon aus, dass russische Geheimdienste hinter der Tat stehen.

Polens Ministerpräsident Donald Tusk erklärte auf X, die deutsche Polizei habe auf Ersuchen polnischer Geheimdienste zwei türkische Staatsbürger festgenommen. Sie stehen im Verdacht, die Starlink-Station in der Woiwodschaft Masowien in Brand gesetzt zu haben. Nach Tusks Worten sollen sie sich vor der polnischen Justiz verantworten.

Festnahmen in Nürtingen bestätigt

Das Landeskriminalamt Stuttgart bestätigte die Festnahme der beiden türkischen Staatsangehörigen in der Bahnhofstraße in Nürtingen. Der Zugriff erfolgte durch Spezialkräfte des Mobilen Einsatzkommandos (MEK).

Inzwischen wurden die beiden Männer dem Ermittlungsrichter am Amtsgericht Nürtingen vorgeführt. Dort wurde der europäische Haftbefehl eröffnet und Haft angeordnet. Über Anträge an die zuständigen Oberlandesgerichte, die anschließend über eine mögliche Auslieferung entscheiden, befinden nun die Generalstaatsanwaltschaften Stuttgart und Koblenz.

Weitere Verdächtige und Durchsuchungen

Nach einem Bericht der Bild wurde in Berlin-Spandau außerdem ein weiterer Verdächtiger festgesetzt, der den beiden Männern möglicherweise als Fahrer gedient haben könnte. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft wurde diese Person jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt.

Die Schwäbische Zeitung berichtet zudem über die Festnahme einer Frau in Karlsruhe, der Kontakte zur organisierten Kriminalität nachgesagt werden. Offiziell bestätigt wurde das bislang nicht.

Neu ist zudem, dass nach Angaben des baden-württembergischen Innenministers Manuel Hagel in dem Zusammenhang drei Wohnungen durchsucht wurden, zwei davon in Baden-Württemberg. Hagel forderte angesichts des Falls, die Sicherheitsarchitektur auszubauen und aus einem "Dornröschenschlaf" aufzuwachen. Die Verfassungsschutzbehörden der Länder müssten zu "echten Abwehrdiensten" werden.

Brand in Wola Krobowska als mutmaßlicher Sabotageakt

Der Brand war am 23. September in einem Terminal des Satelliteninternetdienstes Starlink in Wola Krobowska ausgebrochen, rund 50 Kilometer südlich von Warschau. Die polnische Regierung sprach kurz darauf von einem wahrscheinlichen Sabotageakt gegen die Anlage, die auch für die Stabilität des Internetbetriebs in der Ukraine wichtig ist. Beschädigt wurden nach polnischen Angaben die Stromversorgungsstation und ein Generator.

Nach Informationen der Schwäbischen Zeitung sollen die beiden Männer zur Anlage gefahren worden sein, dort Brandbeschleuniger auf einen Schaltschrank gegossen haben und kurz darauf wieder verschwunden sein. Demnach hielten sie sich nur wenige Minuten auf dem Gelände auf. Die Zeitung nennt die Verdächtigen als 34 und 38 Jahre alt. Zudem sollen sie auf dem Weg zum Anschlagsziel und bei der Rückkehr nach Deutschland über Tage observiert worden sein.

Starlink für die Ukraine strategisch wichtig

Das Satellitennetz Starlink des Raumfahrtunternehmens SpaceX liefert Internet auch dort, wo Mobilfunkmasten und Datenleitungen fehlen oder zerstört sind. Für die Ukraine ist das System deshalb von großer Bedeutung: Es hält Menschen im Kriegsgebiet online und ermöglicht den Streitkräften, Informationen auszutauschen, Einsätze zu koordinieren und Operationen zu unterstützen.

Außenminister Johann Wadephul mahnte bei einem Sicherheitsforum in Warschau eine noch engere europäische Zusammenarbeit gegen solche Angriffe an. Europa stehe im Fadenkreuz Russlands, sagte der CDU-Politiker. Solche Attacken träfen nicht nur die Ukraine, sondern seien in ganz Europa sichtbar.

Auch der Grünen-Innenpolitiker Konstantin von Notz verlangte eine engere Zusammenarbeit der europäischen Nachrichtendienste. Solche Angriffe würden immer wieder mithilfe von Strukturen der organisierten Kriminalität vorbereitet oder ausgeführt, sagte er der Schwäbischen Zeitung.

Polen sieht russische Geheimdienste hinter dem Anschlag

Polnische Behörden gehen davon aus, dass russische Geheimdienste hinter der Tat stehen. Innenminister Marcin Kierwinski kündigte an, den Festgenommenen nach ihrer Überstellung nach Polen Sabotage sowie eine Tätigkeit im Auftrag eines ausländischen Geheimdienstes vorzuwerfen.

Geheimdienstkoordinator Tomasz Siemoniak sagte, aus polnischer Sicht gebe es "keinerlei Zweifel", dass russische Dienste hinter dem Anschlag stünden. Diese würden zunehmend auf Personen mit Verbindungen ins kriminelle Milieu zurückgreifen.

Polens Polizeichef Marek Boron erklärte, die Ermittler hätten sowohl die Vorbereitung des Anschlags als auch die Flucht der Täter vom Tatort rekonstruiert. Gesichert worden seien Aufzeichnungen, Fingerabdrücke und DNA-Spuren. Zudem lägen Informationen darüber vor, wie sich die Verdächtigen bewegten, wann sie nach Polen einreisten und wann sie das Land wieder per Flug verließen.

Nach Borons Angaben besitzt einer der Tatverdächtigen die türkische Staatsangehörigkeit und lebt in Deutschland. Der andere Festgenommene ist ebenfalls türkischer Staatsbürger; gegen ihn liegt demnach in Deutschland eine Abschiebungsanordnung vor. Die polnischen Behörden hoffen nun auf eine schnelle Überstellung beider Männer.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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