Politik

Studie zeigt: So teuer wird das Klimaziel wirklich

6.000 Milliarden fürs Klima? Die Summe klingt gigantisch – doch eine Studie zeigt, warum Deutschlands Rechnung kleiner ausfällt.

12.10.2026, 11:30 Uhr

Deutschland müsste nach einer Studie bis 2045 rund 6.000 Milliarden Euro in den klimaneutralen Umbau investieren. Zu diesem Ergebnis kommt das Forschungsinstitut Prognos in einer Untersuchung im Auftrag der KfW. Damit müssten die bisherigen Investitionen mehr als verdoppelt werden. Der größte Teil der Summe wäre demnach von privaten Haushalten und Unternehmen zu tragen, während auf den Staat nur etwa 12 Prozent entfielen.

Nicht alle Ausgaben entstehen zusätzlich

Die hohe Summe bedeutet allerdings nicht, dass sie komplett nur wegen des Klimaschutzes anfällt. Laut Studie wäre nämlich nur knapp die Hälfte dieser Investitionen tatsächlich zusätzlich nötig. Auch bei einem Festhalten an Kohle, Öl und Gas wären weiterhin erhebliche Ausgaben erforderlich.

KfW-Chef Stefan Wintels betonte, dass sich der Betrag dadurch relativiere. Von den insgesamt notwendigen Investitionen von etwa 290 Milliarden Euro pro Jahr blieben demnach netto rund 145 Milliarden Euro jährlich übrig, die direkt auf den klimafreundlichen Umbau zurückzuführen wären.

Deutschland hat gesetzlich festgelegt, bis 2045 klimaneutral zu werden. Dann sollen nicht mehr Treibhausgase ausgestoßen werden, als wieder gebunden oder gespeichert werden können.

Verkehr verschlingt den größten Anteil

Besonders teuer wird laut Studie der Umbau im Verkehrssektor. Fast die Hälfte der gesamten Investitionen entfällt auf diesen Bereich. Vor allem der Ersatz herkömmlicher Autos durch Fahrzeuge mit klimafreundlicheren Antrieben spielt dabei eine zentrale Rolle.

Allerdings würden auch ohne Klimapolitik weiterhin Fahrzeuge angeschafft. Weil zudem der Preisabstand zwischen Elektroautos und Verbrennern sinkt, wäre der zusätzliche Finanzbedarf netto deutlich kleiner: Die Investitionen müssten hier nur um knapp ein Fünftel steigen.

Große Herausforderungen im Energiesystem

Etwa ein Viertel der Gesamtsumme betrifft den Energiesektor. Hier fällt der tatsächliche Mehrbedarf besonders hoch aus, weil das gesamte System an die stärkere Nutzung von Wind- und Solarstrom angepasst werden müsste. Vor allem der Ausbau und die Modernisierung der Stromnetze erfordern hohe Summen. In diesem Bereich ist auch der staatliche Finanzierungsanteil vergleichsweise groß.

Gebäude mit hohem Zusatzbedarf

Rund ein Fünftel der Investitionen entfällt auf den Gebäudesektor, insbesondere auf Wohnhäuser. Dort entstehen laut Studie die meisten zusätzlichen Kosten, die ohne mehr Klimaschutz nicht notwendig wären.

Industrie insgesamt geringer betroffen, einzelne Firmen aber stark belastet

Auf die Industrie entfällt zwar nur knapp ein Zehntel der erforderlichen Investitionen, dennoch sehen die Autoren erhebliche Belastungen auf manche Unternehmen zukommen. Betroffen seien vor allem wenige, aber sehr energieintensive Betriebe.

Dort gehe es oft nicht nur um neue Maschinen, sondern auch um tiefgreifende Änderungen bei Produktionsprozessen und Geschäftsmodellen. Einzelne Unternehmen müssten sehr hohe Beträge in neue Anlagen investieren. Hinzu kommt, dass viele dieser Firmen im internationalen Wettbewerb stehen und steigende Kosten nicht ohne Weiteres über höhere Preise weitergeben können. Auch der Verzicht auf fossile Energien könnte die Produktion verteuern.

Klimaschutz kann langfristig Geld sparen

Die Studie verweist jedoch auch auf finanzielle Vorteile. Der geringere Einsatz fossiler Brennstoffe könne Kosten senken und Abhängigkeiten reduzieren. Zuletzt importierte Deutschland fossile Energieträger im Wert von durchschnittlich rund 81 Milliarden Euro pro Jahr. Dieses Geld fließt dauerhaft ins Ausland ab, während die Preise stark von Faktoren abhängen, die Deutschland kaum beeinflussen kann.

Zusätzlich drohen Kosten, falls Deutschland mehr Treibhausgase ausstößt, als im Rahmen der EU-Vorgaben erlaubt ist.

Klimafreundliche Technologien wie Wärmepumpen und Elektroautos arbeiten zudem wesentlich effizienter als fossile Alternativen. Zusammen mit Energiesparmaßnahmen könnte der Energieverbrauch laut Studie bis 2045 – je nach Szenario – um 26 bis 35 Prozent sinken. Auch die wirtschaftlichen Schäden durch den Klimawandel selbst spielten eine Rolle, wie etwa heiße Sommer und deren Folgen zeigen.

Neue Chancen für die Wirtschaft

Neben den Kosten sieht die Studie auch Wachstumschancen. Der weltweite Markt für saubere Technologien sei zuletzt jährlich um 9,6 Prozent gewachsen und könnte sich damit in weniger als zehn Jahren verdoppeln. Deutschlands Ausgangslage sei mit einem Anteil von 13 Prozent am globalen Exportvolumen in diesem Bereich weiterhin günstig.

Die Untersuchung betrachtet den Zeitraum von 2025 bis 2045. Hintergrund ist, dass für 2024 die letzten gesicherten Investitionsdaten vorlagen. Prognos arbeitete dabei mit mehreren Szenarien; die genannten Werte stellen Durchschnittswerte dar.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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