Politik

Trump droht Medien: «Ohne mich seid ihr pleite»

Trump spielt mit der Presse Katz und Maus: Beim Gala-Dinner lobt er sie – und erklärt dann, warum sie ihm dankbar sein sollte.

25.07.2026, 06:08 Uhr

Trump nutzt Gala-Rede für Attacken auf die Medien

Bei seiner ersten tatsächlich gehaltenen Rede beim traditionellen Gala-Dinner der Hauptstadtpresse hat US-Präsident Donald Trump vor allem die Medien scharf attackiert. Zwar erkannte der Republikaner stellenweise auch die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten an, zugleich warf er vielen Redaktionen aber vor, "Fake News" zu verbreiten.

Vor den Gästen in einem Hotel in Washington sagte Trump außerdem, zahlreiche Medienunternehmen profitierten wirtschaftlich von ihm. Wörtlich erklärte er sinngemäß: Wenn er weg sei, seien sie alle pleite. Dann sei auch das Geschäftsmodell der US-Medien am Ende.

Trump legte nach und meinte, es gebe dann niemanden mehr, über den es sich zu berichten lohne. Niemand interessiere sich für irgendjemand anderen. Die Presse könne sich glücklich schätzen, weil er fortwährend Schlagzeilen liefere, argumentierte er. Zugleich schob er nach, ihm lägen die Medien sehr am Herzen.

Der Präsident ist seit langem für seine oft beißende Kritik an US-Medien bekannt. Wiederholt ist er auch juristisch gegen ihm unliebsame Berichte vorgegangen. Immer wieder bezeichnet er Medien zudem als "Feinde des Volkes".

Rede mit Abschweifungen und Eigenlob

In seiner Ansprache sprang Trump immer wieder zwischen verschiedenen Themen hin und her. Er lobte sich selbst und die Arbeit seines Kabinetts, sprach ausführlich über den von ihm geplanten Ballsaal am Weißen Haus und äußerte sich begeistert über die im Juni zu seinem 80. Geburtstag veranstalteten martialischen Käfigkämpfe.

Zwischendurch erklärte er zudem, der Iran dürfe niemals eine Atomwaffe besitzen. Außerdem setzte Trump eine rote Kappe mit der Aufschrift "Trump 2028" auf. Der Republikaner kokettiert seit Längerem damit, zu einer dritten Amtszeit gedrängt zu werden – auch wenn das nach der US-Verfassung nicht möglich ist. In seiner Rede kommentierte er zudem das Aussehen von Journalistinnen im Saal.

Veranstaltung nach Schussvorfall nachgeholt

Das Gala-Dinner fand diesmal unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt. Der Abend war ein Nachholtermin, weil Trump seine Rede dort vor rund einem Vierteljahr wegen eines Schussvorfalls nicht halten konnte.

Damals hatte ein bewaffneter Mann eine Sicherheitsschleuse durchbrochen. Zwar gelangte er nicht in den Ballsaal, in dem sich Trump befand, dennoch fielen Schüsse. Ein Beamter der Sicherheitsbehörden wurde getroffen. Trump und weitere Ehrengäste wurden anschließend von ihren Personenschützern in Sicherheit gebracht. Das ursprünglich in einem anderen Hotel in Washington geplante Dinner wurde daraufhin abgebrochen.

Bei jenem Termin hatte Trump erstmals als US-Präsident an dem Gala-Dinner teilgenommen. Zuvor hatte er die Veranstaltung der White House Correspondents‘ Association in seiner Präsidentschaft stets boykottiert.

Verstärkte Sicherheitsmaßnahmen beim Nachholtermin

Die verschärften Sicherheitsvorkehrungen waren an mehreren Stellen sichtbar. Beim Einlass mussten Journalistinnen und Journalisten diesmal zusätzlich zu ihrem Ausweis einen personalisierten QR-Code vorzeigen, statt nur mit einer Papiereintrittskarte Zutritt zu erhalten. Vor und in dem Hotel waren außerdem mehr Polizisten im Einsatz.

Um in den Ballsaal zu gelangen, mussten die Gäste erneut durch eine Sicherheitsschleuse mit Metalldetektoren, wie man sie auch von Flughäfen kennt.

Tatverdächtiger angeklagt, verletzter Beamter geehrt

Inzwischen ist der mutmaßliche Täter unter anderem wegen versuchter Ermordung des Präsidenten angeklagt. Ihm wird außerdem vorgeworfen, einen Bundesbeamten mit einer tödlichen Waffe angegriffen zu haben. Vor Gericht ließ der Angeklagte im Mai über seinen Verteidiger die Vorwürfe zurückweisen.

Bei dem Nachholtermin wurde neben Journalistinnen und Journalisten auch der Sicherheitsbeamte geehrt, der im April angeschossen worden war. Nach Angaben der scheidenden Vorsitzenden der Journalistenvereinigung, Weijia Jiang, trug sein entschlossenes Eingreifen dazu bei, den Angreifer am weiteren Vordringen zu hindern.

Traditioneller Festabend der Hauptstadtpresse

Die jährliche Veranstaltung wird von der Vereinigung jener Journalistinnen und Journalisten organisiert, die in Washington über die Politik der US-Regierung berichten. Zu dem Festabend werden regelmäßig Vertreter des Weißen Hauses sowie weitere prominente Gäste eingeladen. Die Organisation der im Weißen Haus akkreditierten Korrespondenten richtet das Dinner seit mehr als 100 Jahren aus.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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