Nach 28 Jahren zurück in Hull: Karl Bushby muss sich erst an das Ankommen gewöhnen
Fast drei Jahrzehnte war Karl Bushby unterwegs, legte Tausende Kilometer ohne Motorhilfe zurück und durchquerte auf seiner Reise sogar Meeresabschnitte. Nun ist der 57-jährige Brite wieder in seiner Heimatstadt Hull angekommen – und steht vor einer ganz neuen Herausforderung: dem Alltag.
Gegenüber der dpa sagte Bushby, er müsse das Erlebte erst noch verarbeiten. Derzeit gehe alles sehr schnell, weshalb er stark eingespannt sei. Doch auf Dauer werde das nicht so bleiben – und genau daran müsse er sich erst gewöhnen.
Bushby war 28 Jahre lang durch zahlreiche Länder gereist, ausschließlich zu Fuß oder schwimmend. Seine Expedition begann am 1. November 1998 in Punta Arenas im Süden Chiles. Mit dabei: ein zweirädriger Gepäckwagen mit dem Namen "The Beast" und lediglich 500 US-Dollar Startkapital.
Auf die Rückkehr nach so langer Zeit könne man sich nur begrenzt vorbereiten, erklärte Bushby. Gerade die letzten Tage seiner Reise seien auch von Wehmut geprägt gewesen. Vieles, was über Jahre selbstverständlich gewesen sei, habe er zum letzten Mal getan – die letzte Nacht im Zelt, der letzte lange Fußmarsch an einem Herbsttag, das letzte Packen seiner Ausrüstung. Man lasse damit gewissermaßen ein ganzes Leben hinter sich, sagte er. Es fühle sich ein wenig an wie der Eintritt in den Ruhestand.
Emotionaler Empfang in der Heimat
Am Montag wurde Bushby nach rund 50.000 Kilometern Weltreise in Hull mit Jubel und Tränen empfangen. Vor dem Rathaus hatten sich zahlreiche Menschen versammelt, um ihn willkommen zu heißen. Bushby zeigte sich überwältigt von der großen Anteilnahme.

Besonders bewegend wurde es, als er kurz darauf seine Mutter Angela vor dem Haus umarmte, in dem er aufgewachsen ist. Beide waren sichtlich gerührt, Tränen flossen, und Bushby hielt seine Mutter minutenlang im Arm.
Angela sagte der dpa, es sei fantastisch, ihren Sohn endlich wieder zu Hause zu haben. Nun könne sie nachts wieder ruhiger schlafen. Während seiner Reise habe ihr Blutdruck immer wieder verrücktgespielt. Am schlimmsten sei die Überquerung der Beringstraße im Jahr 2006 gewesen – jener eisigen und gefährlichen Meerenge zwischen Asien und Amerika. Damals sei ihr Blutdruck regelrecht in die Höhe geschossen. Während dieser Etappe wurde Bushby unter anderem auch von russischen Grenzbeamten festgesetzt.
Familie lange Zeit getrennt
Seine Familie in England musste viele Jahre ohne ihn auskommen. Nur gelegentlich traf Bushby einzelne Angehörige. Seine Enkelin, die ihn gemeinsam mit seinem Sohn Adam bei der Rückkehr begrüßte, lernte er sogar erst jetzt persönlich kennen.
Dass er damals trotz seines kleinen Sohnes zu dieser außergewöhnlichen Reise aufgebrochen war, habe ihm immer wieder Kritik eingebracht. Bushby sagte, er könne diese Reaktionen nachvollziehen. Zugleich betonte er, dass die meisten Menschen die persönlichen Umstände dahinter nicht kennen würden.
Mit seiner Enkelin habe er zuvor bereits per Video Kontakt gehabt. Das erste Treffen von Angesicht zu Angesicht sei jedoch etwas ganz Besonderes gewesen. Nach seinen Worten habe sie die ungewohnte Situation sehr gut gemeistert.
Große Anerkennung in Hull
Auch auf dem Queen Victoria Square war die Bewunderung für Bushby groß. Eine Anwohnerin bezeichnete seine Leistung als außergewöhnlich. Ein weiterer Besucher sprach von einer geradezu epischen Leistung und lobte vor allem Entschlossenheit, Mut und mentale Stärke.
Bushby selbst blickt nun nach vorn. Er freue sich darauf, sein neues Leben kennenzulernen und herauszufinden, was als Nächstes auf ihn wartet. Eine weitere Reise in diesem Ausmaß schloss er allerdings aus. Seine Zeit dafür, sagte er, sei vorbei.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber