Sechs Bundesländer setzen auf offene Bildungsplattform ohne US-Software
Sechs deutsche Bundesländer wollen ihre digitale Unabhängigkeit im Bildungsbereich stärken und haben dafür einen gemeinsamen Rahmenvertrag für eine Open-Source-Plattform geschlossen. Beteiligt sind Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Die Lösung soll ohne Produkte großer US-Konzerne wie Microsoft oder Google auskommen.
Wie am Rande des Digital-Gipfels der Bundesregierung in Berlin mitgeteilt wurde, basiert die technische Grundlage auf Software des Stuttgarter Unternehmens Nextcloud. Die notwendige Infrastruktur liefert der Berliner Hosting-Anbieter Ionos.
Die Beschaffung läuft über die Genossenschaft Govdigital eG. Dadurch können die beteiligten Länder die Plattform nutzen, ohne jeweils neue Ausschreibungen starten zu müssen. Govdigital gilt als zentrales Kooperationsnetz öffentlicher IT-Dienstleister in Deutschland.
Weniger Abhängigkeit von US-Konzernen
Mit dem Vorhaben wollen die Länder ihre Abhängigkeit von amerikanischen Technologiefirmen verringern. Gerade an Schulen spielt das eine wichtige Rolle, weil Schülerinnen und Schüler dort früh an digitale Werkzeuge herangeführt werden. Fachleute warnen seit längerem davor, dass dadurch eine dauerhafte Bindung an proprietäre Systeme entstehen kann.
Die neue Plattform soll deshalb eine datenschutzkonforme Alternative bieten. Sie ist auf die Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung ausgelegt und soll zugleich besser vor Zugriffen durch US-Behörden schützen, wie sie etwa durch den US Cloud Act möglich sind.
Nextcloud-Gründer und -Chef Frank Karlitschek bezeichnete die Vereinbarung als wichtige strategische Entscheidung. Aus seiner Sicht kommt dem öffentlichen Sektor eine Schlüsselrolle zu, wenn europäische Softwarelösungen gestärkt werden sollen. Gegenüber der dpa sagte er, Europa brauche eigene starke Anbieter, um digitale Souveränität zu erreichen und die heimische Softwarebranche auszubauen. Der Staat könne dabei als sichtbarer Ankerkunde wirken, der mit seiner Nachfrage solche Alternativen überhaupt erst groß mache. Fördergelder seien dafür aus seiner Sicht weniger entscheidend als verlässliche Großkunden.
Perspektive über den Schulbereich hinaus
Während die sechs Länder nun gemeinsam starten, gibt es bereits einzelne Vorreiter. Schleswig-Holstein setzt nach eigenen Angaben seit rund zwei Jahren auf Nextcloud und ist deshalb nicht Teil des neuen Vergabepakets.
Die Plattform soll Schulen zahlreiche Funktionen bereitstellen, darunter Dateiaustausch, Chat, Videokonferenzen, E-Mail, Kalender und Office-Anwendungen. Langfristig ist das Projekt jedoch nicht nur für den Bildungsbereich gedacht. Es soll auch als Blaupause für den gesamten öffentlichen Dienst und perspektivisch für Unternehmen in der Privatwirtschaft dienen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber